19.11.2020 04:55

Walenstadt SGMysteriöse Substanz treibt im Walensee

Der Berufsfischer Hanspeter Gubser sowie Forscher der ETH stehen vor einem Rätsel. Eine unbekannte Substanz verklebt die Netze des Fischers. Bisher konnte niemand klären, worum es sich genau handelt.

von
Leo Butie

Bilder vom Fischfang am Mittwochnachmittag.

Hanspeter Gubser

Darum gehts

  • Im Walensee verklebte eine mysteriöse Substanz die Netze des Berufsfischers Hanspeter Gubser.

  • Bisher ist nur klar, dass es keine Algen sind.

  • Durch die Substanz brach die Fangquote des Fischers ein.

  • Forscher rätseln noch, worum es sich handelt und woher die Substanz kommt.

Es ist eine mysteriöse Substanz, die handfeste Auswirkungen auf den Ertrag von Berufsfischer Hanspeter Gubser hat. Wie FM1Today berichtet, lagert sich bei Gubser, dem einzigen Berufsfischer auf dem Walensee, etwas an den Netzen ab. Durch diese Ablagerung steigt der Durchmesser der Fangschnüre. «Die Fische spüren das und bleiben so vom Netz fern», erklärt Gubser gegenüber 20 Minuten sein Problem. «Die herausgezogenen Netze waren richtig dreckig und wurden schwarz.» Ende Mai klebte die Substanz zum ersten Mal an seinen Netzen. Die finanziellen Auswirkungen seien noch bis heute spürbar. «Die Fangquote ist in diesem Jahr massiv eingebrochen», summiert Gubser.

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Eine unbekannte Substanz verklebt die Netze des Berufsfischers Hanspeter Gubser.

Eine unbekannte Substanz verklebt die Netze des Berufsfischers Hanspeter Gubser.

Amt für Wasser und Energie St. Gallen
Auch an der Winde kann man die Ablagerungen deutlich sehen. 

Auch an der Winde kann man die Ablagerungen deutlich sehen.

Amt für Wasser und Energie St. Gallen
Für Gubser, den einzigen Berufsfischer auf dem Walensee, bedeutete die Ablagerung eine deutlich niedrigere Fangquote.

Für Gubser, den einzigen Berufsfischer auf dem Walensee, bedeutete die Ablagerung eine deutlich niedrigere Fangquote.

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Noch steht man vor einem Rätsel

Gubser meldete seine Entdeckung beim Kanton. Dieser hat Abklärungen durchgeführt und Proben der Substanz entnommen. Bei Gubser kamen zwei Mitarbeiter des Kantons vorbei, die Abstriche der Substanz machten und Proben des pechschwarzen Wassers einsammelten. Bis jetzt konnte lediglich festgestellt werden, dass es keine Alge ist. «Mikroskopische Untersuchungen des Kantons St. Gallen haben gezeigt, dass es sich nicht um eine Algenblüte handelt», schreibt Vera Leib, Abteilungsleiterin der Abteilung Gewässerqualität vom kantonalen Amt für Wasser und Energie. Auch bei der Planktonzusammensetzung habe man keine Auffälligkeiten entdeckt.

Was der Grund für diese mysteriöse Ablagerung ist, ist weiterhin unklar. «Vielleicht hat es mit der Baustelle beim Kerenzerbergtunnel zu tun oder mit dem Wasserkraftwerk bei Amden», rätselt Gubser. Beim Kanton will man sich nicht auf Spekulationen einlassen. «Derzeit ist es noch zu früh, um darüber eine Aussage treffen zu können», so Leib. Und weiter: «Zur weiteren Abklärung wurden Proben an die Eawag, das Wasserforschungsinstitut der ETH, versandt. Diese Untersuchungen laufen derzeit.»

Die Lage hat sich für den Moment beruhigt

Mittlerweile hat sich die Situation laut Gubser etwas normalisiert. «Momentan fische ich in den höheren Wasserlagen, und dort ist das Wasser glasklar», erzählt Gubser.

Kurioserweise fehle es momentan aber an jeglicher Strömung im See. «Ansonsten verschieben sich die Netze während der Nacht um einen Kilometer, aber im Moment sind sie am Morgen immer noch am gleichen Ort.» Den Fischen selbst scheint die mysteriöse Substanz indes nichts anzuhaben. «Ihnen geht es prächtig», weiss der Fischer.

Nach dem Walensee brodelt es

Auch in der Linth, kurz nach dem Walensee, ist es in der Vergangenheit bereits zu speziellen Naturereignissen gekommen. Auf dem Grund der Linth konnte festgehalten werden, wie Rauch aus dem Grund der Linth austritt. Der Rauch soll aus feinem Lehm bestehen, der aus den Schlünden herausgetrieben wird. Die aufsteigenden Gasblasen deuten darauf hin, dass sich unterhalb des Kanals ein Hohlraum befindet.

Entdeckt hat das Naturschauspiel der Tauchprofi Toni Bendel aus Niederurnen.

Video: Toni Bendel

Limnologie

Die Limnologie ist die Wissenschaft der Binnengewässer. Limnologen befassen sich mit der Struktur und der Funktion von Süsswassersystemen. Dabei werden Wege erforscht, wie man nachhaltig Gewässer nutzen kann, oder wie man die Abwasserbelastung begrenzen kann. Der Wissenschaftszweig ist Teil der Ökologischen Forschung.

Eine Schweizer Anlaufstelle für Gewässerforschung ist beispielsweise die Eawag.

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60 Kommentare
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Felsenbeisser

20.11.2020, 14:25

Da es rund um den Walensee Steinbrüche und Felsstürze ( Axelstrasse lässt grüssen) gibt, könnte es sich auch um Steinstaub bzw. mineralische Ablagerungen handeln oder, das es recht oft Bebt, um eine Art " Black Smoker" in Miniformat. Aber das nur wenn sich die tiefere Wasserschichten erwärmen würden. PS: Black Smoker = heisse und extrem mineralreiche, hydrothermale Quellen.

Heinerle

20.11.2020, 07:35

Wurde nicht einmal eine Studie gemacht dass das Wasser des Wahlensees unter anderem vom Toggenburg herüber kommt oder Appenzell

Nurso

19.11.2020, 08:51

plattentektonik könnte ev. zu ausschüttung solcher substanzen geführt haben.