Aktualisiert 31.03.2007 14:03

Mysteriöses Bienensterben

Plötzlich ereilt in Amerika ganze Bienenvölker reihenweise der Tod. Über die Ursachen wird gerätselt - auch in der Schweiz, denn hierzulande kennt man das Phänomen ebenfalls. Eine Grossumfrage unter Imkern soll Klarheit über das Ausmass der Schäden schaffen.

Der geheimnisvolle und plötzliche Bienentod trat zuerst in Nordamerika auf. Dort sind dieses Jahr gut 70 Prozent der Völker an dem «Colony Collaps Disorder» eingegangen, von der Ost- bis zur Westküste. Den Grund kennt niemand. Die Bienenvölker entfliegen dem Stock und lassen ihre Nachkommenschaft hilflos zurück. Nicht einmal tote Bienen sind in den Stöcken zu finden.

Das Phänomen kennt man auch in Europa. 2003 war ein schlimmes Jahr für die Imker. In Deutschland starben so viele Bienen wie noch nie. In der Schweiz ging die Bienenpopulation damals um 25 Prozent zurück. Dieses Jahr war der Verlust der Insekten zwar geringer, wie Richard Wyss, Präsident der Schweizer Bienenfreunde, gegenüber 20minuten.ch sagte. Doch auch hierzulande stehen Imker und Insektenforscher vor einem Rätsel.

Grossumfrage geplant

Laut Wyss ist der Grund für das rätselhafte Verlassen des Bienenstocks

nach wie vor ungeklärt. Das Phänomen wird aber schon seit den 1960-er Jahren beobachtet. Seit 1984 die Varroa-Milbe, ein Bienenparasit, die Schweiz erreicht hat, finden Imker immer wieder leere Kästen vor. «Vermutlich handelt es sich um verschiedene Stressfaktoren, denen Bienen ausgesetzt sind», so Wyss.

Gemäss Rückmeldungen von Imkern und Bieneninspektoren ist die Lage dieses Jahr in der Schweiz nicht dramatisch. Die Sterberate lag nur leicht über dem langjährigen Schnitt. Dennoch will der Verein Deutschschweizer und Rätoromanischer Bienenfreunde (VDRB) eine grossangelegte Umfrage unter Imkern starten. In der obligatorischen Mitgliederzeitung sollen sämtliche 15000 Imker über die Lage in ihren Stöcken Auskunft geben. «Wir wollen verlässliche Zahlen erhalten», so Wyss.

Ohne Bienen keine Ernte

Angesichts des rapiden Todes amerikanischer Bienen könnte einem Angst und Bange werden. Denn die pelzigen Insekten sorgen nicht nur für leckeren Honig, sondern auch für einen Grossteil der Bestäubung in der Natur. 87 der 115 wichtigsten Obst- und Gemüsepflanzen sind auf Bienen, Hummeln und andere Insekten zum Bestäuben angewiesen.

Aurel Stevens

Video: Bienensterben in Deutschland

Video: Dramatischer Verlust in den USA

(sda)

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