Nach dem Homeoffice gibts Knatsch am Arbeitsplatz
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Nach dem Homeoffice gibts Knatsch am Arbeitsplatz

Klatsch und Tratsch während der Rauchpause, Machtkämpfe und Impfdiskussionen: Die Rückkehr ins Büro nach Monaten im Homeoffice sorgt für Spannungen unter Mitarbeitern.

von
Anja Zingg
Claudia Blumer
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Immer mehr Personen kehren vom Homeoffice zurück ins Büro. Das kann zu Spannungen führen. 

Immer mehr Personen kehren vom Homeoffice zurück ins Büro. Das kann zu Spannungen führen.

Getty Images
Leserinnen und Leser berichten von Impfdiskussionen und anderem Arbeitsklima. 

Leserinnen und Leser berichten von Impfdiskussionen und anderem Arbeitsklima.

20min/Celia Nogler
Es können gar Sozialphobien verstärkt worden sein in der Zeit des Homeoffices, so Psychiater Thomas Ihde. 

Es können gar Sozialphobien verstärkt worden sein in der Zeit des Homeoffices, so Psychiater Thomas Ihde.

zvg

Darum gehts

  • Für viele geht es nach monatelangem Homeoffice zurück ins Büro.

  • Das birgt Konfliktpotential.

  • Machtkämpfe, Impfdiskussionen und Klatsch und Tratsch schaden dem Arbeitsklima.

M. B. ist nach Monaten im Homeoffice zurück in einem Handwerkerbetrieb im Kanton Zürich. Doch die Stimmung sei aufgeladen. Insbesondere zwischen geimpften und ungeimpften Mitarbeitenden herrsche eine angespannte Stimmung. Weil die 39-Jährige nicht geimpft ist, muss sie im Gegensatz zu ihren Kolleginnen und Kollegen eine Maske tragen. «Ich spüre die Blicke der Kolleginnen und Kollegen, wenn ich mit Maske durch die Gänge laufe», sagt sie. Auch K.L. sagt: «Meine ungeimpften Kolleginnen und Kollegen schauen mich schief an.» Und der Angestellte G.H. schreibt, dass er grundsätzlich keine Lust habe, seine Teamkolleginnen und Teamkollegen zu sehen: «Diese Köpfe habe ich definitiv nicht vermisst.» User G. G. ist enttäuscht, dass sich die Stimmung in seinem Unternehmen so stark verändert hat. «Leute, mit denen ich mich gut verstanden habe, sind nun sehr ruhig und bleiben für sich.»

Situation «teilweise angespannt»

Valentin Vogt, Präsident des Schweizerischen Arbeitgeberverbands, stellt fest: «Die Lage am Arbeitsplatz ist teilweise angespannt.» Konfliktpunkte in vielen Betrieben seien die Maskenpflicht und die Impfung.« Diejenigen, die geimpft sind, fühlen sich sicher, wollen zum Grossteil keine Maske mehr tragen. Denen gegenüber stehen ungeimpfte Personen, die weiterhin fordern, dass sie durch Abstand halten und Masken tragen geschützt werden.»

Es sei nun wichtig, dass die Betriebsverantwortlichen den Dialog mit den Mitarbeitenden suchten, um Lösungen zu finden.

Klatsch und Tratsch ist wieder an der Tagesordnung

Zu Spannungen kommt es laut der international tätigen Management-Beraterin Sonja A. Buholzer auch deshalb, weil es im Büro viel eher zu Machtkämpfen und Koalitionen käme als im Homeoffice. «Das Ellbögeln kommt wieder zurück», sagt Buholzer. Reorganisationen oder Stellenabbau als Folge der Krise könnten Rivalitäten noch zusätzlich befeuern. Und: «Die Angestellten haben wieder die Möglichkeit, sich während der Rauchpause auszutauschen. Die Gerüchteküche brodelt.»

Sozialphobien könnten zugenommen haben

Ein weiterer Grund für das schlechtere Arbeitsklima ist, dass sich einzelne Personen nach Monaten im Homeoffice plötzlich vermehrt vor Smalltalk und sozialen Kontakten fürchten, sagt Psychiater Thomas Ihde, Präsident von Pro Mente Sana, die sich für psychische Gesundheit einsetzt. Das sei insbesondere bei schüchternen und wenig selbstsicheren Menschen der Fall. Tatsächlich meldeten sich viele Leute bei der Organisation, die Angst hätten, im Team nicht zu bestehen.

Dass ein Teil der Belegschaft wieder im Büro sei und gewisse Leute aber immer noch im Homeoffice, tue ihr übriges: «Wenn etwa drei Personen im Büro sind und zwei im Homeoffice, müssen letztere vielleicht zur Kenntnis nehmen, dass gewisse Dinge im Büro ohne sie beschlossen wurden.» Das sorge für Unmut.

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Hier findest du Hilfe:

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Fachstelle Mobbing (kostenpflichtig)

Elternberatung, Tel. 058 261 61 61

Hilfe bei Mobbing, Fachstelle für Schulen und Eltern (kostenpflichtig)

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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