Dank DNA-Treffer - Nach 22 Jahren ist der mutmassliche Uzi-Mörder von Biel in Haft
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Dank DNA-TrefferNach 22 Jahren ist der mutmassliche Uzi-Mörder von Biel in Haft

Jahrelang blieb der brutale Mordfall, der sich 1999 in Biel-Mett zugetragen hat ungeklärt. Ein Einbruch brachte die Polizei Ende 2015 auf eine heisse Spur. Jetzt sitzt der mutmassliche Täter in Haft.

von
Lukas Hausendorf
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So berichtete der Blick damals über das Verbrechen von Biel- Mett.

So berichtete der Blick damals über das Verbrechen von Biel- Mett.

Im Gebiet Lindenhofstrasse in Biel-Mett, im sogenannten «Stadtmist», wurde im Frühling 2000 eine Pistole vom Typ Uzi gefunden.

Im Gebiet Lindenhofstrasse in Biel-Mett, im sogenannten «Stadtmist», wurde im Frühling 2000 eine Pistole vom Typ Uzi gefunden.

Wikiedia/Rama (Symbolbild)
Solchen Schmuck hat die Täterschaft beim Uzi-Mord in Biel-Mett entwendet.

Solchen Schmuck hat die Täterschaft beim Uzi-Mord in Biel-Mett entwendet.

Kapo Bern

Darum gehts

  • Im Juni 1999 wurde in Biel-Mett ein 22-Jähriger durch Kugeln aus der Uzi-Maschinenpistole tödlich getroffen.

  • 22 Jahre nach der Tat ist nun ein Verdächtiger in Haft. DNA-Spuren, die er bei einem Einbruch 2015 hinterliess, überführten ihn.

  • Ein Urteil des Obergerichts, das sich einer Beschwerde gegen die Verlängerung seiner Untersuchungshaft befassen musste, bringt neue Details zur Tat ans Licht.

20 Jahre nach dem als Uzi-Mord bekannt gewordenen Tötungsdelikt in Biel-Mett veröffentlichte die Berner Kantonspolizei im Juni 2019 einen neuerlichen Zeugenaufruf. In der Nacht auf Freitag, 25. Juni 1999 wurde in einer Liegenschaft an der Lindenhofstrasse in Biel-Mett ein 22-Jähriger durch Schüsse aus einer Uzi-Maschinenpistole tödlich getroffen. Das Opfer war einer der Söhne des Ehepaars, das in dem Haus wohnte. Die Waffe gehörte einem von vier maskierten Tätern, die sich im Haus befanden und das dort wohnhafte Ehepaar und dessen jüngsten Sohn fesselten und bedrohten. Als der 22-Jährige mit seinem Bruder nach Mitternacht zum Haus kam, gab einer der Täter mehrere Schüsse durch ein Fenster ab.

Im Anschluss flüchteten die Täter mit wertvollem, mit Brillanten, Saphiren und Amethysten besetztem Goldschmuck. Die Maschinenpistole hatten sie ebenfalls im Haus gefunden. Am Tatort konnte die Polizei DNA sichern, die mit grosser Wahrscheinlichkeit von den Tätern stammte. Die mutmassliche Tatwaffe wurde im Frühling 2000 in der Umgebung des Tatorts gefunden.

Jetzt sitzt der mutmassliche Schütze in Haft, wie die «Berner Zeitung» am Samstag publik machte. In Zusammenhang mit einem Einbruch im Kanton Bern wurde der Verdächtige schon Ende 2015 erkennungsdienstlich erfasst. Seine DNA stammte mit den gesicherten Spuren vom Tatort in Biel-Mett überein. Die Staatsanwaltschaft Berner Jura-Seeland eröffnete in der Folge ein Strafverfahren wegen Mordes, seit dem 12. Januar 2021 sitzt er in Untersuchungshaft.

Alle Taten sind verjährt, ausser der Mord

Dass die Festnahme publik wurde, ist einer Beschwerde des Verdächtigen geschuldet, der sich gegen die Verlängerung der Untersuchungshaft vor dem Obergericht wehrte. Dessen anonymisiertes Urteil vom 3. August, das der Berner Zeitung exklusiv vorliegt, bringt neue Details ans Licht. Die DNA des Tatverdächtigen tauchte auf der Haftseite eines Klebebandes auf, das für die Fesselung und Knebelung des Ehepaars im Mordfall verwendet worden war. Auch an einem Kleidungsstück der Mutter des Mordopfers gab es einen weiteren Treffer. Der Mann streitet dennoch ab, etwas mit dem Mord zu tun gehabt zu haben.

Stünde er nicht unter Mordverdacht, dürfte in Zusammenhang mit der Tat von Biel-Mett gar nicht mehr gegen den Mann ermittelt werden. Denn alle anderen Delikte, wie Raub, Geiselnahme oder Körperverletzung sind inzwischen verjährt. Und weil bereits ab 2015 in diesem Zusammenhang gegen den Verdächtigen Ermittlungen aufgenommen wurden, ist die Verjährungsfrist seither unterbrochen.

Hinrichtung wegen illegalen Waffengeschäften?

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Tatverdächtige und seine Komplizen von Anfang an vorhatten, den 22-Jährigen und auch dessen Bruder im Haus in Biel-Mett in Anwesenheit ihrer Familie hinzurichten. Die beiden seien in einem illegalen Waffenhandel mit der Befreiungsarmee für den Kosovo (UCK) involviert gewesen. Der Beschuldigte sei darum mindestens wegen Gehilfenschaft zum Mord zu belangen.

Der Tatverdächtige verfüge über Beziehungen zu Nordmazedonien und den USA, es bestehe deshalb Flucht- und Verdunklungsgefahr. Ob weitere Tatverdächtige bereits identifiziert wurden, ist nicht klar. Aus dem Urteil der Beschwerdekammer des Obergerichts geht aber hervor, dass weitere Personen beschuldigt sind und weitere Einvernahmen anstehen.

Der Entscheid des Obergerichts zur Verlängerung der Untersuchungshaft ist noch nicht rechtskräftig. Laut der «Berner Zeitung» ist noch eine Beschwerde beim Bundesgericht hängig.

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von sexualisierter, häuslicher, psychischer oder anderer Gewalt betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Polizei nach Kanton

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Lilli.ch, Onlineberatung für Jugendliche

Frauenhäuser in der Schweiz und Liechtenstein

Zwüschehalt, Schutzhäuser für Männer

Agredis, Gewaltberatung von Mann zu Mann, Tel. 078 744 88 88

LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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