Aktualisiert 11.06.2015 13:30

Bilderberg 2015

Mysteriöser Gipfel schürt Verschwörungstheorien

Am Bilderberg-Treffen steckt die globale Elite die Köpfe zusammen. Dass die Beschlüsse geheim bleiben, sorgt für die wildesten Gerüchte.

von
sut
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Die Zufahrt zum Interalpen Hotel Tyrol in Österreich wird streng kontrolliert. Das ist Futter für Verschwörungstheorien rund um die Bilderberg-Tagung, die am 11. Juni 2015 beginnt.

Die Zufahrt zum Interalpen Hotel Tyrol in Österreich wird streng kontrolliert. Das ist Futter für Verschwörungstheorien rund um die Bilderberg-Tagung, die am 11. Juni 2015 beginnt.

epa/Angelika Warmuth
Das Luxusresort liegt in bester Lage im Tirol.

Das Luxusresort liegt in bester Lage im Tirol.

Wikipedia.org
Es hat acht Massageräume, acht Kosmetiksalons, einen 50 Meter langen Indoor-Pool und einen Indoor-Golfplatz.

Es hat acht Massageräume, acht Kosmetiksalons, einen 50 Meter langen Indoor-Pool und einen Indoor-Golfplatz.

The Leading Hotels

Dieses Jahr wird die Welt in Telfs-Buchen abgewickelt. Im dortigen Luxus-Resort Interalpen Hotel Tyrol checken am Donnerstag 133 Mitglieder der globalen Elite ein und besprechen an der drei Tage dauernden Bilderberg-Tagung, wie es mit der Erde weitergehen soll.

Wer hier eingeladen ist, gehört zur Crème de la crème. Aus den USA reisten am meisten Teilnehmer an: 33 Wirtschaftsführer, Politiker und Wissenschaftler, angeführt vom 92-jährigen Oberstrategen Henry Kissinger. Darauf folgen Grossbritannien (12), Frankreich (11), Österreich und Deutschland (je 10). Wie die BBC vermerkt, ist unter den Bilderbergern die frühere niederländische Königin und jetzige Prinzessin Beatrix diesmal das einzige (ehemals) gekrönte Haupt.

Vier Schweizer, ein Russe

Die Schweiz ist mit vier Teilnehmern mit von der Partie: dem Roche-Verwaltungsratsmitglied Christoph Franz, dem Ex-Bundesbankier und heutigen BlackRock-Vize Philipp Hildebrand, dem Kudelski-Chef André Kudelski und dem Genfer Regierungsrat Pierre Maudet. Am Schluss der Liste von 22 Nationen rangiert Russland, vertreten durch den Ökonomieprofessor Sergej Gurjew.

Schwammige Themenliste

Die wenig erhellende Themenliste reicht von künstlicher Intelligenz über aktuelle Wirtschaftsfragen und den Nahen Osten bis zu den US-Wahlen. Europas Probleme werden unter anderen die drei amtierenden Premierminister von Holland, Finnland und Belgien diskutieren. Bankenbosse von HSBC, Lazard, Banco Santander, der Deutschen Bank sowie ein Vertreter der Europäischen Zentralbank werden sich der «heissesten Kartoffel» Griechenland annehmen, vermutet der «Guardian».

Zur Nahost-Krise lassen sich die Bilderberger vom US-General John Allen unterrichten, dem Leiter des internationalen Kampfs gegen den Islamischen Staat. Gleich drei Google-Leute und der PayPal-Gründer Peter Thiel werden einiges zur künstlichen Intelligenz zu sagen haben.

Chaos stiften? Ukraine bewaffenen? Bargeld abschaffen?

Aber was werden die Koryphäen beschliessen? Darum ranken sich, wie seit der ersten Bilderberg-Tagung von 1954, die wildesten Gerüchte. Auf der anarchistisch angehauchten Website inforwars.com vermutet Paul Joseph Watson, die Tagungsteilnehmer planten den Klassenkampf. «Sie wollen Unruhen, weil die Elite dann das Chaos ausnutzen kann, um sich als Retter darzustellen und einen staatlichen und wirtschaftlichen Totalitarismus einzuführen.»

Bemerkenswert findet Watson, dass Jim Messina in Telfs-Buchen aufkreuzt. Der Politstratege leitete 2012 Barack Obamas Wiederwahlkampf und berät jetzt Hillary Clinton. Seine Teilnahme sei ein klares Zeichen, dass Bilderberg hinter Hillary stehe. Im Weiteren sollen die Tagungsteilnehmer unter anderem darauf hinarbeiten, dass die Ukraine bewaffnet, das Bargeld abgeschafft und ein EU-Austritt Grossbritanniens hintertrieben wird.

Gestalter oder Getriebene?

In vielem erinnern die Vorausberichte an jene von 2011 in der Schweiz, als die Bilderberg-Elite ihre Köpfe in St. Moritz zusammensteckte. Doch damals schrieb der «Tages-Anzeiger»: «Die scheinbar Mächtigen sind mehr die Getriebenen als die Gestalter der Prozesse auf den Märkten und in der Gesellschaft.»

Weil die Geschehnisse der Tagung geheim bleiben mussten, konnte dem niemand widersprechen. Es wird diesmal nicht anders sein.

Bilderberg-«Werbespot» des Wiener Politrappers Kilez More:

(Quelle: YouTube/Kilez More)

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