Familienstreit nach Seilbahn-Drama - Nach Entführung fliegt Eitans Tante nach Israel, um den Bub zurückzuholen
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Familienstreit nach Seilbahn-DramaNach Entführung fliegt Eitans Tante nach Israel, um den Bub zurückzuholen

Der sechsjährige Eitan befindet sich seit über einer Woche in Tel Aviv, nachdem ihn sein Grossvater nach Israel entführt hat. Seine Tante – und legaler Vormund – kämpft, um das Kind nun wieder nach Italien bringen zu können.

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Eitans Tante Aya Biran flog am 19. September 2021 nach Tel Aviv, um Eitan zurück nach Italien zu holen. Der  Grossvater brachte den Sechsjährigen vor über einer Woche mit einem Privatflug nach Israel.

Eitans Tante Aya Biran flog am 19. September 2021 nach Tel Aviv, um Eitan zurück nach Italien zu holen. Der Grossvater brachte den Sechsjährigen vor über einer Woche mit einem Privatflug nach Israel.

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Um den Sechsjährigen tobt derzeit ein Sorgerechtsstreit.

Um den Sechsjährigen tobt derzeit ein Sorgerechtsstreit.

Quelle: Screenshot TGcom 24
Beim Seilbahn-Unglück am Lago Maggiore hatte der Bub seine beiden Eltern, seinen jüngsten Bruder (2) sowie zwei Urgrosseltern verloren. Die israelische Familie Biran lebte seit Jahren in Italien.

Beim Seilbahn-Unglück am Lago Maggiore hatte der Bub seine beiden Eltern, seinen jüngsten Bruder (2) sowie zwei Urgrosseltern verloren. Die israelische Familie Biran lebte seit Jahren in Italien.

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Darum gehts

  • Eitans Tante väterlicherseits flog nach Israel, um den Kleinen zurück nach Italien zu holen.

  • Der Grossvater mütterlicherseits hatte das Kind vor über einer Woche aus Pavia weggebracht.

  • Die italienischen Behörden ermitteln wegen einer möglichen Entführung.

  • Um die Zukunft von Eitan streiten sich die Familien seiner verstorbenen Eltern.

Der Familienstreit rund um den kleinen Eitan Biran, dem einzigen Überlebenden der Seilbahn-Katastrophe vom Lago Maggiore, geht in eine weitere Runde: Nachdem ihn sein Grossvater vor knapp einer Woche heimlich und entgegen einer richterlichen Anordnung nach Israel entführte, will die Tante den Sechsjährigen persönlich wieder zurück nach Italien bringen. Aya Biran-Nirko flog deshalb am Sonntag nach Tel Aviv, wie ihr Ehemann gegenüber Reportern mitteilte.

Eitan hatte bei dem Unfall am Pfingstsonntag beide Eltern, den kleinen Bruder und zwei Urgrosseltern verloren. Ein Sprecher der Familie Biran sagte der Nachrichtenagentur Ansa, dass Aya von Diplomaten begleitet worden sei und zunächst in Corona-Quarantäne müsse. Das Ziel sei, Eitan «auf friedlichem Weg» und so schnell wie möglich nach Hause zu holen, hiess es. Bei der Familie der Grosseltern mütterlicherseits werde das Kind exponiert, so der Vorwurf des Bruders von Eitans verstorbenem Vater. «Die Familie verbreitet Informationen über das Leben des Kindes, als ob es an einer Reality-Show teilnehmen würde», sagte Haggai Biran.

Grossvater unter Hausarrest, dritter Entführungs-Verdächtiger

Die Staatsanwaltschaft der italienischen Stadt Pavia ermittelt gegen den Mann wegen Kindesentführung. Eitans Grossmutter und nach neuen Berichten auch ein weiterer Mann stehen ebenfalls unter Verdacht. Der Mann habe den Grossvater und den Jungen in einem gemieteten Auto von Pavia in die Schweiz gefahren, von wo sie nach Tel Aviv geflogen seien, schrieb die Tagezeitung «Corriere della Sera» am Sonntag.

Zuletzt gaben die Verwandten mütterlicherseits in Israel etliche Interviews und erklärten, zum Wohle des Kindes gehandelt zu haben. Eitan sei in Italien nicht die nötige physische und psychische Hilfe zugekommen, behaupteten sie. Der inzwischen unter Hausarrest stehende Grossvater Shmuel Peleg ist nach wie vor davon überzeugt, dass er gut gehandelt habe: «Eines Tages wird Eitan mir sagen: Grossvater, du hast mich gerettet

Eitan zeigt Anzeichen von «Gehirnwäsche»

Zuletzt zeigte sich Shmuel Peleg auf Fotos mit dem Enkel auf dem Balkon seiner Wohnung nahe Tel Aviv. Am Freitag wurde der Junge vom italienischen Konsul besucht. Der Bub glaubt, er befindet sich dort in den Ferien. Eitan hätte allerdings in der vorigen Woche in die erste Klasse der Grundschule kommen sollen.

«Auch wenn Eitan in körperlich gutem Zustand scheint, ist es besorgniserregend, dass bei dem Kleinen klare Zeichen von Aufwiegelung und Gehirnwäsche zu beobachten sind», teilten indes die israelischen Anwälte der Familie väterlicherseits laut Ansa mit. «Die Rückkehr Eitans in sein Haus in Italien scheint dringender denn je.»

So gelang dem Grossvater die Flucht

Eitans Grossvater, Shmuel Peleg, hatte am vorletzten Samstagvormittag in Pavia den Sechsjährigen bei seiner Tante Aya zu einem Besuch abgeholt. Das Treffen war vereinbart, um Eitan ein möglichst normales und familiennahes Leben zu ermöglichen. «Ich nehme dich mit, um viele Spielsachen zu kaufen», soll Peleg noch gesagt haben, schreibt der «Corriere de la Sera».

Doch statt zum nächsten Spielwarenhändler fuhr Shmuel 120 Kilometer über die Schweizer Grenze nach Lugano, um dort vom Flughafen aus mit einem Privatflug nach Tel Aviv zu reisen. Um 15 Uhr startete das Flugzeug, wenige Stunden später befanden sich Eitan und sein Grossvater bereits auf israelischem Boden. Peleg schaffte es über die Grenze in die Schweiz, weil er im Besitz des israelischen Passes des Jungen war.

Die Familien von Vater und Mutter des sechsjährigen Überlebenden streiten sich seit geraumer Zeit über dessen Obhut. Während die Familie des Vaters möchte, dass Eitan in Italien aufwächst, ist die Familie der Mutter der Ansicht, der Junge sei der in Israel lebenden Familie «unrechtmässig entzogen» worden.

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(DPA/kle)

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