Nach Milliardenverlust: Ausverkauf bei Merrill Lynch
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Nach Milliardenverlust: Ausverkauf bei Merrill Lynch

Die krisengeplagte US- Investmentbank Merrill Lynch verkauft ihr rund 15 Milliarden Dollar (17,4 Milliarden Franken) schweres Finanzierungsgeschäft mit mittelgrossen Firmen. Käuferin ist der Mischkonzern General Electric (GE).

Zudem erhält die Bank, die im Zuge der Kreditkrise riesige Verluste verbuchen musste, eine milliardenschwere Finanzspritze. Der Staatsfonds Temasek aus Singapur werde für 4,4 Milliarden US- Dollar Aktien der Bank kaufen, teilte Merrill Lynch am Montag in New York mit.

Ferner habe Temasek eine Option, weitere 600 Millionen Dollar zu investieren. Allerdings werde der Anteil des Staatsfonds an Merrill- Aktien zu jedem Zeitpunkt unter zehn Prozent liegen.

Die US-Investmentgruppe Davis Selected Advisors investiere darüber hinaus langfristig 1,2 Milliarden Dollar. Temasek und Davis werden den Angaben zufolge passive Investoren ohne Kontrollrechte sein.

Kaufpreis nicht genannt

Die Übernahme des Merrill-Lynch-Finanzierungsgeschäfts solle im ersten Quartal des neuen Jahres abgeschlossen werden, teilte die GE- Finanzsparte dazu in Norwalk (Connecticut) mit. Der Kaufpreis wurde nicht bekanntgegeben.

GE-Capital übernimmt rund 10 Mrd. Dollar an Anlagevermögen sowie 5 Mrd. Dollar an Finanzierungszusagen. Zu den Aktivitäten zählen Unternehmens- und Ausrüstungskredite sowie Finanzierungen im Bereich Energie und Gesundheit. Das Geschäft mit Krediten für Gewerbeimmobilien behält Merrill Lynch dagegen.

Erstmals Sparte verkauft

Merrill Lynch musste wegen der Kreditkrise Verluste in Milliardenhöhe hinnehmen. Der seit November amtierende neue Chef John Thain stellt das Geschäft der Bank unter Hochdruck neu auf - dazu zählt nun erstmals der Verkauf einer Sparte der Bank.

Durch das Geschäft mit GE könne Merrill Lynch 1,3 Mrd. Dollar in anderen Teilen der Bank einsetzen, sagte Thain laut Mitteilung.

General Electric besitzt neben zahlreichen industriellen Aktivitäten eine umfangreiche Finanzsparte. General Electric Capital mit Sitz in Norwalk verwaltet allein im Bereich Firmenfinanzierungen Anlagen im Wert von 260 Milliarden Dollar.

Die Börse reagierte positiv auf den Verkauf und die Finanzspritze: Im vorbörslichen Handel in New York legten die Merrill-Lynch-Aktien um 3,5 Prozent zu.

(sda)

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