Aktualisiert 14.03.2013 08:08

Neue HitlisteNach Lena und Lara - Retro-Boom bei Vornamen

Von Hans über Sandra bis hin zu Noah: Eine neue Statistik zeigt, welche Namen in den letzten hundert Jahren besonders beliebt waren. Der neuste Trend geht zurück zu altmodischen Namen.

von
Simona Marty
Immer mehr Kinder werden heute auf altmodische Namen getauft.

Immer mehr Kinder werden heute auf altmodische Namen getauft.

Ein Blick in das neue interaktive Namen-Tool vom Bundesamt für Statistik verrät einiges über die Vorlieben von Schweizer Eltern. Es zeigt, dass vor hundert Jahren nicht Kreativität, sondern vor allem religiöse Motive die Namensgebung beeinflussten.

Ab Anfang des 20. Jahrhunderts bis etwa in die 60er-Jahre tauften Eltern ihre Sprösslinge Hans, Peter, Anna oder Maria. Ganz nach dem Vorbild christlicher Heiliger: «Das sind alles Namen aus dem Christentum. Sie wurden unter anderem von Eltern gewählt, um ihre Kinder dem Schutz des jeweiligen Heiligen zu unterstellen», erklärt Marko Meier vom Zentrum für Namenforschung in Leipzig. Hans ist die Kurzform von Johannes, der etwa als «Johannes der Täufer» in der Bibel eine zentrale Rolle spielt. Peter leitet sich von Petrus ab.

Stars und Schauspieler als Vorbilder

Die Trendwende kam in den 80er-Jahren und mit Ausstrahlung ausländischer Radio- und Fernsehprogrammen. Berichte über Musikkonzerte und Filmstars brachten ausländische, exotische Namen in die heimischen Stuben. «Französische und englische Namen wie Michelle, Jennifer oder Mike fanden Eingang in deutschsprachige Gebiete», so Meier. In der Schweiz führten 1980 zwar Daniel und Sandra die Namenshitliste an, zur Jahrhundertwende tauchten dort dann aber auch Michelle und David auf.

Sieht man sich heute auf den Spielplätzen und Kindergeburtstagen um, hört man dort Mütter und Väter vor allem nach Mias, Lenas, Noahs und Lucas rufen. Diese Namen halten sich laut der Statistik seit ein paar Jahren hartnäckig an der Spitze der Schweizer Vornamens-Hitparade. «Kurze, ein- bis zweisilbige Namen mit den Anfangsbuchstaben L und M haben es den jungen Eltern seit etwa vier Jahren besonders angetan», erklärt Meier die Häufung.

Zurück zum Ursprung

War man vor zehn Jahren mit Lara und Laura allerdings noch aussergewöhnlich, gelten diese Namen laut dem Experten in der heutigen Zeit bereits nicht mehr als kreativ. Für Marko Meier ein Indiz für den neusten Retro-Trend: «Eltern wollen für ihr Kind einen speziellen, individuellen Namen. Darum werden Kinder immer häufiger auf altmodische Namen wie Wilhelm oder Rudolf getauft.»

Neben der Tatsache, dass sich Eltern damit gegen den Mainstream stellen wollen, stecke aber auch eine historische Komponente dahinter: «Menschen interessieren sich heute eher für ihre Herkunft und recherchieren ihre Familiengeschichte.» Dabei würden sie auf altertümliche Namen stossen. Meier: «Eltern finde es eine schöne Geste, ihren Kindern dann den Namen der Urgrossmutter oder des Grossvaters zu geben.»

Die Autorin interessierte sich bei ihrer Recherche zwar nicht primär für die Geschichte, aber doch für die Individualität ihres Namens: Beim Selbstversuch – bevor das Tool nachfragetechnisch zusammenbrach – konnte sie sich über die Originalität ihrer Eltern freuen - ihr Name war nicht unter den Toprängen aufgelistet.

Peter und Maria als absolute Spitzenreiter

Peter und Hans sind die am stärksten verbreiteten männlichen Vornamen in der Schweiz, Maria und Anna heissen am meisten Frauen. Ende 2011 trugen in der Schweiz exakt 63'220 Männer den Vornamen Peter und 61'209 jenen von Hans. Gar 86'893 mal erscheint der Name Maria bei den Frauen, der damit weit vor der zweitplatzierten Anna mit 44'829 Namensträgerinnen zu liegen kommt.

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