Taugenichts quält: Nach Hochwasser droht uns eine Mückenplage
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Taugenichts quältNach Hochwasser droht uns eine Mückenplage

Die Mücken-Eier lagen jahrelang im Boden, wegen der Überschwemmungen können sie jetzt schlüpfen. Vor allem im Juni und Juli erwarten die Experten eine regelrechte Plage.

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tab
Es blüht uns eine Mückenplage: Das viele Wasser hat die sogenannten Überschwemmungsmücken zum Leben erweckt.

Es blüht uns eine Mückenplage: Das viele Wasser hat die sogenannten Überschwemmungsmücken zum Leben erweckt.

Dieses Jahr droht uns eine Mückenplage. «Es wird viel mehr geben als in anderen Jahren», sagt Peter Lüthy vom Institut für Mikrobiologie an der ETH Zürich. Daran seien vor allem die Überschwemmungen schuld, denn sie erweckten den sogenannten «Aedes vexans» - zu Deutsch quälender Taugenichts - zum Leben. «Diese Spezies gehört zu den Überschwemmungsmücken, deren Eier im Boden liegen und dort jahrelang überleben können», sagt Lüthy. Bei einer Überschwemmung, wie wir sie am vergangenen Wochenende vielerorts hatten, schlüpfen die Larven. «Nach zwei Wochen verwandeln sich diese in Puppen und ein paar Tage später sind sie in der Luft.»

«Sie suchen alle Blut»

Diese Mücken sind gemäss Lüthy ein grosses Problem, vor allem in isolierten Wassertümpeln gedeihen die Insekten massenhaft: «Wir reden hier von mehreren tausend pro Quadratmeter und sie suchen alle Blut», sagt er. Die einzige natürliche Waffe gegen die Plage seien Fische, doch in abgeschirmten Tümpeln gäbe es keine solche Feinde.

Man könne davon ausgehen, dass sich jetzt in den überschwemmten Gebieten eine grosse Mückenpopulation entwickle. Beispiele dafür seien die Thurauen im Zürcher Weinland oder der Reussspitz. Dort seien die Bedingungen ideal: Feuchtigkeit, Wärme und keine Fische.«Wir rechnen damit, dass es Ende Juni losgeht und bis Anfang August anhält.»

Zusätzliche Massnahmen gegen Mücken

Auch Wolfgang Bollack von der Baudirektion Zürich geht davon aus, dass die Überschwemmungen in den Thurauen zu einer grösseren Mückenkolonie führen werden. Bereits letztes Jahr sei aufgrund des Rhein-Hochwassers in diesem Gebiet eine Plage entstanden. «Aus diesem Grund haben wir zusätzliche bauliche Vorkehrungen getroffen, damit sich das Hochwasser nicht ansammelt und über längere Zeit liegen bleibt.»

Pie Müller, Entomologe am Schweizerischen Tropen- und Public Health-Institut in Basel, sagt hingegen, es sei noch zu früh, von einer Mückenplage zu sprechen. Dies könne man erst in ein bis zwei Wochen beurteilen. «Die Entwicklung einer Mückenpopulation hängt vom Wetter ab.» Wenn es jetzt warm werde, sich die Feuchtigkeit aber halten könne, dann sei eine Mückenplage durchaus möglich. Kehre allerdings die Kälte zurück, sei dies eher unwahrscheinlich.

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