Es geht um 20 Prozent – SRG-Chefs verzichten auf Boni – und kompensieren mit mehr Fixlohn

Aktualisiert

Es geht um 20 ProzentSRG-Chefs verzichten auf Boni – und kompensieren mit mehr Fixlohn

Vergangenes Jahr gab es Kritik von Simonetta Sommaruga für die Boni-Zahlungen an die Chefetage der SRG. Der Verwaltungsrat hat nun das interne Lohnsystem für Kader überarbeitet. 

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 SRG-Generaldirektor Gilles Marchand verdiente 533’000 Franken im Jahr 2020. 

SRG-Generaldirektor Gilles Marchand verdiente 533’000 Franken im Jahr 2020. 

AFP
Bundesrätin Simonetta Sommaruga kritisierte die SRG für ihre früheren Boni-Zahlungen an das oberste Kader. 

Bundesrätin Simonetta Sommaruga kritisierte die SRG für ihre früheren Boni-Zahlungen an das oberste Kader. 

20min/Matthias Spicher
Christian Wasserfallen (FDP) sagt zum neuen Lohnsystem: «Ich finde es befremdend, dass aus variablen Lohnbestandteilen, die sich ja am Erfolg messen, plötzlich Fixlöhne werden.» 

Christian Wasserfallen (FDP) sagt zum neuen Lohnsystem: «Ich finde es befremdend, dass aus variablen Lohnbestandteilen, die sich ja am Erfolg messen, plötzlich Fixlöhne werden.» 

20min/Simon Glauser

Darum gehts

Im Mai vergangenen Jahres beantragte die SRG für ihre 600 Mitarbeitenden Kurzarbeitsgeld. Dies, weil das Unternehmen Geld sparen musste. Gleichzeitig erhielt die Geschäftsleitung des öffentlichen Rundfunks jedoch hohe Boni, wie die Zeitungen von CH-Media berichten. Auch Bundesrätin Simonetta Sommaruga (SP) wies damals die SRG zurecht: Solch hohe Zahlungen während der Pandemie seien «unsensibel», so die Medienministerin.

Mit der öffentlichen Schelte setzte Sommaruga die SRG-Verantwortlichen unter Druck. Diese haben nun beschlossen, dass das Lohnsystem für die obersten Kadermitglieder geändert wird. Gegenüber den Zeitungen von CH-Media sagte SRG-Sprecher Edi Estermann: «Der Verwaltungsrat der SRG hat am 10. November 2021 nach mehreren Aussprachen und der Prüfung verschiedener Varianten entschieden, die heutige variable Lohnkomponente per 1. Januar 2023 in den Fixlohn zu integrieren. Die Kader wurden Anfang Dezember in einem persönlichen Schreiben über die beschlossene Anpassung informiert.»

Durchschnittlicher Kaderlohn lag bei 390’000 Franken

Die SRG selbst sprach nie von Boni, sondern von der sogenannten variablen Lohnkomponente. Diese gibt es nun nicht mehr. Jedoch steigt der Fixlohn so stark an, dass er diese Entschädigung kompensiert. 2020 wurden der Geschäftsleitung Boni in Höhe von fast einem Fünftel der gesamten Lohnsumme ausbezahlt. Die durchschnittliche Lohnsumme von sieben der acht Mitglieder des obersten Kaders lag bei rund 390’00 Franken. Die achte Person ist SRG-Generaldirektor Gilles Marchand: Er bekam 533’000 Franken. Für 2021 sind noch keine Zahlen vorhanden. Der Geschäftsbericht der SRG wurde nämlich noch nicht veröffentlicht.

Diverse Politiker im Bundesparlament reagieren tendenziell ablehnend. FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen sagt gegenüber den Zeitungen von CH-Media: «Ich finde es befremdend, dass aus variablen Lohnbestandteilen, die sich ja am Erfolg messen, plötzlich Fixlöhne werden. Das ist ein Witz.» Die SRG betonte jeweils, dass die Boni leistungsabhängig waren. Jetzt bekommt die Geschäftsleitung aber gleich viel, ohne dass die Leistung überprüft wird. 

Bescheidenheit würde den SRG-Bossen nicht schaden

Martin Candinas von der Mitte verteidigt die SRG meistens. Doch auch er übt nun Kritik aus. Die Lohnpolitik der Radio- und Fernsehgesellschaft dürfe nicht zur Sache des Parlaments werden, so der Politiker. «Mir scheint es aber, dass es sich die SRG da zu einfach gemacht hat. Es zeugt von wenig Fingerspitzengefühl, wenn man die variable Lohnkomponente zum Fixlohn hinzufügt.» Auch SVP-Nationalrat Gregor Rutz findet, dass ein wenig Bescheidenheit den SRG-Bossen nicht schaden würde. «Würde sich die SRG wieder mehr auf ihren Kernauftrag konzentrieren, könnte man wohl auch die Lohndiskussion in normaleren Rahmen führen», so Rutz.

Es gibt jedoch auch Rückendeckung für die Chefetage der SRG aus der Politik, und zwar von SP-Nationalrätin Edith Graf-Litscher. «Die Leistungskomponente eines Lohnes angemessen zu beurteilen, ist schwierig. Mir scheint, dass die SRG nun eine ehrlichere Variante gewählt hat. Wichtig ist, dass die Gesamtlohnsumme des obersten Kaders nicht ansteigt», sagt sie. Graf-Litscher sagt auch, dass Unternehmen immer mehr von leistungsbasierten Lohnkomponenten abrücken. Die Ziele werden meist so gesetzt, dass sie leicht zu erreichen sind. Wahrscheinlich sei dies auch bei der SRG so gewesen.

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