Nach Amstetten auf Freaklauer
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Nach Amstetten auf Freaklauer

In Amstetten herrscht seit einer Woche Belagerungszustand: Paparazzi und Touristen pilgern in das kleine niederösterreichische Städtchen, um ihre Morbidität auszuleben.

Für das erste Bild der seit 24 Jahren in einem Keller gefangenen Elisabeth Fritzl wird eine Million Euro geboten. Kein Wunder, lauern seit über einer Woche Hunderte von Fotografen aus aller Welt vor der Amstettner Mauer-Klinik. Die Appelle der Ärzte, das Recht der Familie auf Privatsphäre zu akzeptieren, bleiben ungehört. Im Gegenteil, in den letzten Tagen konnten Fotografen beobachtet werden, wie sie auf die höchsten Bäume an der Ybbsstrasse kletterten. Reporter in Tarnjacken robbten wie Elitesoldaten durch das Gestrüpp vor der Klinik, in der Elisabeth und zwei ihrer Kinder in Ruhe behandelt werden. Ein belgisches Fernsehteam musste gar gewaltsam am Eindringen in das Gebäude gehindert werden.

Katastrophentourismus en masse

Doch nicht nur die Medien sind auf der Lauer: Der Inzest-Fall hat auch die Aufmerksamkeit von «Katastrophentouristen» auf Amstetten gelenkt. Leute aus der Umgebung, aber auch aus Deutschland, reisen an, um eine Erinnerungsfoto von Fritzls Anwesen zu machen.

Inzwischen sorgt neben der Polizei und Mitarbeitern des Klinikums auch ein privater Wachdienst für die Sicherheit der Opfer. Für die Stadt sei dies erschreckend, sagte Vizebürgermeisterin Ursula Puchebner. Reisende aus Deutschland würden die Westautobahn (A1) verlassen, um einen Blick auf das «Horror-Haus» zu werfen, sagte Puchebner. «Die Motivation, die dahinter steht, ist nicht nachvollziehbar».

Einvernahme am Mittwoch

Im Inzest-Fall von Amstetten will die Staatsanwaltschaft den Verdächtigen Josef Fritzl am Mittwoch befragen. Das meldete die österreichische Nachrichtenagentur APA am Dienstag unter Berufung auf einen Sprecher der Staatsanwaltschaft St. Pölten. Eine Befragung der Opfer sei noch «in weiter Ferne», sagte Sprecher Gerhard Sedlacek.

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