Aktualisiert 25.09.2014 14:07

Im Strassenverkehr

Nach Beinahe-Unfällen wird aufs Gas gedrückt

Der Autofahrer, das irrationale Wesen: Wer haarscharf an einem Unfall vorbeischrammt, verhält sich anschliessend nicht vorsichtiger, sondern fährt erst recht schneller als erlaubt.

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Bei Testfahrten im Simulator zeigte sich, dass gereizte Autolenker keine guten Fahrer sind.

Bei Testfahrten im Simulator zeigte sich, dass gereizte Autolenker keine guten Fahrer sind.

Wer im Autoverkehr gerade noch einmal mit dem Schrecken davongekommen ist, fährt danach besonnener. So könnte man meinen. Schliesslich muss man erst mal wieder runterkommen und sich von dem Vorfall erholen. Doch dem ist nicht so, wie Rainer Höger und Ernst Roidl der Leuphana Universität Lüneburg im Fachjournal «Accident Analysis & Prevention» berichten.

Für ihre Studie liessen sie 79 Automobilisten in einem Fahrsimulator einen Testparcours absolvieren, in dem sie verschiedene Verkehrssituationen bewältigen mussten. In einem Fall mussten sie beispielsweise plötzlich auf die Bremse treten, um einen Auffahrunfall zu verhindern.

Risikofreude und Raserei

Dabei zeigte sich, dass sie daraufhin nur kurzfristig langsamer fuhren. Denn schon nach wenigen Kilometern beschleunigten sie wieder – und zwar häufig so sehr, dass sie das Tempolimit überschritten. Zudem fuhren sie unberechenbarer und lenkten abrupter. «Angst verändert das Fahrverhalten messbar zum Negativen», zitiert die Hochschule Roidl. Er vermutet, dass eine Schrecksekunde die Menschen unaufmerksamer werden lässt – dies, weil sie gedanklich noch bei der Gefahrensituation sind.

Ärger verleitet zum Gasgeben

Doch nicht nur Angst, auch Ärger verleitet zum Fahren mit überhöhter Geschwindigkeit, wie ein weiteres Experiment im Simulator zeigte: Mussten die Probanden längere Zeit hinter einem sogenannten Sonntagsfahrer hinterherschleichen, fuhren sie danach auch vorübergehend deutlich riskanter. Der Grund: «Ärger schärft den Fokus; wir denken, wir hätten alles im Griff und sind daher eher bereit, Risiken einzugehen», so der Experte.

Weil diese Reaktionen zu Unfällen führen können, raten die Forscher zu Empathie. Statt sich über die anderen Verkehrsteilnehmer aufzuregen, sollte man besser versuchen, sich in sie hineinzuversetzen und zu fragen: Warum trödelt der Fahrer vor mir? Macht es ihm vielleicht Angst, wenn ich so dicht auffahre? Oder: Wie würde ich reagieren, wenn hinter mir jemand mit der Lichthupe drängelt?

Mit welchen Tricks versuchen Sie sich im Strassenverkehr zu beruhigen? Nennen Sie uns Ihre Beispiele in den Kommentaren!

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