Lockern oder nicht? - Nach den Sommerferien soll die Homeoffice-Empfehlung fallen
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Lockern oder nicht?Nach den Sommerferien soll die Homeoffice-Empfehlung fallen

Arbeitgeberverband und Economiesuisse fordern, dass der Bund seine Homeoffice-Empfehlung zurücknimmt. Auch die Maskenpflicht in Läden steht unter Druck.

von
Daniel Graf
Bettina Zanni
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Bald soll Schluss sein mit der Homeoffice-Empfehlung. 

Bald soll Schluss sein mit der Homeoffice-Empfehlung.

20min/Marco Zangger
Das fordern der Arbeitgeberverband und Economiesuisse. 

Das fordern der Arbeitgeberverband und Economiesuisse.

20min/Michael Scherrer
Auch die Maskenpflicht in den Läden steht unter Druck. 

Auch die Maskenpflicht in den Läden steht unter Druck.

20min/Celia Nogler

Darum gehts

  • Die Swiss Retail Federation fordert, dass die Maskenpflicht in Läden schon Ende Juli fällt.

  • Economiesuisse und Arbeitgeberverband machen zudem Druck auf die Homeoffice-Empfehlung des Bundes.

  • Der Bundesrat wird am 11. August die nächsten Entscheide fällen.

  • Ob die geforderten Lockerungen dann umgesetzt werden können, hängt wohl von den Fallzahlen und der Durchimpfungsrate ab.

Die Swiss Retail Federation, zu der etwa Lidl, Aldi, Manor oder Valora zählen, fordert in der «Sonntagszeitung», dass die Maskenpflicht in Läden Ende Juli oder Anfang August fällt. Dann hätten sich alle, die das wollen, impfen lassen können und die vom Bund festgelegte Normalisierungsphase beginne. Eine Maskenpflicht in Läden hält der Verband dann nicht mehr für verhältnismässig.

Auch das Personal in den Läden würde eine frühzeitige Aufhebung der Maskenpflicht begrüssen. «Viele Mitarbeitende sind froh, wenn sie ohne Maske arbeiten können. Sie sagen etwa, die Maske sei unpraktisch und mache sie müde», sagt Adrian Wüthrich, Präsident des Dachverbands der Arbeitnehmenden Travailsuisse. Aufgrund der Fürsorgepflicht müssten die Arbeitgeber ihre Mitarbeitenden jedoch weiterhin schützen, sagt Wüthrich. «Zum Einsatz kämen dann beispielsweise Plexiglasscheiben.»

«Das Risiko, sich im Büro anzustecken, ist klein»

Dass es mit der Homeoffice-Empfehlung ein Ende hat, fordert auch Rudolf Minsch, stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsleitung bei Economiesuisse: «Ein Grossteil der Arbeitnehmer in den Büros ist geimpft und dieser Anteil wird bis nach den Sommerferien noch steigen, insbesondere bei den Jüngeren.» Das Risiko, dass man sich im Büro anstecke, sei dann klein.

Dazu kommt laut Minsch, dass man sich am Arbeitsplatz kennt. «Im Detailhandel begegnet man fremden Menschen, die Rückverfolgung der Kontakte wäre daher schwierig. Das ist im Büro anders: Sollte tatsächlich etwas passieren, können alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die in Kontakt mit der positiv getesteten Person waren, getestet und notfalls in Quarantäne geschickt werden.»

«Spätestens wenn die Herdenimmunität erreicht ist, muss die Maskenpflicht fallen», sagt Minsch. Der Impffortschritt in den nächsten Wochen entscheide also mit, ob wir bald ohne Masken einkaufen oder ins Kino gehen könnten.

«Fordern ein Ende der Homeoffice-Empfehlung»

Auch Roland Müller, Direktor des Arbeitgeberverbands, sagt: «Wir fordern, dass die Homeoffice-Empfehlung nach den Sommerferien fällt. Falls es die epidemiologische Lage erlaubt, wäre auch ein Wegfall der Maskenpflicht in den Läden angezeigt.» Dafür früher extra eine ausserordentliche Bundesrats-Sitzung einzuberufen, hält Müller für übertrieben. Die nächsten Entscheide des Bundesrats sind auf den 11. August angekündigt.

Für Müller steht und fällt der Entscheid des Bundesrats mit der epidemiologischen Lage und der Durchimpfungsrate: «Wenn die Zahlen bis am 11. August stabil bleiben und wir die Impfrate weiter steigern können, wäre die Aufhebung der Maskenpflicht im Detailhandel angezeigt. Wir haben Verständnis dafür, dass das Maskentragen für die Mitarbeitenden nicht angenehm ist.» Sollte sich die Lage aber verschlechtern, rät Müller zur Vorsicht: «Gerade im Detailhandel, wo kein Zertifikat verlangt werden kann, würde es dann Sinn machen, noch länger Masken zu tragen.»

Infektiologe rät zur Vorsicht

Auch Christian Garzoni, Infektiologe und Klinikleiter des Spitals Moncucco in Lugano, rät zur Vorsicht. Die Fallzahlen hätten zugenommen und die Delta-Variante sei ansteckender. «Die Maskenpflicht in den Läden frühzeitig aufzuheben, scheint mir wenig sinnvoll.» In den Läden komme es immer wieder auch zu Situationen, in denen die Abstände nicht eingehalten würden. «Etwa in Kleidergeschäften stehen die Kundinnen und Kunden länger vor der Auswahl, als wenn sie ein Brot kaufen.» Tragisch sei eine verlängerte Maskenpflicht für niemanden. «Die Maskenpflicht hat die Leute noch nie vom Einkaufen abgehalten.»

Auch von einem Ende der Homeoffice-Empfehlung rät Garzoni ab. «Die Empfehlung sorgt dafür, dass weniger Menschen unterwegs und zusammen in geschlossenen Räumen sind und sich anstecken können.» Bei steigenden Fallzahlen gebe es keinen Grund, diese wenig einschränkende Massnahme vorzeitig abzuschaffen.

Die Swiss Retail Federation

Die Swiss Retail Federation ist der Verband des stationären und Online-Detailhandels der Schweiz. Die Mitglieder, darunter grosse Unternehmen wie Ikea oder Lidl, beschäftigen insgesamt 58’000 Mitarbeitende und führen 6000 Geschäfte in der Schweiz, die einen Umsatz von mehr als 23 Milliarden Franken pro Jahr erwirtschaften.

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