Nach dem Gewitter: Die Armee hilft mit
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Nach dem Gewitter: Die Armee hilft mit

Drei Verletzte, ein Verkehrschaos und Schäden in der Höhe von Dutzenden von Millionen Franken wegen Überschwemmungen, Erdrutschen sowie Blitz- und Hagelschlag: Dies ist die Bilanz neuer Unwetter, die die Schweiz gestern heimsuchte. In den stark betroffen Kantonen Schwyz und Bern hilft die Armee beim Aufräumen mit.

Was von den Meteorologen als klassische Kaltfront bezeichnet wurde, präsentierte sich im Mittelland als seltenes Naturschauspiel: Eine schwarze Walze überzog den Himmel am Donnerstagmorgen von Westen her und verwandelte den Tag zur Nacht. Blitz und Donner, Regen wie aus Kübeln, Hagel und Sturmböen mit Spitzen von Tempo 150 machten dem Staunen rasch ein Ende. Bäume wurden entwurzelt und versperrten Verkehrswege, Bäche traten über die Ufer, Erdmassen setzten sich in Bewegung und Blitzschläge lösten in mindestens vier Fällen Brände in Häusern und Scheunen aus. Auch der Strom stieg vereinzelt aus.

Wie durch ein Wunder kamen kaum Menschen zu Schaden. Auf der Autobahn A12 bei Freiburg verletzten sich zwei Autofahrer, als sie von der überschwemmten Fahrbahn abkamen und in der Böschung landeten. Bereits am Vorabend war ein Mann in Unteriberg (SZ) in einem hochgehenden Fluss von Schlamm und Kies eingeschlossen worden. Er hatte riesiges Glück und konnte das Spital am Donnerstag wieder verlassen.

Im Emmental war die Region Huttwil zum zweiten Mal innerhalb von zwei Wochen von Unwettern betroffen. Im Unterschied zu damals, als drei Menschen ums Leben kamen, gab es keine Verletzten. Die hochgehende Langeten musste erstmals seit den frühen 1990-er Jahren durch die Gassen der Stadt Langenthal abgeleitet werden. Massive Überschwemmungen gab es auch in Lyss. Dort helfen 40 Armeeangehörige seit Donnerstagnachmittag beim Auspumpen von Kellern.

Die Polizeikorps und die Feuerwehren erhielten von der Romandie bis in die Ostschweiz innert weniger Stunden Tausende von Schadensmeldungen. Allein die Mobiliar-Versicherung rechnete mit einem Schaden im oberen zweistelligen Millionenbereich. Mit Millionenzahlungen rechnet auch die Hagel-Versicherung.

Der Verkehr auf Schiene und Strasse brach am Vormittag in verschiedenen Teilen des Mittellands zusammen. Die Bahnstrecke Bern - Freiburg blieb bis am Abend gesperrt. Bereits am Mittag hatte sich die Kaltfront aber im Osten von der Schweiz verabschiedet.

Der mittlere Teil des Kantons Schwyz war bereits am Mittwochabend vom schwersten Unwetter seit Jahrzehnten heimgesucht worden. Ein lokales Gewitter, das über der Region Einsiedeln stationär blieb, war hier die Ursache. MeteoSchweiz schätze die Niederschlagsmengen auf bis zu 140 Liter pro Quadratmeter. Der Pegel des Sihlsees stieg innert zwei Stunden um 24 Zentimeter. Erdrutsche, Überschwemmungen, weggerissene Brücken und Gebäude sowie Stromausfälle und Trinkwasserverschmutzungen waren die Folge. In Unteriberg muss das Trinkwasser bis auf weiteres abgekocht werden, und die Schule bleibt auch am Freitag geschlossen. In Einsiedeln begannen Armee-Spezialisten mit dem Bau einer Notbrücke. (dapd)

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