23.07.2020 14:38

11 Männer gegen 1 Frau

Nach der Vergewaltigung ging der Haupttäter nach Hause zu den Eltern

Elf Männer wurden beschuldigt 2018 eine junge Frau vor einer Disco in Freiburg (D) vergewaltigt zu haben. Der Haupttäter behauptete, der Sex sei einvernehmlich erfolgt. Die Richter verurteilten ihn zu fünf Jahren Gefängnis.

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Majd H. ist der Haupttäter von Freiburg.

Majd H. ist der Haupttäter von Freiburg.

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11 Männer standen vor Gericht.

11 Männer standen vor Gericht.

KEYSTONE
Sie sollen eine 18-Jährige in Freiburg (D) nach einer Partynacht vergewaltigt haben.

Sie sollen eine 18-Jährige in Freiburg (D) nach einer Partynacht vergewaltigt haben.

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Darum gehts

  • Majd H. vergewaltigte 2018 mit Mittätern in Freiburg eine 18-Jährige.
  • Zuvor hatte er ihr in einer Disco Drogen verabreicht.
  • Das Gericht liess seine Ausrede, der Sex sei einvernehmlich erfolgt, nicht gelten.
  • Doch die Haftstrafen sorgen für Kritik – sie gingen zu wenig weit.
  • Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Zweieinhalb Stunden dauerte das Martyrium einer 18-Jährigen, die in der Nacht auf den 14.  Oktober 2018 in Freiburg vergewaltigt wurde. Elf Männer, acht Syrer, ein Iraker, ein Algerier sowie ein Deutschen – damals im Alter zwischen 18 und 30 Jahren – wurden beschuldigt, sie nacheinander in einem Gebüsch missbraucht zu haben. Der Haupttäter Majd H. erhielt eine Haftstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten, sieben Beschuldigte kassierten wegen Vergewaltigung oder sexuellen Übergriffs Haftstrafen zwischen vier Jahren und drei Monaten und einem Jahr und zwei Monaten; zwei wurden wegen unterlassener Hilfeleistung verurteilt, einer freigesprochen, wie Badische-zeitung.de berichtete.

Das Landgericht Freiburg rekonstruierte den Ablauf der Tat wie folgt: Erst habe der Haupttäter Majd H. die Frau vor der Disco sexuell bedrängt und danach vergewaltigt. Später habe er den anderen Tätern berichtet, dass da ein Mädchen sei und so das weitere Geschehen ins Rollen gebracht.

Opfer Ecstasy-Tablette angeboten

Laut Staatsanwalt Rainer Schmid ging der 22-Jährige H. nach der Tat zurück in die Disco. Draussen liege eine Frau, «die man ficken könne», soll H. gesagt haben. Zuvor habe er dem Opfer in der Disco eine Ecstasy-Tablette angeboten. Das Opfer machte vor Gericht glaubhaft, sie habe aufgrund von Ecstasy, Alkohol und Koffein nur noch einzelne unzusammenhängende Erinnerungen an den Abend. Laut Anklage versuchte sie, sich mit ihren Fingernägeln und einem Stock zu wehren – vergeblich. Teilweise hätten sich die Täter gar zeitgleich und ungeschützt an der Frau vergangen. Nach der Tat sei der Haupttäter in die Wohnung seiner Eltern zurückgekehrt.

Das Landgericht Freiburg sah es als erwiesen an, dass die acht Syrer, ein Iraker, ein Algerier sowie ein Deutscher die Frau vergewaltigt hatten oder sich zumindest der unterlassenen Hilfeleistung schuldig gemacht hatten. Der Haupttäter M.H hatte vor Gericht behauptet, der Sex sei einvernehmlich gewesen. Das liess das Gericht nicht gelten: «Das ist in so einem Fall eine Standardeinlassung, die nicht originell ist», sagte der Richter bei der Urteilsverkündung.

Verteidiger forderten Freispruch

«Der Hauptangeklagte nahm das Urteil mit Tränen in den Augen auf», schrieb «SWR» zur Urteilsverkündung. Der einzige Deutsche auf der Anklagebank habe bei der Urteilsverkündung den Kopf geschüttelt. Die Verteidiger der Angeklagten hatten Freisprüche gefordert. Das Opfer selbst konnte am Mittwoch vor Gericht nicht mehr vernommen werden. Die Frau leidet unter einer posttraumatischen Belastungsstörung und Schlafproblemen.

Das Urteil zur Massenvergewaltigung schlägt in Deutschland hohe Wellen – auch, weil die Strafen zu mild ausgefallen seien, so die Kritiker. So schrieb die Lokalsektion der Partei Alternative für Deutschland (AfD): «Die grösste Strafe wäre, wenn sie alle umgehend für immer dieses Land verlassen müssten.» Die Opferanwältin forderte für die acht Vergewaltiger Strafen von sechs bis neun Jahren.

Urteile können noch angefochten werden

Zufrieden mit dem Prozessablauf zeigte sich hingegen der Freiburger Oberbürgermeister: «Freiburg hat sich nicht politisch instrumentalisieren lassen.» Dafür sei er dankbar. Da die meisten Angeklagten Geflüchtete seien, habe es viel «Hass und Hetze» gegeben und den Versuch, etwa von Seiten der AfD, den Fall politisch zu nutzen.

Die Urteile der Freiburger Richter sind jedoch noch nicht rechtskräftig. Die Prozessbeteiligten können Rechtsmittel einlegen.

(pam)

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