Schritt aus dem Tief: Nach dem Kater der Charaktertest

Aktualisiert

Schritt aus dem TiefNach dem Kater der Charaktertest

Die kommenden Monate ohne Pflichtspiele sollen nicht zum Experimentierfeld verkommen. Nati-Trainer Ottmar Hitzfeld will Kontinuität und dies schon im Spiel heute Abend gegen Montenegro.

von
Eva Tedesco
Der Plan der Nati gegen Montenegro: Noch einmal Vollgas geben und sich mit einem positiven Eindruck aus einer verpatzten Kampagne verabschieden. (Keystone/AP)

Der Plan der Nati gegen Montenegro: Noch einmal Vollgas geben und sich mit einem positiven Eindruck aus einer verpatzten Kampagne verabschieden. (Keystone/AP)

«Ich will mehr Stabilität im Kader haben. Wenn es keine Absenzen gibt, will ich in den nächsten Spielen einen Stamm von dreizehn oder vierzehn Spielern einsetzen», sagt Nati-Coach Ottmar Hitzfeld. In den häufigen Umstellungen sieht der Lörracher auch einen Grund für «unsere Qualifikation, die nicht gut gelaufen ist.» Die Nati habe seit der WM 2010 in Südafrika einen gewaltigen Umbruch erfahren, der für ein kleines Fussballland wie die Schweiz einen grossen Einschnitt darstelle. Sechs, sieben Abgänge erfahrener Spieler seien schon für grössere Länder, die in der Breite besser aufgestellt sind, problematisch.

Hitzfeld war im September 2010 ohne Blaise Nkufo (34 Länderspiele), Ludovic Magnin (62), Benjamin Huggel (41) und Christoph Spycher (47) in die EM-Kampagne gestartet. Während der Qualifikation gaben mit viel Getöse Captain Alex Frei (84/42 Tore) und Marco Streller (37/12) ihre Rücktritte. Die beiden erfolgreichsten Stürmer des Landes warfen nach langen Monaten der Polemik im April entnervt, aber nachvollziehbar das Handtuch. Zwei Monate später verschwand überraschend Grichting (45) von der internationalen Bühne. Und zuletzt war es Hakan Yakin, der nach nach 87 Länderspielen (20 Tore) zurücktrat, nachdem Hitzfeld nicht mehr auf den FCL-Regisseur gesetzt hatte. In der EM-Kampagne fehlte also plötzlich die Erfahrung von 437 Länderspielen.

Fehlende Konstanz und wechselnde Formationen

«Wir hatten immer das Problem, dass wir nie aus dem Vollen schöpfen konnten und der Stamm sich oft verändert hat. Gerade auch in der Abwehr fehlte die Konstanz durch ständig veränderte Formationen und da ist klar, dass das nicht gerade förderlich für die Automatismen ist. Aber auch im Angriffsbereich ist nach den Rücktritten von Alex Frei und Marco Streller ein Vakuum entstanden. Das sind die Dinge, die eine Mannschaft erst wegstecken und verarbeiten muss», führt Hitzfeld Gründe für die verpatzte EM-Qualifikation an.

Hitzfeld hat für die sieben Spiele in der EM-Qualifikation bisher 41 Spieler aufgeboten. 31 Kicker kamen in diesen Partien zum Einsatz. Der Marathon-Mann in der Equipe von Hitzfeld ist Captain Gökhan Inler, der in allen sieben Spielen in der Startformation stand und auf 630 Spielminuten (1 Tor) kam; gefolgt von den Aussenverteidigern Reto Ziegler (595 Minuten) und Stephan Lichtsteiner (6 Spiele/515 Minuten).

Inler und Lichsteiner zu Testspielen

Vier Innenverteidiger-Duos in acht Spielen

Apropos fehlende Konstanz in der zentralen Abwehr: Im Laufe der Qualifikation kamen bisher drei verschiedene Innenverteidiger-Duos zum Einsatz. In den ersten vier Partien, zu Hause gegen England und Wales und auswärts in Montenegro und Bulgarien, hiess das Duo Stéphane Grichting/Steve von Bergen (Torverhältnis 5:5). In den darauffolgenden Begegnungen in England und gegen Bulgarien spielten Philippe Senderos und Johan Djourou, Hitzfelds eigentliches Stammduo, im Abwehrzentrum (5:3). Nach dem Ausfall der beiden Innenverteidiger letzten Freitag in Wales kam Duo Nummer 3 zum Zug: von Bergen zusammen mit Timm Klose.

Am Dienstag gegen Montenegro wird es im achten Qualifikationsspiel einmal mehr zu einem «Partnerwechsel» kommen. Der in Wales gesperrte Djourou kehrt in die Startelf zurück. Noch offen ist, ob für von Bergen oder Klose. Wählt Hitzfeld die couragiertere Version, wird Klose an der Seite des Arsenal-Verteidigers verteidigen. Für den gesperrten Linksverteidiger Reto Ziegler spielt Rodriguez.

«Charaktertest» gegen Montenegro

«Es wird nicht viele Wechsel geben», sagte Hitzfeld am Montag an der Medienkonferenz kurz vor dem Umzug der Nationalmannschaft nach Basel. Obwohl die Begegnung nach dem Ausscheiden vor vier Tagen bedeutungslos geworden ist und zum Testen förmlich einlädt, will Hitzfeld mit der besten zur Verfügung stehenden Formation spielen lassen. Der Nati-Coach spricht von einem «Charaktertest» und «dass sich die Nati den Frust von der Seele spielen will.» Hitzfeld: «Die Nationalmannschaft steht im Mittelpunkt des Schweizer Fussballs. Es erfordert die höchsten Ansprüche, um den Erwartungen gerecht zu werden.»

Spielerstatistik in der EM-Qualifikation 2010/11

Spielerstatistik in der EM-Qualifikation 2010/11

Gökhan Inler 630 Min./7 Sp./1 T.

Reto Ziegler 595/7

Stephan Lichtsteiner 515/6

Steve von Bergen 450/5

Eren Derdiyok 402/7

Diego Benaglio 368/5

Stéphane Grichting 360/4

Xherdan Shaqiri 353/5/4

Alex Frei 349/4

Pirmin Schwegler 263/3

Marco Wölfli 262/3

Marco Streller 260/4/1

Granit Xhaka 259/3

Valentin Stocker 234/3/2

Blerim Dzemaili 212/3

Tranquillo Barnetta 203/3/2

Johan Djourou 180/2

Philippe Senderos 180/2

Valon Behrami 165/3

Admir Mehmedi 107/3

Timm Klose 90/1

Scott Sutter 90/1

Gelson Fernandes 75/3

Fabian Frei 71/1

David Degen 64/1

Xavier Margairaz 46/1

Ricardo Rodriguez 28/1

Innocent Emeghara 26/3

Hakan Yakin 13/1

Mario Gavranovic 13/1

Moreno Costanzo 7/1

François Affolter

Nassim Ben Khalifa

Germano Vailati

Johnny Leoni

Yann Sommer

Marco Padalino

Heinz Barmettler

Gaetano Berardi

Albert Bunjaku

Philippe Koch

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