Zwillingsmord: Nach einem Mord legt man sich nicht schlafen
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ZwillingsmordNach einem Mord legt man sich nicht schlafen

Die Staatsanwaltschaft schliesst aus, dass der Vater der ermordeten Zwillinge der Täter sein könnte. Dass er seine Kinder ermordet hat und sich danach zum Schlafen legte, sei ausgeschlossen.

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att/meg

Die Staatsanwaltschaft hat heute Franz B., den Vater der ermordeten Horgener Zwillinge, entlastet. Es fehlten konkrete Anhaltspunkte, dass der Mann die Tat begangen haben könnte. Die Staatsanwaltschaft gewichtete insbesondere einen Punkt: Der Mann konnte beweisen, dass er geschlafen habe und in der Tatnacht - nach dem Tötungsdelikt - von seiner Frau geweckt wurde. Auch die Frau bestätigte dies am Mittwoch vor dem Geschworenengericht. Es sei «lebensfremd, dass er seine Kinder ermorden würde und sich danach zum Schlafen lege», lautete die Schlussfolgerung der Staatsanwaltschaft. Auch, weil der Mann laut einem psychiatrischen Gutachten als «völlig normal» beschrieben wird.

Entlasten dürfte den Vater auch die Tonbandaufnahme, die heute vor Gericht abgespielt wurde. Es war die Aufnahme des Telefonats, das Franz B. unmittelbar nach Auffinden seiner toten Kinder an die Polizei gemacht hatte. Dort war ein verzweifelter Vater zu hören, der weinend die Polizei um Hilfe bittet. «Bei uns ist eingebrochen worden und unsere Kinder sind umgebracht worden. Beide Kinder sind tot, beide», stösst eine verzweifelte Stimme aus bevor sie in Schluchzen ausbricht. Es war ein eindrücklicher Moment in diesem Prozess.

Das Abspielen des Tonbands hatte die Verteidigerin von Bianca B. gefordert. Sie wollte heute mit ihren Fragen aber vor allem aufzeigen, dass der Mann von den Affären seiner Frau gewusst habe. Doch sie blieb nur vage, ein belastendes Beweisstück konnte sie nicht vorlegen. Zudem hat sich Franz B., im Gegensatz zu seiner Ex-Frau, während des gesamten Verfahrens nie in Widersprüchen verstrickt.

Sie führte ein Doppelleben

Die Gutachter beschrieben ihn als «normalen Durchschnittsbürger». Vor Gericht zeigt er Gefühle, er wirkt niedergeschlagen. Er sei psychisch noch immer angeschlagen, sagte der Vater. Über seine Ex-Frau urteilte Franz B.: «Das ist nicht mehr die Bianca, die ich gekannt habe.» Nach allem, was er seit dem Tod ihrer gemeinsamen Kinder erfahren habe, sei er heute sicher: «Meine Frau führte ein Doppelleben. Sie hat uns alle hintergangen.»

Der Mann schilderte denn auch seine Ehe völlig anders als seine ehemalige Partnerin. «Wir vier hatten ein schönes Zusammenleben», sagte er. Er und die Angeklagte hätten eine «gute und offene Ehe» geführt. Die Frau gab am Mittwoch vor Gericht an, dass sie mit zwei Männern Affären gehabt habe. Zwei Tage vor dem Mord hat sie mit beiden Männern Sex am gleichen Tag gehabt. Der Mann sei ihr auf die Schliche gekommen, weshalb er die Kinder umgebracht haben soll, so die Angeklagte vor Gericht.

Kündigte die Frau die Tat an?

Der Vater dementierte heute jedoch, dass er von den Seitensprüngen gewusst habe. Er habe nie ein SMS von seiner Frau gelesen oder von Affären erfahren. «Ich habe davon absolut nichts gewusst», so der sichtlich niedergeschlagene Mann. Erst in der Untersuchungshaft habe ihm der Staatsanwalt von dem Geheimnis seiner Frau erzählt. «Ich war schockiert und enttäuscht», sagte der Vater vor Gericht.

Von der Tatnacht erzählte der Vater ein Detail, das noch Gewicht haben könnte. So habe die Familie Stunden vor dem Mord den Weihnachtsbaum in der Wohnung geschmückt. Die Frau soll damals den Kindern gesagt haben, es sei dies «das letzte Mal». Der Vater ist heute denn auch überzeugt, dass seine Ex-Frau die Kinder ermordet habe. Die Kinder, die er so sehr liebte. Als er zur Tatnacht befragt wurde und schilderte, wie er seinen Sohn Marco im Bett auffand, brach er in Tränen aus. «Es war furchtbar, was ich dort sah.» (att/meg/sda)

Gesicherte Fakten

Bereits am ersten Prozesstag stehen aufgrund der Befragung der Angeklagten und eines ersten Polizeibeamten erste gesicherte Fakten fest. Bezüglich der Angeklagten ist unumstritten, dass sie kurz vor dem Verbrechen zwei aussereheliche Beziehungen mit zwei Schweizer Männern eingegangen ist. Sie sei von ihrem Ehemann vernachlässigt worden, gab die Angeschuldigte als Grund für die Seitensprünge an. Es habe ihr endlich jemand zugehört, fügte sie hinzu sie.

Ebenso ist gesichert, dass Einbrecher als Täter nicht infrage kommen. Laut Staatsanwalt hatte die Beschuldigte nach dem Mord in der Wohnung Kleider verstreut und den Inhalt ihrer Handtasche auf dem Sofa ausgeleert. Mit dem Ziel, einen Einbruch vorzutäuschen.

Ein Angehöriger der Kantonspolizei Zürich hat dazu als erster Zeuge vor Gericht ausgeführt, dass es am Tatort keinerlei Hinweise auf einen Einbruch gebe. Zudem trafen die Polizeibeamten auf eine aussergewöhnlich gründlich aufgeräumte Wohnung. Womit laut dem Zeugen die «Einbrecher-Theorie» für die Fahnder schon nach wenigen Stunden ausgeschlossen war.

Damit kamen nur noch der Mann oder die Frau als Täterschaft in Frage.

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