Aktualisiert 11.01.2012 08:41

Kampf der RepublikanerNach dem Scharmützel die Schlacht

Mitt Romney gewann die Primärwahlen von New Hampshire so klar, dass seine Rivalen schweres Geschütz gegen ihn auffahren. Damit könnten sie die Partei empfindlich schwächen.

von
Martin Suter, New Hampshire

Eigentlich sollte New Hampshire das Kandidatenfeld ausdünnen. Doch diesmal spielte der neuenglische Gliedstaat seine traditionelle Rolle nicht: Alle sechs Anwärter auf die Nomination als republikanische Herausforderer von Barack Obama in den diesjährigen US-Präsidentschaftswahlen bleiben nach dem Urnengang vom Dienstag im Rennen. Obama darf sich freuen: In den nächsten Wahlgängen in South Carolina und Florida droht der parteiinterne Kampf selbstzerstörerisch zu werden.

New Hampshire hat einen klaren Sieger hervorgebracht: Mitt Romney, der frühere Gouverneur des südlichen Nachbarstaats Massachusetts, gewann 39 Prozent der Primärwahlstimmen, 16 Prozentpunkte mehr als der libertäre Kandidat Ron Paul.

Romneys Sieg war historisch: Amtierende Präsidenten ausgenommen, ist es ihm als erstem Kandidaten der amerikanischen Geschichte gelungen, sowohl in den Parteiversammlungen von Iowa als auch in New Hamphshire obenauf zu schwingen.

McCain soutient Obama... euh Romney

Zudem konnte Romney seine Wählerbasis verbreitern. Bei eingeschriebenen Republikanern gewann er haushoch, aber auch die in New Hampshire zugelassenen Wähler ohne Parteideklaration strömten ihm zu; Romney erhielt von ihnen praktisch gleich viel Zuspruch wie der bei Freigeistern und ideologisch Ungebundenen populäre Ron Paul.

Mitt Romney entlässt gerne Leute

Romney vom Sieg überzeugt

Selbst Zauderer, die sich erst in letzter Minute festlegten, stimmten mehrheitlich für Romney. Das könnte ein Indiz dafür sein, dass die übers Wochenende losgetretene Attacke auf ihn als angeblichen Arbeitsplatzkiller bei der Beteiligungsgesellschaft Bain Capital vorerst noch nicht viel Wirkung entfaltet hat.

Jedenfalls präsentierte sich Romney am Abend so, als hätte er die Nomination bereits in der Tasche. Er trat im Anzug auf und hielt eine Rede, die sich fast ausschliesslich um Obama und dessen Versagen drehte. Dabei ging er sogar so weit, den Präsidenten zu imitieren, indem er wie dieser vom Teleprompter ablas.

Kampf in South Carolina

Als nächstes wird Romney nun mit seiner prallvollen Wahlkampfkasse den Kampf in South Carolina fortsetzen, wo er in Hinblick auf die Primärwahlen vom 21. Januar in Umfragen ebenfalls vorne liegt. Doch in dem Südstaat werden alle anderen auch aktiv sein:

Ron Paul wird seinen Erfolg von New Hampshire in South Carolina nicht wiederholen können. Er denkt stärker an das nachfolgende Florida (31. Januar) und wird versuchen, dort Delegiertenstimmen zu sammeln, mit denen er seinen Einfluss in der Partei verstärken kann. Eine Chance, nominiert zu werden, hat der exzentrische Politiker nicht.Jon Huntsman sieht seinen dritten Platz mit 17 Stimmenprozent als Ticket für die nächste Runde. Laut Umfragen liegt der Ex-Gouverneur von Utah in South Carolina aber weit unter zehn Prozent. Dass er seinen Rückstand auf dem kulturell wenig günstigen Terrain so schnell wettmachen kann, gilt als unwahrscheinlich. Rick Santorum konnte den Schwung von Iowa nicht nach New Hampshire hinüberretten und erhielt hier nur 9 Prozent der Stimmen. Als sozial Konservativer glaubt der frühere Senator aus Pennsylvania jedoch, in South Carolina bessere Karten zu haben. Newt Gingrich, für den auch 9 Prozent stimmten, hat sich nicht aus dem Loch herausarbeiten können, in das er nach einem Höhenflug im November gefallen war. Der Ex-Präsident des Repräsentantenhauses aus Georgia hofft, im Nachbarstaat South Carolina mehr Sympathisanten zu finden. Rick Perry rechnet sich als konservativer Gouverneur von Texas in den Südstaaten ebenfalls mehr Erfolg aus. In New Hampshire hat er überhaupt keinen Wahlkampf geführt, weshalb er bloss auf knapp ein Prozent der Stimmen kam.

Gingrich rächt sich

Für alle verbliebenen Kandidaten ist also South Carolina die beste – und wahrscheinlich letzte – Gelegenheit, Mitt Romney die Nomination streitig zu machen. Deshalb rüsten sie sich für eine Grossschlacht: Insgesamt sind bereits Werbespots für 7,3 Millionen Dollar gebucht worden. Mit 3,5 Millionen Dollar geht der grösste Teil davon auf das Konto von Newt Gingrich, der sich an Romney für dessen Negativkampagne in Iowa rächen will.

Gingrich hat vom Casino-Milliardär Sheldon Adelson, einem Gesinnungsfreund, fünf Millionen Dollar erhalten, damit er ein «unabhängiges» Aktionskomitee gründen und Wahlwerbung organisieren kann.

Der Grossangriff könnte sich für die Republikaner aber als selbstmörderisch erweisen, wenn er sich auf Romneys Rolle als Chef von Bain Capital konzentriert. In den letzten Tagen haben Gingrich, Perry und Huntsman Romney als Geier-Kapitalisten beschimpft, der dank der Vernichtung von Arbeitsplätzen reich geworden sei.

Sowohl die Angriffslinie wie die Begrifflichkeit könnte linker Kapitalismuskritik entstammen. Gingrich und die anderen Romney-Rivalen rechtfertigen den aus dem Mund von Republikanern ungewöhnlich klingenden Vorwurf, indem sie sagen, Obama und seine Wahlhelfer würden später genau die gleichen Attacken reiten. Indem Romney schon jetzt mit ihnen konfrontiert werde, könne er sich für den Endkampf im Herbst stählen.

Test für die Republikaner

Andere Republikaner halten es jedoch für verheerend, wenn die Partei den Wahlkampf mit Argumenten der Demokraten führe. Erst habe Ron Paul die Aussenpolitik der Partei von links kritisiert, jetzt gingen Gingrich & Co. ebenfalls von links auf die Wirtschaftspolitik der Republikaner los, beklagen sie. So unterwerfe sich die Partei der gegnerischen Denkungsart, sie spalte sich und werde geschwächt.

Die Primärwahlen in South Carolina werden daher nicht nur Mitt Romneys Stehvermögen testen. Sie werfen auch die Frage auf, ob sich die Republikaner überhaupt hinter einer ideologischen Alternative zu Barack Obama und den Demokraten zusammenraufen können.

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