27.06.2014 11:12

Tiefe LöhneNach fünf Jahren hört jeder dritte Lehrer auf

Viele Lehrer wechseln nach wenigen Jahren in die Privatwirtschaft. Schuld daran sind die niedrigen Löhne, wie eine Studie des Lehrer-Dachverbandes belegt.

von
hvw

Lehrerinnen und Lehrer verdienen bis zu 39 Prozent weniger als gleich Qualifizierte in der Finanzbranche. Dies zeigt eine Salärvergleichsstudie des Dachverbandes Lehrerinnen und Lehrer Schweiz, die am Donnerstag vorgestellt wurde. Als Referenzkanton für die Studie der Beratungsfirma Towers Watson diente der Aargau.

Dort sind etwa die Primarlehrpersonen mit einem Einstiegslohn von 77'000 Franken gegenüber anforderungsgleichen Berufen in der Privatwirtschaft von Anfang an im Nachteil, schreibt die «Aargauer Zeitung». Der Direktor der Koordinationsstelle für Bildungsforschung in Aarau sagt es so: «Niemand wird wegen des Lohns Lehrer. Doch immer mehr junge Menschen werden wegen des Lohns nicht Lehrer.»

Nach zehn Jahren ist die Hälfte weg

Dramatisch ist daher die Abwanderung aus dem Lehrerberuf. Nach einem Jahr verlassen schon 16 Prozent ihren Posten vor der Klasse. Nach fünf Jahren sind es mit 35 Prozent schon mehr als ein Drittel, die dem Lehrerberuf den Rücken kehren. Nach zehn Jahren ist gar die Hälfte ausgestiegen.

«Keine andere Branche könnte es sich leisten, nach zehn Jahren die Hälfte aller Berufsleute zu verlieren», sagt der Präsident des Lehrerverbands, Beat W. Zemp. Für das Jahr 2015 fordert der Verband daher, die Löhne auf das Niveau anforderungsgleicher Tätigkeiten in der Privatwirtschaft anzuheben. Die Teuerung soll wieder jährlich ausgeglichen werden. Zudem brauche es eine gesetzlich verankerte Lohnentwicklung, um den Lehrern eine verlässliche Lohnperspektive zu geben.

Lehrermangel spitzt sich zu

Nur so könne man dem Lehrermangel begegnen, der sich wegen steigender Kinderzahlen und Massenpensionierungen noch weiter verschärft. Der Bildungsbericht 2014 prognostiziert eine Zunahme des jährlichen Bedarfs an neuen Lehrpersonen von über zehn Prozent.

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