Büren SO: Nach dem Diebstahl kam die dicke Post von der Versicherung
Aktualisiert

Büren SONach dem Diebstahl kam die dicke Post von der Versicherung

Nach einem dreisten Diebstahl aus einem Einfamilienhaus in Büren bleibt der Geschädigte auf dem Schaden sitzen. Gegen den abschlägigen Bescheid der Versicherung will sich der Mann nun wehren.

von
Lukas Hausendorf
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Der Täter kam im BMW: Am 25. Januar schlug dieser Einbrecher in Büren zu und parkierte direkt vor der Garage seines Opfers.

Der Täter kam im BMW: Am 25. Januar schlug dieser Einbrecher in Büren zu und parkierte direkt vor der Garage seines Opfers.

Privat
Der Täter wurde dabei von der Videoüberwachungskamera des Hauseigentümers aufgezeichnet.

Der Täter wurde dabei von der Videoüberwachungskamera des Hauseigentümers aufgezeichnet.

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Mutmasslich wusste der Einbrecher, dass er gefilmt wird. Er war komplett vermummt.

Mutmasslich wusste der Einbrecher, dass er gefilmt wird. Er war komplett vermummt.

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Darum gehts

Am 25. Januar verschaffte sich ein Unbekannter zu einem Einfamilienhaus in Büren im Kanton Solothurn Zutritt. Der Fall wurde publik, nachdem der Geschädigte Bilder der Videoüberwachung seines Hauses auf Facebook veröffentlicht hatte. Darauf war auch der vermummte Täter zu sehen, der seinen silbernen BMW ohne Kontrollschilder frech auf dem Vorplatz seines Opfers parkierte. Der gleiche Mann war zusammen mit einer Komplizin schon in den Tagen zuvor um das Haus geschlichen und hatte einmal erfolglos versucht, die Haustüre gewaltsam zu öffnen. 

An jenem Dienstagmorgen dann konnte sich der Täter Zutritt zur Liegenschaft verschaffen, und zwar über die Garage, die er mit einem PIN-Code öffnete. Gestohlen wurden dann zwei Geldkassetten mit einem grösseren Geldbetrag. Der Geschädigte meldete den vermeintlichen Einbruch seiner Versicherung. Knapp drei Monate später kommt der Bescheid der Versicherung und der Geschädigte traut seinen Augen kaum.

«Aufgrund des von der Polizei geschilderten Sachverhaltes liegt weder eine Beraubung noch ein Einbruch vor», hält der Schadensinspektor der Zürich Versicherung unter Berufung auf den Polizeirapport fest. Die Täterschaft sei nicht gewaltsam ins Gebäude eingedrungen, sondern habe das Garagentor mit dem richtigen Code geöffnet. Die Konsequenz: Man trete nicht auf die Schadensposition ein. Geldwerte bis zu 5000 Franken seien nur bei Einbruch versichert. Hingegen würden die Reparatur der Eingangstüre vom Einbruchsversuch und die Ersatzkosten der beiden Geldkassetten vergütet.

«In 40 Jahren Berufserfahrung habe ich so etwas noch nie gesehen»

Schadensinspektor der Zürich Versicherung

«Ich werde das nicht akzeptieren», sagt der Geschädigte. Der Zürich Versicherung hat er schriftlich bereits dargelegt, wie sein Haus «von vollvermummten Personen» während sechs Tagen zu allen möglichen Tages- und Nachtzeiten «angegriffen» worden sei. Auch die Überwachungsbilder, die die beschriebenen Vorgänge belegen, gab er der Versicherung. «Die Bilder, die Situation und Geschehnisse sind tatsächlich nicht zu toppen. Ein so dreistes Vorgehen ist kaum vorstellbar», entgegnet der Schadensinspektor. In seinen 40 Jahren Berufserfahrung habe er so etwas noch nicht gesehen. An der Beurteilung des Falles änderten die mitfühlenden Worte bis jetzt aber nichts.

Auf Anfrage erklärt die Zürich Versicherung, es sei marktüblich, dass in der Basisversion der Hausratsversicherung Geldwerte bis 5000 Franken nur bei Einbruch und Beraubung versichert seien, nicht aber bei einfachem Diebstahl. «Wer zu Hause mehr als 5000 Franken in bar hat und dies versichern möchte, kann eine Zusatzversicherung abschliessen», führt Sprecherin Cornelia Birch aus. Dabei verlange man aber, dass das Bargeld in einem abgeschlossenen Kassenschrank mit über 100 Kilogramm oder einem eingemauerten Wandtresor aufbewahrt werde. Den Schlüssel oder Code müssten die Versicherten in einem anderen Raum sorgfältig aufbewahren oder persönlich bei sich tragen. 

«Für Konsumentinnen seien die immer längeren und komplizierten AVB eine Katastrophe»

Lucien Jucker, Stiftung Konsumentenschutz Schweiz

Wie vielen Versicherten das wohl bewusst ist? «Aus Sicht des Konsumentenschutzes ist die Problematik mit den allgemeinen Versicherungsbedingungen vergleichbar mit derjenigen der AGB», sagt Lucien Jucker, Jurist bei der Schweizer Stiftung für Konsumentenschutz. Für Konsumentinnen seien die immer längeren und komplizierten AVB eine Katastrophe. Im Falle der Zürich Versicherung betragen die Haushaltsversicherungs-AVB beinahe 50 Seiten. 

Im Konfliktfall können Versicherte auch den Ombudsman der Privatversicherung und der Suva anrufen. Im vorliegenden Fall dürften die Erfolgsaussichten des Geschädigten allerdings gering sein. «Beim unbefugten Zutritt in ein Haus mittels PIN-Code der Haus- oder Garagentüre handelt es sich nicht um einen Einbruch», hält Ombudsman Martin Lorenzon auf Anfrage fest. Weiter verweist er darauf, dass gerade bei der sicheren Aufbewahrung von Geldwerten hohe Anforderungen an die Sorgfaltspflichten gelten, weil diese besonders diebstahlgefährdet seien.

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