Aktualisiert 05.05.2015 11:36

Obergericht ZürichNach Kampf um Besen war der Oberarm gebrochen

Ein Autolackierer hat laut Anklage in seiner Werkstatt beim Kampf um einen Besen einem Mieter den Oberarm gebrochen. Das Obergericht sprach ihn frei.

von
Attila Szenogrady
Das Zürcher Obergericht hat einen Autolackierer freigesprochen, der laut Anklage einem Mann nach einem Besenkampf den Oberarm gebrochen hatte.

Das Zürcher Obergericht hat einen Autolackierer freigesprochen, der laut Anklage einem Mann nach einem Besenkampf den Oberarm gebrochen hatte.

Es war am 16. Januar 2013, als sich ein heute 45-jähriger Autolackierer in seiner Werkstatt in Adlikon ZH wieder einmal mit seinem italienischen Mieter herumstritt. Der Schweizer war gerade im Begriff, mit einem Besen den Boden zu reinigen, und wischte absichtlich Staub über die Schuhe seines Gegners. «Dies war eine klare Provokation», erklärte der heute 38-jährige Italiener später gegenüber der Polizei.

Sicher ist, dass der beleidigte Autounternehmer sogleich versuchte, die «Tatwaffe» an sich zu reissen, worauf es zu einem grotesken Zweikampf um den Besen kam. Laut einem unbeteiligten Augenzeugen rissen die beiden erwachsenen Männer wie zwei kleine Kinder eine ganze Zeit lang am Besen herum.

Knochenbruch nach «Besentanz»

Plötzliche zerrte der Schweizer Beschuldigte am Besenstiel und führte laut Anklage ohne Vorwarnung eine Drehbewegung aus. Mit der Folge, dass der umkämpfte Wischer nach dem «Besentanz» unter die rechte Achsel des Italieners sprang und prompt sein Schultergelenk auskugelte. Der Geschädigte schrie vor Schmerzen auf und seinen Kontrahenten an. Es gelang ihm, die Schulter wieder einzurenken. Allerdings ergab später eine ärztliche Untersuchung, dass das Opfer einen Bruch des Oberarmknochens erlitten hatte und vier Wochen lang einen Verband tragen musste. Er blieb zwei Monate lang zu 100 Prozent arbeitsunfähig.

Nach einer Strafanzeige des Geschädigten leitete die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland eine Untersuchung ein und erhob im Februar 2014 gegen den Autolackierer Anklage wegen vorsätzlicher Körperverletzung. Zumindest liege aber eine fahrlässige Körperverletzung vor, befand die zuständige Staatsanwältin, die zwei verschiedene Strafanträge stellte: 80 Tagessätze zu 110 Franken sowie 2000 Franken Busse bei Vorsatz. 50 Tagessätze zu 110 Franken und 1300 Franken Busse bei Fahrlässigkeit. Der Privatkläger verlangte zudem einen Schadenersatz von 13'684 Franken sowie ein Schmerzensgeld von 1000 Franken.

Freispruch auf der ganzen Linie

Bereits vor dem Bezirksgericht Dielsdorf beteuerte der Beschuldige im Sommer 2014 erfolgreich seine Unschuld. Er sprach von einem gegenseitigen Gerangel und stellte jeglichen Verletzungsvorsatz in Abrede.

Das Gericht folgte der Version des Autolackierers und sprach ihn frei. Einerseits aufgrund widersprüchlicher Aussagen des Geschädigten, andererseits wegen der Tatsache, dass der Privatkläger den Kampf begonnen und am Besen festgehalten habe. «Halten zwei Personen an einem Besen fest und versuchen gegenseitig, dem anderen diesen zu entringen, so hätte nachgewiesen werden müssen, wer wann welchen Zug gemacht hat und welche Bewegung letztlich zur Schulterluxation geführt hat», schrieben die Richter. Doch genau dies sei in der Anklage nicht geschehen.

Prozessentschädigung für Angeklagten

Der unterlegene Geschädigte legte Berufung ein und erwirkte damit am Dienstag eine Berufungsverhandlung vor Obergericht. Allerdings überlegte er es sich kurz vor dem Prozess doch noch anders und zog seine Anträge zurück. Wohl auf Anraten seines Rechtsanwaltes, der die Chancen auf eine Wendung der Angelegenheit vor Obergericht zuletzt als schlecht einschätzte.

Da auch die Staatsanwaltschaft auf eine Berufung verzichtet hatte, ist das Dielsdorfer Urteil nun automatisch rechtskräftig. Damit erhält der entlastete Autolackierer eine Prozessentschädigung von 4000 Franken. Der Privatkläger wurde dagegen mit seinen finanziellen Forderungen auf den Weg eines Zivilprozesses verwiesen.

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