Aktualisiert 11.03.2020 18:13

Vom Himmel gefallenMysteriöser Vogel-Tod sorgt für Spekulationen

Rund 120 Vögel fielen im Thurgau vom Himmel und starben. In Leser-Kommentaren wurde über 5G-Antennen als Ursache spekuliert. Experten winken ab.

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mig
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Passanten machten am 29. Februar in Triboltingen eine beunruhigende Beobachtung: Kurz nach 16 Uhr fielen rund 120 Stare wie Steine vom Himmel.

Passanten machten am 29. Februar in Triboltingen eine beunruhigende Beobachtung: Kurz nach 16 Uhr fielen rund 120 Stare wie Steine vom Himmel.

iStock Symbolbild
Der Grossteil der Tiere war sofort tot, nur drei von ihnen lebten noch, als ein Behördenvertreter vor Ort eintraf. «Sie mussten getötet werden. Eine Rettung hätte in ihrem Zustand keinen Sinn mehr gemacht», so Roman Kistler, Leiter des Amtes für Jagd- und Fischerei in Frauenfeld.

Der Grossteil der Tiere war sofort tot, nur drei von ihnen lebten noch, als ein Behördenvertreter vor Ort eintraf. «Sie mussten getötet werden. Eine Rettung hätte in ihrem Zustand keinen Sinn mehr gemacht», so Roman Kistler, Leiter des Amtes für Jagd- und Fischerei in Frauenfeld.

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Triboltingen ist ein kleiner Ort im Kanton Thurgau.

Triboltingen ist ein kleiner Ort im Kanton Thurgau.

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Es ist und bleibt ein mysteriöser Fall: In Triboltingen TG wurden am 29. Februar rund 120 tote Stare aufgefunden. Die Vögel lagen am Strassenrand und waren offenbar wie Steine vom Himmel gefallen. Was genau zum Tod der Vögel führte, ist bis heute unklar.

Untersuchungen an der Universität Bern haben ergeben, dass die Vögel eine Schädelfraktur und Lungenblutungen aufwiesen. Livio Rey von der Vogelwarte Sempach erklärt: «Diese Verletzungen treten typischerweise auf, wenn Vögel einen Zusammenprall hatten.» Für ihn und auch andere Vogelexperten gilt als Todesursache deshalb eine Kollision mit einem Fahrzeug oder einem Gebäude als realistisch und wahrscheinlich.

5G als Ursache?

Eine erhebliche Anzahl Leser meint, am Sterben der Vögel, die wohl zu einem Schwarm von zehntausenden Stare gehören, die auf der anderen Seite des Bodensees einen Schlafplatz hatten, sei der Mensch schuld – sei es durch Pestizide oder durch die Strahlung von 5G-Antennen.

Zum Thema Pestizide erklärt Rey: «Noch bei keinem von der Vogelwarte ans Labor eingeschickten Kleinvogel konnte eine Vergiftung durch Pestizide festgestellt werden, dies tritt eher bei Greifvögeln auf. Dass es sehr oft Starengruppen sind, die tot gefunden werden, liegt an ihrer Biologe. Sie sind oft in dichten Schwärmen und der Nähe von Menschen unterwegs.» Und deswegen könne es eben schon sein, dass über 100 Vögel in einen Lastwagen fliegen.

Strahlung ungefährlich

Auch in anderen Ländern wurden bereits tote Stare am Strassenrand gefunden. Gegen 300 Stare wurden 2018 in Den Haag tot aufgefunden. Auch dort wurde über 5G-Strahlung als Todesursache spekuliert. Es stellte sich jedoch heraus, dass die Vögel gestorben waren, nachdem sie unverträgliche Beeren gefressen hatten.

Die Strahlung einer 5G-Antenne als Todesursache in Triboltingen hält Rey, basierend auf den zur Verfügung stehenden Informationen, für unwahrscheinlich. Eine Antenne gibt es zudem im Dorf selbst keine und auch nicht in unmittelbarer Nähe, wie eine Übersicht des Bundes zeigt.

Auch Strahlenschutzexperten glauben nicht an eine tödliche Wirkung von 5G. Die Strahlung sei ungefährlich und werde an der Körperoberfläche absorbiert, sagte etwa Martin Röösli, Umweltepidemiologe an der Universität Basel, gegenüber der «Zeit».

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