Jeans statt Anzug - Nach Homeoffice wollen Banker in Jeans und Turnschuhen arbeiten
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Jeans statt AnzugNach Homeoffice wollen Banker in Jeans und Turnschuhen arbeiten

Zurück im Büro weicht sich der Firmen-Dresscode auf. Mitarbeitende ziehen es vor, sich weiterhin so bequem zu kleiden wie daheim.

von
Bettina Zanni
Taddeo Cerletti
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Mit der Rückkehr in die Büros bröckelt der Firmen-Dresscode. Statt Anzug und Krawatte sind Hemden und Sneakers gefragt.

Mit der Rückkehr in die Büros bröckelt der Firmen-Dresscode. Statt Anzug und Krawatte sind Hemden und Sneakers gefragt.

20min/Taddeo Cerletti
«Je nach Abteilung ist es nicht mehr so strikt mit Krawatte und Anzug, sondern eher Business Casual», sagt Banker Elia. 

«Je nach Abteilung ist es nicht mehr so strikt mit Krawatte und Anzug, sondern eher Business Casual», sagt Banker Elia.

20min/Taddeo Cerletti
Zumindest Kragen und Hemd würden getragen, so Elia. «Man schaut, dass man nicht gerade im lumpigen T-Shirt zur Arbeit kommt.»

Zumindest Kragen und Hemd würden getragen, so Elia. «Man schaut, dass man nicht gerade im lumpigen T-Shirt zur Arbeit kommt.»

20min/Taddeo Cerletti

Darum gehts

  • Bankerinnen und Banker kehren anstatt im Business-Look leger gekleidet zurück in die Büros.

  • «Man schaut, dass man nicht gerade im lumpigen T-Shirt zur Arbeit kommt», sagt ein Banker.

  • Bei Firmen sind Diskussionen über einen lockereren Dresscode im Gange.

  • Viele Angestellte sind laut einer Stilexpertin nicht mehr bereit, jeden Tag nur um der Sache willen wieder in Anzug und Deux-Pièce ins Büro zu kommen.

Anzug und Deux-Pièce blieben bei der Homeoffice-Arbeit im Schrank hängen. In bequemen Kleidern setzten sich die Angestellten vor den Computer. Darauf will Investmentbanker D. L.* auch im Büro nicht mehr verzichten.

«Meine vier Paar Geschäftsschuhe sind verstaubt und einen Anzug habe ich seit dem Lockdown nicht mehr getragen», sagt D. L.*, der seit einigen Wochen wieder vor Ort in einer grossen Bank im Kanton Zürich arbeitet. Ins Büro gehe er seither in Turnschuhen, Jeans und Hemd.

«Damit hätte sich früher niemand ins Büro getraut»

«Auch meine Kolleginnen und Kollegen tragen neuerdings legere Kleidung», sagt der 53-Jährige. Vor der Pandemie seien Anzug und Lederschuhe Tradition gewesen. «Kürzlich sahen wir in der Kantine erstmals sogar jemanden in kurzen Hosen. Damit hätte sich früher niemand ins Büro getraut.»

L. würde es begrüssen, wenn sich die lockere Kleidung im Büro durchsetzen würde. «Im Anzug zu arbeiten, ist einen Tick unbequemer.» Auch sei es unnötig, den Mitarbeitenden Anzug und Deux-Pièce vorzuschreiben.

Auch Banker Elia (27) sagt, dass sich die Mitarbeitenden weniger an den Dresscode hielten. «Je nach Abteilung ist es nicht mehr so strikt mit Krawatte und Anzug, sondern eher Business Casual.» Zumindest Kragen und Hemd würden getragen. «Man schaut, dass man nicht gerade im lumpigen T-Shirt zur Arbeit kommt.»

Banken überdenken Kleidervorschriften

Mit der Rückkehr in die Büros bröckelt der Firmen-Dresscode. Auch bei grossen Kantonalbanken sind Diskussionen über einen lockereren Dresscode im Gange, wie 20 Minuten weiss. Ein Bankensprecher, der nicht namentlich genannt werden will, sagt: «Durch die Erfahrungen mit dem Homeoffice sind wir daran, unsere Kleidervorschriften zu überdenken.» Es gehe auch darum, als Firma für Junge attraktiv zu bleiben.

Etwa die Zürcher Kantonalbank (ZKB) brachte den Wandel bereits vor der Pandemie ins Rollen. An einem Pilotstandort in Stettbach ZH bedienen die Mitarbeitenden die Kundinnen und Kunden in sportlich-eleganter Bekleidung.

Ihr seien diverse Firmen bekannt, die ihre Dresscodes nun überarbeiteten oder bereits überarbeitet hätten, sagt Larissa R. Döring, Stilexpertin und Trainerin für Business Etikette von Bonjour Élégance. «Das Homeoffice hat das Bedürfnis nach vermehrt individueller Kleidung verstärkt.»

«Dresscodes sollten mehr Individualität zulassen»

Im Homeoffice hätten viele Angestellte ihre Schränke ausgeräumt und sich mit der Frage auseinandergesetzt, was sie überhaupt wo benötigten, so Döring. «Der steife Dresscode ist immer mehr Vergangenheit, was aber nicht heisst, dass Respekt und Wertschätzung, die in der Kleidung gezeigt und dem Gegenüber entgegengebracht werden, passé sind.»

Viele Angestellte sind laut Döring nicht mehr bereit, jeden Tag nur um der Sache willen wieder in Anzug und Deux-Pièce ins Büro zu kommen. «Um als Arbeitgeber attraktiv zu bleiben, sind Geschäftsleitung und HR gefordert. Dresscodes sollten mehr Individualität zulassen.» Denn werde diese bei der Garderobe berücksichtigt, werde die Persönlichkeit gestärkt, was dem Arbeitgeber zugute komme.

Ordentliche, saubere Bekleidung erwartet

Andere Firmen hingegen halten am bisherigen Dresscode fest. Sie hätten diesen nicht angepasst und hätten es auch nicht vor, heisst es etwa bei der Versicherungsgesellschaft Die Mobiliar. Sie erwarteten von allen Mitarbeitenden eine ordentliche, saubere und dem Geschäftsumfeld angemessene Bekleidung am Arbeitsplatz.

*Name der Redaktion bekannt.

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