«Keine erfreuliche Nachricht»: Nach Kalifornien meldet jetzt auch New York eine Corona-Mutante
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«Keine erfreuliche Nachricht»Nach Kalifornien meldet jetzt auch New York eine Corona-Mutante

Die Zahl der als Besorgnis erregenden Varianten des Coronavirus steigt weiter: Nun wurde auch in New York eine Mutante entdeckt, die sich rasant verbreitet – und sich von Impfstoffen weniger beeindruckt zeigen könnte.

von
Fee Anabelle Riebeling
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Nur einen Tag, nachdem aus Kalifornien die Ausbreitung einer neuen Coronavirus-Mutante gemeldet wurde, … (Im Bild: das erste echte Foto des Coronavirus)

Nur einen Tag, nachdem aus Kalifornien die Ausbreitung einer neuen Coronavirus-Mutante gemeldet wurde, … (Im Bild: das erste echte Foto des Coronavirus)

Nanographics/Kaust/Tsinghua University/CC BY 4.0
… meldet New York ebenfalls von einer neuen Virusvariante, die erstmals in der Millionenmetropole aufgetreten ist und immer weiter um sich greift. 

… meldet New York ebenfalls von einer neuen Virusvariante, die erstmals in der Millionenmetropole aufgetreten ist und immer weiter um sich greift.

AFP
Laut zwei noch unveröffentlichten Studien weist B.1.526 genannte Variante mit der Mutation E484K bedenkliche Ähnlichkeiten mit den Mutanten aus Südafrika und Brasilien auf.

Laut zwei noch unveröffentlichten Studien weist B.1.526 genannte Variante mit der Mutation E484K bedenkliche Ähnlichkeiten mit den Mutanten aus Südafrika und Brasilien auf.

Getty Images

Darum gehts

  • Nach der US-Westküste meldet nun auch die Ostküste eine eigene Coronavirus-Mutante.

  • Die B.1.526 genannte Variante wird von einigen Fachleuten als noch kritischer bezeichnet.

  • Vor allem zwei Genmutationen bereiten Sorgen.

Einen Tag, nachdem Meldungen von einer kalifornischen Covonavirus-Variante die Runde machten, wird auch von der Ostküste das Auftauchen einer neuen bislang unbekannten Mutante gemeldet. Erstmals nachgewiesen wurde diese im November 2020 in New York. Dort, wo im Frühjahr 2020 Sars-CoV-2 besonders heftig wütete. Die Bilder von Massengräbern und Leichen in LKW und Kühlzelten gingen um die Welt.

Möglicherweise, so orakeln Medien und befürchten Experten, könnten sich solche Szenen bald wiederholen. Denn B.1.526, wie die New Yorker Variante genannt wird, breitet sich nicht nur rasant in der Metropole aus. Sie weist laut einer neuen Studie auch noch besorgniserregende Übereinstimmungen mit B.1.351 und P1 auf, den Mutanten aus Südafrika und Brasilien.

Beide gelten als ansteckender als der Wildtyp und sollen besser der Immunantwort bereits Genesener – und Geimpfter – entkommen können. P1 soll für die apokalyptischen Zustände in Manaus zumindest mitverantwortlich sein. Die beiden Mutanten gelten genauso wie B.1.1.7 aus Grossbritannien zu den derzeit als kritischste «variants of convern» (VOC), also den beunruhigendsten Sars-CoV-2-Varianten.

Genau genommen zwei Varianten

Von der in New York nachgewiesenen Mutante berichten aktuell gleich zwei Studien. Zwar ist keine der beiden Arbeiten bisher von unabhängigen Fachleuten überprüft worden. Aber da beide Untersuchungen zu ähnlichen Ergebnissen kommen, ist davon auszugehen, dass sie richtig sind. Das Team um Anthony West vom California Institute of Technology in Pasadena entdeckten den Anstieg von B.1.526 während der Analyse hunderttausender viraler Gensequenzen. «Es gab ein Muster, das sich wiederholte, und eine Gruppe von Isolaten, die sich in der Region New York konzentrierte, die ich nicht gesehen hatte», zitiert die «New York Times» Computerbiologen West.

Konkret fand seine Gruppe zwei Versionen des Coronavirus, die immer häufiger vorkommen: Eine mit der E484K-Mutation, die auch bei den Mutanten aus Südafrika und Brasilien vorkommt. Von ihr nimmt man an, dass sie die menschliche Immunabwehr schwächt, indem sie bereits gebildete Antikörper davon abhält, an den Erreger zu binden. Das könnte dazu führen, dass sich Covid-19-Genesene mit der neuen Variante ein zweites Mal anstecken. Auch Antikörper-Therapien und Impfstoffe könnten an Wirksamkeit einbüssen. Die andere Version weist die Mutation S477N. Diese kann beeinflussen, wie fest sich das Virus an menschlichen Zellen bindet. Beide Varianten sind im Moment unter dem Namen B.1.526 zusammengefasst.

«Weit verbreitet, kein einzelner Ausbruch»

Die Forscher der Columbia University wählten einen anderen Ansatz. Sie analysierten 1142 Proben von Patienten in ihrem medizinischen Zentrum. Dabei stiessen sie bei 12 Prozent der Coronavirus-Infizierten auf die Variante mit der Mutation E484K. Diese Betroffenen waren im Schnitt etwa sechs Jahre älter und wurden vergleichsweise schneller ins Krankenhaus eingeliefert.

Laut David Ho, einem der beteiligten Forscher, stammen die Fälle aus verschiedenen New Yorker Stadtteilen, wie Westchester, der Bronx und Queens sowie Manhattan und Brooklyn: «Es scheint also weit verbreitet und kein einzelner Ausbruch zu sein.» Entsprechend habe man die Behörden der Stadt und des Bundesstaates sowie die US-Gesundheitsbehörde CDC gewarnt. Das Team selbst plant laut «New York Times» nun täglich etwa 100 Proben zu sequenzieren, um den Anstieg der Varianten zu überwachen.

Nächsten Monate entscheiden

«Das ist keine besonders erfreuliche Nachricht», kommentierte Michel Nussenzweig der Rockefeller University in New York die neuen Erkenntnisse. Der Immunologe ist nicht an den Studien beteiligt gewesen und hofft, dass das dazugewonnene Wissen dazu genutzt wird, sich gegen die Mutanten zu wappnen. Auch andere Experten zeigen sich beunruhigt: «Die Kombination der Mutationen E484K und E484K und einer grosse Menge an Genesenen, die eine Immunität mitbringen, ist definitiv eine, die man beobachten sollte», so Kristian Andersen, Virologe am Scripps Research Institute in San Diego.

Ob New York das Gleiche droht wie Manaus, wo man ebenfalls auf eine grosse Herdenimmunität setzte, oder ob der Metropole eine zweite heftige Welle bevorsteht oder sie glimpflich davon kommt, werden die nächsten Monate zeigen. Bereits Mitte Februar 2021 hatten die USA angekündigt, die angepassten Impfstoffe, an denen Hersteller wie Pfizer/Biontech, Moderna und AstraZeneca bereits arbeiten, schnell zulassen zu wollen. Statt der langwierigen, randomisierten Studien sollen kleinere Studien ausreichen. Ob Swissmedic das auch so handhaben wird, ist noch offen.

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