Saudi-Arabien: Nach 30 Jahren gibts wieder Kino
Aktualisiert

Saudi-ArabienNach 30 Jahren gibts wieder Kino

Ein sanfter Reformwind weht durch Saudi-Arabien: Nach 30 Jahren Verbot wurden erstmals wieder Kinos eröffnet – gegen den Widerstand der Religionspolizei.

In zwei Kulturzentren in Dschidda und Taif wird seit kurzem die Komödie «Menahi» gezeigt, mit grossem Erfolg. Wegen des Andrangs mussten zeitweise acht Vorstellungen pro Tag angesetzt werden. Ungewöhnlich auch: Im Publikum sitzen beide Geschlechter, eigentlich ein Tabu in dem ultrakonservativen Land. Die Religionspolizei setzt die Trennung von Männern und Frauen, die nicht familiär verbunden sind, in der Regel rigoros durch.

Ibrahim al-Ghaith, Chef der besagten Religionspolizei und zweitmächtigster Kleriker im Land, reagierte anfangs ungehalten. Er sprach sich für die Weiterführung des seit 30 Jahren bestehenden Kino-Verbots aus. Man brauche dieses Übel im Königreich nicht. Doch schon kurz darauf mässigte al-Ghaith seinen Ton: «Wir haben nichts gegen das Kino, so lange es Gutes zeigt und das islamische Recht nicht verletzt.»

König auf Reformkurs

Der Sinneswandel dürfte nicht von ungefähr kommen, denn der Film «Menahi» wurde vom Multimiliardär Prinz Al Walid ibn Talal al Saud produziert, einem der reichsten Männer der Welt und Mitglied des weit verzweigten Königshauses. Beobachter glauben, dass dies ohne Einwilligung von ganz oben nicht möglich gewesen wäre. König Abdullah bemüht sich seit einiger Zeit um Reformen. Der grösste Erdölexporteur der Welt könne nicht still stehen, wenn sich die Welt rund herum verändere, sagte er.

Bereits vor drei Jahren wurden erstmals Trickfilme gezeigt, in geschlossenen Vorstellungen und nur für Frauen und Kinder. Allerdings war das Ende des Kinoverbots ohnehin überfällig, denn die meisten Saudis besitzen Satellitenschüsseln und können sehen, was sie wollen. In vielen Cafés werden zudem Filme am Fernsehen gezeigt.

(pbl)

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