Tausende waren dagegen – Nach Crew-Aufstand – Swiss krebst beim neuen Business-Service zurück
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Tausende waren dagegenNach Crew-Aufstand – Swiss krebst beim neuen Business-Service zurück

Die individuelle Betreuung der Flugpassagiere führte zu Stress und Tränen an Bord. Nun rudert die Airline zurück. Die Angestellten feiern einen einmaligen Erfolg gegen die Pläne der Swiss-Manager.

von
Fabian Pöschl
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Die Swiss hat ihrer Bord-Crew zuletzt deutlich mehr abverlangt als üblich.

Die Swiss hat ihrer Bord-Crew zuletzt deutlich mehr abverlangt als üblich.

20min/Celia Nogler
Grund dafür ist ein neues Service-Konzept, das eine individuelle Betreuung der Business-Class-Passagiere vorsieht.

Grund dafür ist ein neues Service-Konzept, das eine individuelle Betreuung der Business-Class-Passagiere vorsieht.

AFP
Weil die Swiss aber das Personal an Bord reduzierte, waren die Angestellten in der Luft nur noch gestresst.

Weil die Swiss aber das Personal an Bord reduzierte, waren die Angestellten in der Luft nur noch gestresst.

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Darum gehts

  • Die Swiss hat ein neues Service-Konzept mit individueller Betreuung eingeführt.

  • Das führte zu Stress und Tränen bei der Crew.

  • Nun wird das neue Konzept abgespeckt.

Die Swiss wollte den Service in der Business-Class persönlicher machen. Wie bei den Airlines aus Katar oder Singapur sollte die Crew die Passagiere ständig betreuen. Doch weil die Swiss seit Corona das Personal in der Luft reduziert hat, ging das Konzept völlig schief: Die Angestellten waren gestresst, viele brachen in Tränen aus.

Nach sieben Wochen mit dem neuen Konzept krebst die Swiss nun zurück. In einem internen Brief, der 20 Minuten vorliegt (siehe Bildstrecke oben), kündigt das Kabinen-Crew-Management eine Vereinfachung der Prozesse an. «Der Start verlief definitiv nicht so, wie wir uns das gewünscht hätten», schreiben die Manager.

Sie räumen in dem Brief ein, dass das neue Service-Konzept zu «Unsicherheit, Stress, Unzufriedenheit und Frustration» geführt habe. Man sei sich bewusst, dass die Stimmung im Korps gelitten habe. «So soll und darf es nicht weitergehen», schreiben die Swiss-Manager.

Protest von Tausenden Swiss-Angestellten

«Wir sind erleichtert, dass die Swiss endlich eingesehen hat, dass sich etwas am Service ändern muss», sagt Sandrine Nikolic-Fuss, Präsidentin der Gewerkschaft des Kabinenpersonals Kapers, zu 20 Minuten. Kapers habe sich schon vor der Einführung entschieden gegen den Service positioniert.

«Die Tests haben nun gezeigt, dass es nicht funktioniert. Es war viel zu aufwändig, zu kompliziert und sehr belastend für die Crew», so Nikolic-Fuss. Tausende Angestellte hätten bei den Vorgesetzten dagegen protestiert.

«Dieser Erfolg des Personals ist einmalig in der Geschichte der Swiss. Die Crew hat es geschafft, sich zu wehren», sagt Nikolic-Fuss. Ob die Bedingungen für die Angestellten mit den vorgesehenen Änderungen nun besser werden, lasse sich aber erst in ein paar Tagen sagen: Es finden derzeit die Testflüge mit dem angepassten Konzept statt.

Swiss will Service-Konzept nicht aufgeben

Bei der Swiss heisst es auf Anfrage, man sei nach wie vor von der individuellen Gästebetreuung überzeugt. Neue Prozesse bräuchten aber Zeit, bis sie sich etabliert hätten. Deshalb habe die Swiss in den vergangenen Wochen intensiv an Optimierungsmöglichkeiten gearbeitet. Nun nehme man Anpassungen vor, auf die sich die Airline in Zusammenarbeit mit der Gewerkschaft des Kabinenpersonals einigte.

So würden nun gewisse Service-Prozesse vereinfacht und einzelne Arbeitsschritte wieder zusammengenommen, wodurch sich die Service-Zeit insgesamt verkürzen soll. So wird etwa wieder wie früher ein Kabinencrew-Mitglied dafür zuständig sein, sich hauptsächlich um Aufgaben in der Bordküche zu kümmern.

Zudem sollen weniger Auf-, Ab- und Umbauten mit dem Trolley notwendig sein. Die gekürzte Stelle an Bord soll aber nicht wieder aufgestockt werden. Diese Sparmassnahme (siehe Box) sei mit der Sozialpartnerin Kapers ausgehandelt worden.

Ob es wegen der schlechten Stimmung aufgrund des neuen Konzepts zu Kündigungen bei der Crew kam, beantwortet die Swiss nicht: «Zur Anzahl der Kündigungen in diesem Zusammenhang führt die Swiss keine Statistik», sagt eine Sprecherin.

Swiss baut ab

Die Swiss leidet unter der Corona-Pandemie und handelt nun: Die Fluggesellschaft wird 550 Stellen streichen. 334 Mitarbeitende in der Kabine, 101 Mitarbeitende am Boden sowie 57 Mitarbeitende in der Technik erhalten eine ordentliche Kündigung. Bis Ende 2021 wird die Swiss rund 1700 Vollzeitstellen (FTE) beziehungsweise über 20 Prozent der Belegschaft abgebaut haben, davon zwei Drittel über freiwillige Massnahmen und durch natürliche Fluktuation. Die Flotte wird um 15 Prozent verkleinert.

Die Fluggesellschaft hat im ersten Halbjahr 2021 einen Verlust von CHF 398,2 Millionen Franken verzeichnet. Im ersten Halbjahr 2020 lag dieser noch bei CHF 266,4 Millionen Franken.

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