Aktualisiert 16.04.2018 08:00

Doktor Sex«Nach 6 Monaten begehre ich sie schon nicht mehr!»

Obwohl Sam noch nicht lange mit seiner Freundin zusammen ist, hat er keine Lust mehr auf Sex mit ihr. Woran liegt das und was kann er dagegen tun?

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Lustlosigkeit kann verschiedene Auslöser haben. (Bild: «Fight Club»/20th Century Fox)

Lustlosigkeit kann verschiedene Auslöser haben. (Bild: «Fight Club»/20th Century Fox)

Frage von Sam (27) an Doktor Sex: Ich bin seit einem halben Jahr in einer festen Beziehung. Meine Partnerin ist in meinem Alter. In den ersten drei Monaten hatten wir ganz normal oft Sex – sprich, etwa zweimal pro Woche. Aber mittlerweile hat sich das stark verändert und wir bumsen, wenn überhaupt, nur noch etwa einmal pro Monat.


In meinen vorherigen Beziehungen war das anders. Irritierend ist für mich auch, dass meine jetzige Partnerin im Vergleich zu den früheren Frauen attraktiver ist. Das macht mich mir selbst gegenüber noch unsicherer. Ich nehme weder Medikamente noch hat sich sonst etwas an den Lebensumständen verändert.

Auch die Beziehung läuft bis anhin insgesamt super. Wir verstehen uns ausgezeichnet, unternehmen viel zusammen und lachen häufig. Aber wenn es um Sex geht, habe ich einfach keine Lust. Woran kann das liegen? Und kann ich etwas gegen meine Lustlosigkeit tun? Danke für deinen Rat!

Antwort von Doktor Sex

Lieber Sam

Das Klischee vom Mann, der immer will und immer kann, ist in unserer Gesellschaft weit verbreitet. Über männliche Lustlosigkeit hingegen wird immer noch wenig gesprochen. Dies hat wohl auch damit zu tun, dass sie, im Gegensatz zur Erektionsstörung, nicht direkt medikamentös angesprochen werden kann und daher für Forschung und Industrie wenig attraktiv ist.

Auslöser für sexuelle Lustlosigkeit können beispielsweise alle Arten von Stress und Belastungen, mangelnder Selbstwert oder Ängste sein. Aber auch physische und psychische Erkrankungen, neurologische Ausfälle und Störungen oder Medikamente können dazu führen. Bei älteren Männern trägt auch der sinkende Testosteronspiegel zu einem Libidomangel bei.

Oft wirken mehrere der genannten Gründe zusammen. Manchmal dauert der als Mangel erlebte Zustand längere Zeit an, manchmal ist die Lustlosigkeit genauso schnell vorbei, wie sie gekommen ist. In einigen Fällen ist eine Psychotherapie notwendig, in anderen können Betroffene die Situation ohne fachliche Unterstützung selber verändern.

Um sicherzugehen, dass keine akute Erkrankung oder Störung im Hormonhaushalt vorliegt, rate ich dir, dich für ein Check-up beim Hausarzt oder einem Urologen anzumelden. Dieser wird dich nicht nur untersuchen, sondern gemeinsam mit dir herauszufinden versuchen, ob allenfalls weitere Massnahmen angezeigt sind.

Ergänzend dazu empfehle ich dir, dich mit deinem Konzept und deinen Vorstellungen von Lust und Sex auseinanderzusetzen. Die Begriffe suggerieren nämlich eine Eindeutigkeit, die sich bei genauerem Hinschauen verflüchtigt. Finde heraus, was für dich persönlich hier und heute wichtig ist – unabhängig davon, was früher war oder medial verbreitet wird.

Zärtlichkeit und Körperlichkeit können auch erfahren werden, ohne drängende Lust oder den Wunsch, zum Orgasmus zu kommen, zu verspüren. Allein durch das ziellose Erleben von Berührungen und inniger Nähe kann sich nämlich eine Form von Lust einstellen, die weicher und offener, gleichzeitig aber auch sehr viel kräftiger ist als das biochemische Getriebensein.

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