Aktualisiert 11.06.2015 06:39

Bilderberg 2015

Mysteriöser Gipfel schürt Verschwörungstheorien

Beim Bilderberg-Treffen steckt die globale Elite die Köpfe zusammen. Dass die Beschlüsse geheim bleiben, sorgt für die wildesten Gerüchte.

von
sut

Dieses Jahr wird die Welt in Telfs-Buchen abgewickelt einer kleinen Gemeinde im Insbrucker Land. Im Luxus-Resort Interalpen Hotel Tyrol checken am Donnerstag 133 Mitglieder der globalen Elite ein und besprechen während der drei Tage dauernden Bilderberg-Tagung, wie es mit der Erde weitergehen soll.

Wer hier eingeladen ist, gehört zur Crème de la crème. Aus Deutschland sind Deutsche-Bank-Aufsichtsrat Paul Achleitner dabei, Springer-CEO Mathias Döpfner, Airbus-Chef Thomas Enders, Gruner+Jahr-Chefin Julia Jäkel, Verteidigungsminister Ursula von der Leyen und Katrin Suder, Staatssekretärin im Bundesministerium der Verteidigung.

Aus den USA reisten am meisten Teilnehmer an: 33 Wirtschaftsführer, Politiker und Wissenschaftler, angeführt vom 92-jährigen Oberstrategen Henry Kissinger. Darauf folgen Großbritannien (12), Frankreich (11), Österreich und Deutschland (je 10). Die «BBC» vermerkt, dass unter den Bilderbergern die niederländische Königin Beatrix diesmal das einzige gekrönte Haupt ist.

Schwammige Themenliste

Die wenig erhellende Themenliste reicht von künstlicher Intelligenz über aktuelle Wirtschaftsfragen und den Nahen Osten bis zu den US-Wahlen. Europas Probleme werden unter anderen die drei amtierenden Premierminister von Holland, Finnland und Belgien diskutieren. Bankenbosse von HSBC, Lazard, Banco Santander, der Deutschen Bank sowie ein Vertreter der Europäischen Zentralbank werden sich der «heißesten Kartoffel» Griechenland annehmen, vermutet der «Guardian».

Zur Nahost-Krise lassen sich die Bilderberger vom US-General John Allen unterrichten, dem Leiter des internationalen Kampfs gegen den Islamischen Staat. Gleich drei Google-Leute und der PayPal-Gründer Peter Thiel werden einiges zur künstlichen Intelligenz zu sagen haben.

Chaos stiften? Ukraine bewaffnen? Bargeld abschaffen?

Aber was werden die Koryphäen beschließen? Darum ranken sich, wie seit der ersten Bilderberg-Tagung von 1954, die wildesten Gerüchte. Auf der anarchistisch angehauchten Website inforwars.com vermutet Paul Joseph Watson, die Tagungsteilnehmer planten den Klassenkampf. «Sie wollen Unruhen, weil die Elite dann das Chaos ausnutzen kann, um sich als Retter darzustellen und einen staatlichen und wirtschaftlichen Totalitarismus einzuführen.»

Bemerkenswert findet Watson, dass Jim Messina in Telfs-Buchen aufkreuzt. Der Politstratege leitete 2012 Barack Obamas Wiederwahlkampf und berät jetzt Hillary Clinton. Seine Teilnahme sei ein klares Zeichen, dass Bilderberg hinter Hillary stehe. Im weiteren sollen die Tagungsteilnehmer unter anderem darauf hinarbeiten, dass die Ukraine bewaffnet, das Bargeld abgeschafft und ein EU-Austritt Großbritanniens hintertrieben wird.

Gestalter oder Getriebene?

In vielem erinnern die Vorausberichte an jene von 2011 in der Schweiz, als die Bilderberg-Elite ihre Köpfe in St. Moritz zusammensteckte. Doch damals schrieb der «Tages-Anzeiger»: «Die scheinbar Mächtigen sind mehr die Getriebenen als die Gestalter der Prozesse auf den Märkten und in der Gesellschaft.»

Weil die Geschehnisse der Tagung geheim bleiben mussten, konnte dem niemand widersprechen. Es wird diesmal nicht anders sein.

Bilderberg-«Werbespot» des Wiener Politrappers Kilez More:

(Quelle: YouTube/Kilez More)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.