Zürich: Nach Abtreibungsverbot in den USA – «Marsch fürs Läbe» droht zu eskalieren

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ZürichNach Abtreibungsverbot in den USA – «Marsch fürs Läbe» droht zu eskalieren

Die Abtreibungsgegner ziehen am Samstag durch Oerlikon ZH. Linke Organisationen mobilisieren zu einer Gegendemonstration und wollen die Veranstaltung stören. 

von
Lynn Sachs
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 Letztes Jahr setzte die Polizei bei der Gegendemonstration Gummischrot und Reizstoff ein.

Letztes Jahr setzte die Polizei bei der Gegendemonstration Gummischrot und Reizstoff ein.

20min/Simon Glauser
Am Samstag findet in Zürich Oerlikon der zwölfte «Marsch fürs Läbe» statt.

Am Samstag findet in Zürich Oerlikon der zwölfte «Marsch fürs Läbe» statt.

20min/Simon Glauser
Im Hinblick auf den Supreme-Court-Entscheid vom Juni und die Vorlagen zum Thema Abtreibung in der Schweiz hat die Veranstaltung eine neue Brisanz.

Im Hinblick auf den Supreme-Court-Entscheid vom Juni und die Vorlagen zum Thema Abtreibung in der Schweiz hat die Veranstaltung eine neue Brisanz.

20min/Simon Glauser

Darum gehts

  • Abtreibungsgegnerinnen und Abtreibungsgegner versammeln sich am Samstag zum «Marsch fürs Läbe».

  • Auch eine unbewilligte Gegendemonstration wurde angekündigt.

  • Der Polizei sind die Aktualität des Themas und die damit verbundenen möglichen Folgen bekannt. Dies fliesst in die Lagebeurteilung ein.

Das Thema der Abtreibungsverbote wird in der Schweiz vermehrt diskutiert, seitdem der Oberste Gerichtshof der USA im Juni das liberale Abtreibungsrecht gekippt hat. Hierzulande wurden zwei Vorlagen zum Thema Abtreibung lanciert – die «Einmal-darüber-schlafen-Initiative» und die «Lebensfähige-Babys-retten-Initiative». Die Initiativkomitees werden von mehreren SVP-Vertreterinnen und -Vertretern angeführt.

Im Hinblick darauf hat der zwölfte «Marsch fürs Läbe», der am Samstagnachmittag in Zürich Oerlikon stattfindet, eine neue Brisanz. Die Abtreibungsgegnerinnen und Abtreibungsgegner wollen in diesem Jahr mit Bezug auf eine der Vorlagen Personen dazu aufrufen, «nochmal nachzudenken», bevor man eine Abtreibung einleitet. Für die Kundgebung rufen die EDU und mehrere katholische und evangelische Organisationen auf.

Gegendemo will «Marsch fürs Läbe» stören

Auch dieses Jahr wird vonseiten der Gruppierung «zuerich_selbstbestimmt» und weiterer linker Organisationen zu einer Gegendemonstration mobilisiert. Die Gegendemonstrantinnen und Gegendemonstranten planen, sich zur selben Zeit wie die Antreibungsgegnerinnen und Abtreibungsgegner in Oerlikon zu versammeln.

Auf barikade.info schreiben sie, dass man in den vergangenen Jahren die Veranstaltung jeweils erfolgreich stören konnte. «In diesem Jahr wird es nicht anders sein.» Man wolle sich «laut, selbstbestimmt und kämpferisch» dem Marsch entgegenstellen. Ob es am Samstag zu einer Eskalation kommen wird, bleibt offen. Im Vorfeld zum «Marsch fürs Läbe» haben Anhängerinnen und Anhänger von «zuerich_selbstbestimmt» ein christliches Gebetshaus im Zürcher Kreis 3 mit dem Spruch «Fundis aufs Maul» versprayt. In der Lokalität werde laut den Aktivistinnen und Aktivisten ein Vorbeten für den «Marsch fürs Läbe» angeboten.

«Wir haben den Markplatz in Oerlikon dem Satan geweiht.»

Am Freitag kursierte in den sozialen Medien zudem ein Video mit unbekanntem Absender. Es zeigt mehrere Personen in langen Umhängen, mit Fackeln und Masken auf dem Oerliker Markplatz. In einer Botschaft richten sie sich an die Abtreibungsgegnerinnen und Abtreibungsgegner. «Wir haben in einer sehr aufwendigen Zeremonie, die sich über mehrere Nächte erstreckt hat, zusammen mit satanischen Hohepriestern aus ganz Europa den Markplatz in Oerlikon dem Satan geweiht.» Am «Marsch fürs Läbe» werde Satan die Seelen der Teilnehmenden rauben.

Weiter drohen sie: «Wir werden unsere Zeremonienmeister unerkannt auf eure Kundgebung schleusen. Sie werden die Insignien Satans auf sich tragen.» Das Video wird von den Organisationen, die sich an der Gegendemo beteiligen, auf verschiedenen Plattformen geteilt.

Polizei will Lage laufend beurteilen

Das Video und die Aufrufe zur Gegendemo sind der Stadtpolizei Zürich bekannt. Die Gegenveranstaltung sei aber im Gegensatz zum «Marsch fürs Läbe» nicht bewilligt. «Wir werden mit einem entsprechenden Aufgebot vor Ort sein und die Lage laufend beurteilen», sagt Medienchefin Judith Hödl. Die Aktualität des Themas und die damit verbundenen möglichen Folgen seien der Polizei bekannt und fliessen in die Lagebeurteilung ein.

Letztes Jahr haben an der unbewilligten Gegendemo laut Angaben der Stadtpolizei Zürich rund 200 Personen teilgenommen. Dutzende Personen wurden kontrolliert, weggewiesen und verzeigt. Im Zusammenhang mit diesem Einsatz setzte die Polizei Gummischrot und Reizstoff ein. 

Demos gegen Abtreibungsurteil 

Die feministischen Streikkollektive Schweiz protestierten Ende Juni gegen die Kippung des liberalen Abtreibungsgesetzes in den USA. Um ihre «Wut und Abscheu gegenüber politischen Kräften auszudrücken, die über die Körper von FLINTA-Personen entscheiden wollen», gingen unter anderem in Zürich, Freiburg, Genf, Luzern und St. Gallen Hunderte auf die Strasse. «Jeder Mensch soll selber entscheiden dürfen, ob er abtreiben möchte oder nicht. Ich finde es unglaublich, dass wir überhaupt darüber sprechen müssen», sagte eine 20-Jährige gegenüber 20 Minuten an der Demonstration in Zürich. Eine 23-jährige Teilnehmerin sah es ähnlich. «Es macht mich wütend und traurig, dass wir darüber diskutieren müssen, ob Abtreibung erlaubt sein darf oder nicht. Es ist mein Körper und meine Entscheidung.»

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Hier findest du Hilfe:

Beratungsstellen nach Region

Appella, Telefon- und Onlineberatung

Fachstelle Kindsverlust, Beratung während Schwangerschaft, Geburt und erster Lebenszeit

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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