Nach den Bären jetzt das Einhorn?
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Nach den Bären jetzt das Einhorn?

Im abgeschiedenen Val Cama, einem Hochtal im Mesocco, gehen seltsame Dinge vor. Ein junges Pärchen hat diesen Sommer ein Tier gefilmt, das einem Einhorn verdächtig ähnlich sieht.

Es sind schon sehr verwackelte Bilder, die Jörn Hansen aus dem Urlaub in der Schweiz nach Hause brachte. Ein unscharfer Schwenk über das herrliche Val Cama und den See im Talgrund. Dann plötzlich zeigt sich etwas in einer Waldlichtung. Ein weisses Tier. Ein Pferd? Eine Kuh? Ein Maultier? Ein Einhorn? Kaum ist das Wesen im Bild zu sehen, verschwindet es auch schon wieder. Aber die Ungewissheit bleibt. Was kann das gewesen sein?

Jörn und seine Freundin Anne stellen das Video ins Internet und lösen damit eine Welle der Spekulationen aus. Sogar bis ins abgelegene Val Cama dringen die Gerüchte um das Auftauchen eines Fabelwesens. Reporter von TSI durchfliegen das Tal mit einem Helikopter und auch Televisiun Rumantscha macht sich auf die Suche nach dem Einhorn.

«Wir haben noch kein Einhorn gefunden»

«Jaja, wir haben Bären, Einhörner, Zwerge, Feen und alles mögliche hier oben», lacht der Jagd- und Fischereivorsteher des Kantons Graubünden, Dr. med. vet. Georg Brosi. Tatsächlich gab es in den vergangenen Wochen einige Anrufer, die etwas über das sagenumwobene Einhorn in Erfahrung bringen wollten, bestätigte Brosi gegenüber 20minuten.ch. «Ich musste sie aber alle enttäuschen: Bisher haben wir kein Einhorn gefunden.»

Nach heutigem biologischen Wissensstand gäbe es keine Einhörner, führt Georg Brosi weiter aus, «wir haben noch nicht einmal ein Fossil mit einem für Einhörner typischen, spiralförmigen Narwalhorn gefunden. Allerdings weiss man ja nichts über diese magischen Tiere. Vielleicht lösen sich ihre Gebeine in Luft auf, wenn sie sterben.»

Specia Rara im Val Cama

Glaubt man den sagenhaften Erzählungen, dann wäre das Val Cama tatsächlich die ideale ökologische Nische für das Fabelwesen. Das Einhorn soll nämlich überwiegend als Einzelgänger in einem Wald leben, den es beschützt und behütet. Es heisst, dass in einem Einhornwald die Pflanzen und die Tiere grösser und gesünder als in einem normalen Wald sind.

Ein Umstand, den sicher auch den Alpmeister in pures Entzücken versetzen wird. Er sömmert im Val Cama Tiere für Pro Specia Rara. Ob er mehr über das Einhorn weiss oder ob ihm diese Specia Rara sogar aus dem eigenen Stall entwichen ist, konnte nicht geklärt werden. Er war für ein Interview nicht zu erreichen.

Was genau sich dort auf der Waldlichtung vor den Blicken der Touristen versteckt hat, weiss man bis heute nicht. Pferde oder Mulis wurden jedenfalls nicht als vermisst erklärt.

Tina Fassbind, 20minuten.ch

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