Nachbarschaft: «Nach der Halloweenparty wurden aus Nachbarn Freunde»

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Nachbarschaft«Nach der Halloweenparty wurden aus Nachbarn Freunde»

Die Schweizer sind laut einer Studie gute, wenn auch oft distanzierte Nachbarn. Dass aus Nachbarn auch Freunde werden können, zeigen diese Beispiele.

von
Marino Walser
Daniel Graf
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Mark Sturks (rechts) hat seine Nachbarn nach Jahren an eine Halloweenparty eingeladen. 

Mark Sturks (rechts) hat seine Nachbarn nach Jahren an eine Halloweenparty eingeladen. 

20min/Anna Bila
Hatten sie erst nicht viel Kontakt, ist danach eine wahre Freundschaft entstanden. 

Hatten sie erst nicht viel Kontakt, ist danach eine wahre Freundschaft entstanden. 

20min/Anna Bila
Auch die Pandemie und der Lockdown habe die drei näher zusammengebracht. Mittlerweile gehen auch ihre Haustiere beieinander ein und aus. 

Auch die Pandemie und der Lockdown habe die drei näher zusammengebracht. Mittlerweile gehen auch ihre Haustiere beieinander ein und aus. 

20min/Anna Bila

Darum gehts

  • Schweizer sind ihren Nachbarn gegenüber laut einer Studie oft distanziert. 

  • Dass es auch anders geht, zeigen zwei schöne Nachbarschaftsgeschichten. 

  • Die Studie hat ausserdem vier Typen von Nachbarn identifiziert. 

  • Die Nachbarn lassen sich in distanziert, inspirationssuchend, beziehungspflegend und wertorientiert unterteilen. 

Erstmals hat eine Studie das Verhältnis der Schweizer mit ihren Nachbarn untersucht. Für die Mehrheit ist die Beziehung zu ihren Nachbarn gut so, wie sie ist. Zwar ist es kein aktives Miteinander, aber ein immerhin freundliches Nebeneinander.

Dass es auch anders geht, zeigt das Beispiel von Mark Sturks. «Ich habe die besten und coolsten Nachbarn, die man sich vorstellen kann», sagt der 45-Jährige. Seit sechs Jahren wohnen die drei Parteien auf demselben Stockwerk. «Lange hatten wir nicht gross Kontakt, dieser beschränkte sich auf das übliche ‘Hallo’ auf dem Gang. Vor drei Jahren habe ich eine Halloweenparty gefeiert und meine Nachbarn eingeladen. Dort haben wir uns besser kennengelernt und seither viel mehr Kontakt.»

«Aus einer Nachbarschaft ist eine Freundschaft entstanden»

Mit Corona und dem Lockdown sei die Nachbarschaft noch einmal näher zusammengerückt. «Wir chillten viel zusammen, haben gemeinsam gekocht und Filme geschaut. Die gemeinsame Zeit hat die Bindung zueinander weiter verstärkt», sagt Sturks. Mittlerweile gehe das so weit, dass seine Katze einfach einmal zu den Nachbarn laufe und ein paar Stunden dort verbringe. Umgekehrt komme der Nachbarshund zu Sturks und verbringe Zeit mit ihm und seinen Katzen.

«Aus einer Nachbarschaft ist eine Freundschaft entstanden», sagt Sturks heute. «Wir helfen uns gegenseitig aus, unternehmen immer noch viel gemeinsam und schätzen es sehr, dass wir alle auf einem Stockwerk leben und so zueinandergefunden haben. Ich hatte schon viele Nachbarn, aber sowas wie wir jetzt haben, ist eine Seltenheit.»

Die vier Nachbarschaftstypen

Die Distanzierten (47 Prozent)
Sie setzen auf Distanz. Sie halten ihre Privatsphäre hoch und wollen mit ihren Nachbarn so wenig wie möglich zu tun haben. Sie verhalten sich unauffällig, sind weder laut, noch halten sie sich lange in öffentlichen Räumen des Quartiers auf. Geteilt wird das Minimum. Brauchen sie etwas, dann helfen sie sich selber aus. Unabhängig zu sein und sich so zu nichts verpflichtet fühlen zu müssen, ist für die Distanzierten ein hohes Gut.

Die Inspirationssuchenden (30 Prozent)
Sie begegnen ihren Nachbarn offen. Durch den Austausch mit Menschen, die anders sind als sie selbst, erhoffen sie sich eine Erweiterung des Horizonts. Gibt es etwas in der Nachbarschaft zu organisieren, überlegen sich die Inspirationssuchenden, welcher Nachbar Lust hat, mitzumachen. Im Idealfall entsteht ein Kollektiv.

Die Beziehungspflegenden (14 Prozent)
Die Beziehungspflegenden wünschen sich ein freundschaftliches, ja fast schon familiäres Verhältnis zu ihren Nachbarn. Egal ob Grillabende, Hauskonzerte oder ein Picknick – die Gemeinschaft steht bei ihnen an erster Stelle.

Die Wertorientierten (zehn Prozent)
Wertorientierte beschäftigen sich bei der Suche nach ihrem neuen Zuhause damit, wer in der Gegend und im gleichen Haus lebt. Sie legen grossen Wert darauf, dass die Nachbarn die gleiche Vorstellung von Sauberkeit oder Ordnung haben. Ähnlich wie die Distanzierten haben sie wenig Interesse an Grillpartys oder Hoffesten. Sich flüchtig kennen, hin und wieder ein Wort im Treppenhaus tauschen, das reicht den Werteorientierten.

«Die Nachbarin half mir, meine Trennung zu verarbeiten»

Auch die 30-jährige B. D.* hat mit ihrer Nachbarin Freundschaft geschlossen: «Als ich vor fünf Jahren eingezogen bin, hat sie mir eine Bohrmaschine ausgeliehen. Seither hatten wir zwar hin und wieder Kontakt, kannten uns aber nicht sehr gut.» Das habe sich geändert, als D. vor einiger Zeit von ihrem Freund verlassen worden sei: «Mir ging es damals ziemlich mies, ich war verzweifelt. Das hat meine Nachbarin bemerkt und sie ist sofort zu mir gekommen und hat mich getröstet und beruhigt.»

Als es am nächsten Tag geklingelt hat, wunderte sich D., wer das sein könnte: «Erneut stand meine Nachbarin vor der Tür und hielt mir eine Flasche Bier und eine Tafel Schokolade hin, was mich mega gefreut hat. Seither verbringen wir mehr Zeit miteinander, sitzen auf ihrem Gartensofa und sprechen über Gott und die Welt. Dabei haben wir auch gemerkt, dass wir ähnliche Interessen haben. Aus Nachbarinnen sind Freundinnen geworden.»

*Name der Redaktion bekannt

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