«Ich schrie und weinte» – Sie schauten «Fifty Shades of Grey» – dann verging er (24) sich an ihr (17)
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«Ich schrie und weinte»Sie schauten «Fifty Shades of Grey» – dann verging er (24) sich an ihr (17)

Zwischen einem 24-Jährigen und einer 17-Jährigen kam es in einem Hotelzimmer zum Geschlechtsverkehr. Weil dieser nicht einvernehmlich war, muss sich der Mann nun wegen Vergewaltigung vor Gericht verantworten.

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Am Amtsgericht Olten-Gösgen kam es deshalb zum Prozess.

Am Amtsgericht Olten-Gösgen kam es deshalb zum Prozess.

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Laut der Privatklägerin ging der Geschlechtsverkehr unter Anwendung von Gewalt vonstatten.

Laut der Privatklägerin ging der Geschlechtsverkehr unter Anwendung von Gewalt vonstatten.

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Er habe sie aufs Bett gedrückt und ihre Hände fixiert.

Er habe sie aufs Bett gedrückt und ihre Hände fixiert.

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Darum gehts

  • Ein 24-jähriger Türke und eine 17-jährige Griechin lernten sich auf Instagram kennen.

  • Kurz darauf fuhren sie nach Deutschland und teilten sich ein Hotelzimmer.

  • Dort kam es zum Geschlechtsverkehr zwischen den beiden.

  • Weil dieser gemäss Aussagen der Frau nicht einvernehmlich war, muss sich der Mann nun wegen Vergewaltigung und Nötigung vor dem Oltner Amtsgericht verantworten.

Der Vorfall liegt rund dreieinhalb Jahre zurück: Am Freitag des 16. Februar 2018 beschlossen ein damals 24-jähriger Türke und eine 17-jährige Griechin, die sich ein paar Tage zuvor auf Instagram kennengelernt hatten, zusammen nach Deutschland zu fahren. In Stuttgart bezogen die beiden ein Hotelzimmer mit Etagenbett. Bereits als sie dort den gemeinsamen Abend besprachen, kam es laut Anklageschrift zu ersten Kussversuchen seitens des Mannes, welche die minderjährige Begleiterin jedoch zurückwies. Er gab vorerst nach und die beiden gingen essen und anschliessend in die Kino-Spätvorstellung, wo sie sich «Fifty Shades of Grey, Teil 3» anschauten. Während des Films legte er seine Hand auf ihr Knie, was sie duldete. Gegen 1.15 Uhr fuhren die beiden zurück ins Hotelzimmer.

Als sie sich ins obere Bett begeben wollte, bat er sie, sich zu ihm hinzulegen. Da sie zunächst nicht einlenkte, fragte er sie, ob sie Angst vor ihm habe, worauf sie sich schliesslich neben ihn auf das untere Bett setzte. Erneut versuchte er sie zu küssen, was nicht gelang, da sie auswich und ihn wegstiess. Diesmal jedoch liess er nicht von ihr ab: Mit seinem Körpergewicht habe er sie aufs Bett gedrückt und ihre Hände über ihrem Kopf zusammengehalten, ist der Anklage weiter zu entnehmen. Danach habe er ihre Hose nach unten gezogen und habe sie vergewaltigt. Nach etwa zwei oder drei Minuten habe er abgelassen. Um zu verhindern, dass sie die Polizei alarmiert, habe er ihr anschliessend das Handy entrissen.

Sie sagte klar, sie wolle nicht

«Ich schrie und weinte, doch er machte einfach weiter», erinnerte sich die Geschädigte am Donnerstag vor dem Oltner Amtsgericht. Sie habe sich nicht gegen den Beschuldigten wehren können, sei er doch mehr als doppelt so schwer wie sie. Vor der Fahrt nach Deutschland habe sie ihm klar gesagt, dass sie weder eine Beziehung noch Sex mit ihm wolle – er habe sich damit einverstanden erklärt. Über die Ereignisse zu sprechen, fällt der jungen Griechin auch dreieinhalb Jahre später sichtlich schwer. «Ich glaube nicht, dass ich den Vorfall jemals ganz verarbeiten kann», sagte die 21-Jährige, die zum Tatzeitpunkt aufgrund familiärer Probleme in einem Zürcher Wohnheim lebte. Heute habe sie Angst vor fremden Männern. «Wenn ich merke, dass mich jemand anschaut oder auf mich zukommt, bekomme ich Panik.» Auch sei sie abends nicht gern allein unterwegs und habe zu niemandem Vertrauen.

Von einer Vergewaltigung will der Beschuldigte hingegen nichts wissen. Die Geschädigte habe ihre Hose selber ausgezogen, während man gemeinsam ferngeschaut habe, sagte der Mann vor dem Dreiergremium aus. Danach sei «es eben passiert». Während des Geschlechtsverkehrs habe er auch nicht die Hände der Frau fixiert oder sie anderweitig wehrlos gemacht. Die Privatklägerin stellte er als Lügnerin dar: Die Vergewaltigungsgeschichte habe sie erfunden, um sich an ihm zu rächen, da er nach dem Deutschland-Trip den Kontakt zu ihr abgebrochen habe. Immer wieder gab der Beschuldigte indes vor, sich nicht mehr genau zu erinnern, etwa als ihn der Gerichtspräsident danach fragte, wie der Geschlechtsverkehr gewesen sei oder wie sich dieser genau zugetragen habe.

Freiheitsstrafe oder Freispruch

Der Staatsanwalt hielt in seinem Plädoyer denn auch fest, dass sich der Beschuldigte vornehmlich an unwesentliche Punkte des Vorfalls zu erinnern scheine (etwa, dass der Geschlechtsverkehr länger als zwei Minuten gedauert habe). Zugleich spare er Wichtiges aus, was in Kombination ein typisches Verhalten bei nicht geständigen Tätern sei. Die Geschädigte dagegen habe die Ereignisse bei ihren zahlreichen Einvernahmen detailliert und konsistent geschildert. «Ihre Aussagen erscheinen glaubhafter und lassen sich auch in Einklang mit den Zeugenaussagen bringen», konstatierte der Staatsanwalt. Dem Beschuldigten wirft er Vergewaltigung und Nötigung vor und fordert eine teilbedingte Freiheitsstrafe von drei Jahren mit anschliessendem Landesverweis.

Der Verteidiger des Angeklagten verlangt hingegen einen Freispruch. Das Aussageverhalten der Privatklägerin sei alles andere als stringent, argumentierte er bei seinem Parteivortrag. Im Laufe der Einvernahmen habe sie beispielsweise unterschiedliche Angaben dazu gemacht, wo und wie genau der Beschuldigte ihre Hände fixiert habe. Sie neige zu Übertreibungen und Erfindungen, befand der Verteidiger. Weiter fehle es an Sachbeweisen zur Vergewaltigung, wie etwa äusseren Verletzungen oder zerrissenen Kleidern. Die Erinnerungslücken seines Mandanten würden schliesslich bloss zeigen, dass dieser dem «sexuellen Abenteuer» mit der Privatklägerin keine besondere Bedeutung beigemessen habe.

Die Urteilsverkündung erfolgt am 17. November.

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Hier findest du Hilfe:

Polizei nach Kanton

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Lilli.ch, Onlineberatung für Jugendliche

Frauenhäuser in der Schweiz und Liechtenstein

Zwüschehalt, Schutzhäuser für Männer

Agredis, Gewaltberatung von Mann zu Mann, Tel. 078 744 88 88

LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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(sul)

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