Mysteriöse technische Panne
Aktualisiert

Mysteriöse technische Panne

Seltsamer Zufall: Durch eine technische Panne sind sämtliche Geheimdienstinformationen über Auslandseinsätze der deutschen Bundeswehr aus den Jahren 1999 bis 2003 vernichtet worden.

Es handele sich um Berichte insbesondere über den Kosovo und Afghanistan, teilten das ARD-Politikmagazin «Report Mainz» und die Online-Ausgabe der Tagesschau am Montag mit. Brisant: Auch Berichte über die Teilnahme deutscher Offiziere an Verhören in einem US-Geheimgefängnis verschwunden. In Tuzla sollen die USA vor und nach dem 11. September 2001 Terrorverdächtige festgehalten und zum Teil misshandelt haben.

Kurnaz-Unterlagen weg

Wie die «Berliner Zeitung» weiter berichtet, waren an Verhören in Tuzla zumindest im Jahr 2001 auch Offiziere des Militärischen Abschirmdienstes (MAD) beteiligt. Das Blatt zitierte einen Sicherheitsexperten, dem zufolge mit Hilfe der verschwundenen Daten aufgeklärt werden könnte, welche Offiziere illegalerweise an solchen Verhören teilgenommen hätten.

Nach einem ARD-Bericht sind unter anderem auch Unterlagen aus dem Jahr 2002 verschwunden, die der Verteidigungsausschuss des Bundestags in der Affäre um die angebliche Misshandlung des Deutsch- Türken Murat Kurnaz durch Soldaten der deutschen Elite-Einheit KSK angefordert habe.

Fehlfunktion des Datensicherungsroboters

Dem Bericht zufolge hat das Bundesverteidigungsministerium gegenüber dem Verteidigungsausschuss die schwere Panne eingestanden. Betroffen sei der Bestand an Geheimdienstinformationen aus den Jahren 1999 bis 2003.

Nach Informationen von «Report Mainz» kam die Panne zu Tage, als der Verteidigungsausschuss des Bundestages Unterlagen aus dem Datenbestand der Bundeswehr aus dem Jahre 2002 angefordert hatte. Das Verteidigungsministerium musste daraufhin den Datenverlust einräumen. Der Untersuchungsausschuss fasste den «Beweisbeschluss» am 23. Mai dieses Jahres, um den Umgang der in Afghanistan eingesetzten «Kommando Spezialkräfte (KSK)» mit dem damaligen Häftling Murat Kurnaz in Kandahar aufzuklären.

In einem dem Magazin vorliegenden Schreiben an den Ausschuss habe Staatssekretär Peter Wichert eingeräumt, dass die betreffenden Daten «Ende 2004 verloren gegangen» seien. Von den geheimen Unterlagen sei «auf Grund der Speicherkapazität des Datensicherungsroboters jedoch nur einmal» eine Sicherungskopie abgelegt worden. «Weitere Sicherungskopien waren nicht realisierbar», hiess es. Der Datensicherungsroboter habe nach der Archivierung der Daten einen technischen Defekt erlitten.

In einem anderen Gerät sei ein Teil der entsprechenden Bandkassetten nicht mehr lesbar gewesen. «Der Versuch diese Kassetten in einem Ersatzgerät auszulesen und somit die Daten wieder zugänglich zu machen scheiterte», zitiert «Report»: «Entsprechend der gültigen Vorschriften zum Umgang mit Verschlusssachen wurden die nicht mehr lesbaren Kassetten am 04. Juli 2005 vernichtet.» (dapd)

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