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Alkoholexzess«Nach dem ersten Rausch will das Hirn das wieder»

Hoher Alkoholkonsum kann bei Jugendlichen zu Veränderungen im Hirn führen. Ein Gesundheitspsychologe erklärt, wieso dennoch zu viel getrunken wird.

von
ann
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Junge Erwachsene kaufen Alkohol, um im Park oder zu Hause vorzuglühen. Eine Praxis, die zu einem deutlich erhöhten Alkoholkonsum führt. Das Bundesamt für Gesundheit lanciert deshalb eine Präventionskampagne, denn jeder fünfte Schweizer konsumiert Alkohol im Übermass.

Junge Erwachsene kaufen Alkohol, um im Park oder zu Hause vorzuglühen. Eine Praxis, die zu einem deutlich erhöhten Alkoholkonsum führt. Das Bundesamt für Gesundheit lanciert deshalb eine Präventionskampagne, denn jeder fünfte Schweizer konsumiert Alkohol im Übermass.

Keystone/Peter Schneider
Besonders bei Jugendlichen ist übermässiges Trinken problematisch, weil exzessiver Konsum zu bleibenden Veränderungen in der Hirnstruktur führen kann.

Besonders bei Jugendlichen ist übermässiges Trinken problematisch, weil exzessiver Konsum zu bleibenden Veränderungen in der Hirnstruktur führen kann.

Keystone/Peter Schneider
Betroffen sind die Impulskontrolle, das Stecken langfristiger Ziele und der Teil im Gehirn, der für Gedächtnis und Lernen zuständig ist.

Betroffen sind die Impulskontrolle, das Stecken langfristiger Ziele und der Teil im Gehirn, der für Gedächtnis und Lernen zuständig ist.

Keystone/Salvatore di Nolfi

In der Schweiz trinkt jede fünfte Person zu viel Alkohol. Darum lanciert das Bundesamt für Gesundheit (BAG) eine nationale Alkoholpräventionskampagne. Mit der Frage: «Wie viel ist zu viel?» will das Bundesamt die Öffentlichkeit für das Problem sensibilisieren.

Für den Gesundheitspsychologen Holger Schmid von der Fachhochschule Nordwestschweiz ein wichtiges Thema, besonders in Hinblick auf die Jugendlichen. Diese sind in den letzten Jahren zwar deutlich gesundheitsbewusster geworden und trinken insgesamt weniger Alkohol.

Gleichzeitig zeigen Studien aber ein besonders riskantes Trinkverhalten bei den 16- bis 25-Jährigen. Wegen des sogenannten Vorglühens trinken sie an einem Abend oft doppelt so viel wie früher, ergab eine Untersuchung von Florian Labhart.

Der Alkohol beeinflusst die Impulskontrolle und das Gedächtnis

Laut Gesundheitspsychologe Schmid eine ungute Entwicklung vor allem bei Teenagern, deren Gehirn noch nicht vollständig ausgereift ist. «Der Alkohol kann den Reifungsprozess beeinflussen», sagt Schmid, denn Alkohol wirke vor allem im präfrontalen Kortex und im Hippocampus.

Der präfrontale Kortex sei für die Kontrolle impulsiven Handelns, das Stecken langfristiger Ziele und die Verarbeitung von Emotionen wichtig. «Unter Alkohol funktionieren diese Bereiche entsprechend weniger gut, und Pläne, wie um 22 Uhr zu Hause zu sein, werden plötzlich unwichtig.»

Der zweite Hirnbereich, der durch den Konsum von Alkohol beeinflusst werde, sei der Hippocampus. «Dieser Teil des Gehirns ist von zentraler Bedeutung für das Lernen und das Gedächtnis.»

Alkohol verhindert die Reifung des Gehirns

Das Verheerende bei Jugendlichen sei, dass der Alkohol im unreifen Gehirn nicht nur temporäre, sondern auch bleibende Veränderungen in der Struktur verursache. Wichtige Verbindungen würden bleibend zerstört.

Schmid: «So kann es etwa sein, dass die Impulskontrolle irgendwann nicht nur unter Alkohol, sondern auch ohne nicht mehr funktioniert, weil der Alkoholkonsum die Reifung verhindert hat.»

Beim Konsum von Alkohol wird der Neurotransmitter Dopamin ausgeschüttet

Dass Jugendliche zu Alkohol greifen, habe mit unserer Kultur zu tun, sagt Schmid. «In unserer Gesellschaft ist Alkoholtrinken tief verankert.» Dasselbe gelte für das Rauschtrinken. «Viele Jugendliche wollen dies erlebt haben.» Es seien Neugier und sozialer Druck, die bei Jugendlichen zum ersten exzessiven Konsum führen würden.

Danach wollten viele dieses Erlebnis wiederholen. «Alkohol führt zur Ausschüttung des Neurotransmitters Dopamin, das ist angenehm und wird im Gehirn deshalb so abgespeichert», sagt Schmid. Das sei der Grund, wieso das Rauschtrinken immer wieder gesucht werde. «Im Gedächtnissystem des Gehirns wird das Erlebnis als positiv abgespeichert, und das Gefühl wird wieder gesucht.»

«Wie viel ist zu viel?»: Vom 11. bis 21. Mai macht die Schweiz den Alkohol zum Thema

In der Schweiz trinkt jede fünfte Person zu viel Alkohol. Jeder sollte sich mit dem eigenen Konsum befassen und sich die Frage stellen: «Wie viel ist zu viel?». Genau diese Frage steht im Zentrum der Dialogwoche Alkohol vom 11. bis 21. Mai. Sie findet bereits zum vierten Mal statt, organisiert vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) und seinen Partnern. In der ganzen Schweiz laden Veranstaltungen, Shows, Filmvorführungen, Theaterstücke, Runde Tische oder Ausstellungen zum Diskutieren und Nachdenken ein.

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