Neue Inkasso-Firma: Nach Billag-Aus – 240 Jobs stehen auf dem Spiel
Aktualisiert

Neue Inkasso-FirmaNach Billag-Aus – 240 Jobs stehen auf dem Spiel

Die Hiobsbotschaft hat die Billag-Mitarbeiter erst heute Morgen erreicht. 99 Prozent des Firmenumsatzes brechen weg.

von
J. Büchi
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Die Billag darf nur noch bis Ende 2018 die Radio- und TV-Gebühren eintreiben. Wie es danach für die 240 Mitarbeiter weitergeht, ist unklar.

Die Billag darf nur noch bis Ende 2018 die Radio- und TV-Gebühren eintreiben. Wie es danach für die 240 Mitarbeiter weitergeht, ist unklar.

Keystone/Juerg Mueller
Billag-Mediensprecher Dominik Müller zeigt sich auf Anfrage von 20 Minuten sehr «enttäuscht». Die Firma sei nur zwei Stunden vor Versand der Medienmitteilung informiert worden.

Billag-Mediensprecher Dominik Müller zeigt sich auf Anfrage von 20 Minuten sehr «enttäuscht». Die Firma sei nur zwei Stunden vor Versand der Medienmitteilung informiert worden.

Keystone/Jean-christophe Bott
Der Name Billag ist auch politisch stark aufgeladen: Voraussichtlich nächstes Jahr kommt die No-Billag-Initiative vors Volk, die eine Abschaffung der Empfangsgebühren zum Ziel hat.

Der Name Billag ist auch politisch stark aufgeladen: Voraussichtlich nächstes Jahr kommt die No-Billag-Initiative vors Volk, die eine Abschaffung der Empfangsgebühren zum Ziel hat.

Keystone/Marcel Bieri

Schock für die Mitarbeiter der Billag: Künftig ist eine andere Firma für das Eintreiben der Radio- und TV-Gebühren zuständig. Ab Ende 2018 übernimmt die Serafe AG mit Sitz in Fehraltorf die Aufgabe, wie der Bund am Freitagmorgen kurz nach 10 Uhr mitteilte.

Billag-Sprecher Dominik Müller zeigt sich auf Anfrage von 20 Minuten sehr «enttäuscht». «Wir können uns noch nicht erklären, warum wir den Auftrag nicht weiter ausführen dürfen.»

Die Hiobsbotschaft hatte die Firma Billag nur gerade zwei Stunden vor dem Versand der Medienmitteilung des Bundesamts für Kommunikation (Bakom) erreicht. «Man sagte uns nur, dass wir den Auftrag nicht mehr haben. Eine Begründung oder weitere Informationen gab es nicht», so Müller.

123 Millionen für sieben Jahre

Wie es mit der Swisscom-Tochter Billag AG weitergeht, ist noch unklar. Aber: «Das Mandat hat 99 Prozent unseres Umsatzes ausgemacht.» Bis Ende 2018 müsse man den Betrieb noch sicherstellen. Was danach mit den 240 Mitarbeitern passiert, ist offen. Müller: «Denkbar ist, dass die Billag AG schliessen muss.»

Das Bakom begründet die Vergabe des Auftrags an die Serafe AG damit, dass diese sich in der Ausschreibung durch ihr Preis-Leistungs-Verhältnis von den anderen Anbietern abgehoben habe. Für eine Mandatsdauer von sieben Jahren beträgt die Entschädigung rund 123 Millionen Franken. Zum Vergleich: Die Billag AG wurde für ihre Inkassodienste mit rund 50 Millionen Franken jährlich entschädigt.

Künftig zahlt jeder Haushalt

Allerdings muss die neue Inkassofirma auch andere Aufgaben erfüllen als die bisherige. Kontrollen sowie die Verwaltung von An- und Abmeldungen fallen weg. Denn mit dem neuen Radio- und TV-Gesetz ändert sich auch der Zahlungsmechanismus: Während heute nur jene Empfangsgebühren zahlen müssen, die ein Radio- oder TV-Gerät besitzen, ist künftig jeder Haushalt zahlungspflichtig. Dafür sinken die Abgaben von heute 450 auf unter 400 Franken pro Jahr. Das Stimmvolk hat der Änderung 2015 zugestimmt.

Der Name Billag ist politisch stark aufgeladen: Voraussichtlich nächstes Jahr kommt die «No Billag»-Initiative vors Volk, die eine Abschaffung der Empfangsgebühren zum Ziel hat. «Es ist wohl kaum ein Zufall, dass der Auftrag ausgerechnet jetzt an eine neue Firma vergeben wird», glaubt SVP-Nationalrätin Natalie Rickli.

Das Bakom stellt eine politische Motivation in Abrede: Das Ausschreibungsverfahren sei nach den Bestimmungen über das öffentliche Beschaffungswesen durchgeführt worden, so Sprecherin Silvia Casanova.

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