«Grosser Tag für die Redefreiheit»: Nach Musks Übernahme – kommt Trump zurück auf Twitter?
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«Grosser Tag für die Redefreiheit»Nach Musks Übernahme – kommt Trump zurück auf Twitter?

Die Twitter-Aktionäre dürften sich kaum gegen Elon Musk wehren. Jetzt will der Tesla-Chef die Regeln auf der Plattform lockern. Das macht selbst US-Präsident Joe Biden Angst.

von
Fabian Pöschl
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Elon Musk kauft Twitter für 44 Milliarden Dollar.

Elon Musk kauft Twitter für 44 Milliarden Dollar.

REUTERS
Das Geld dafür hat der reichste Mensch der Welt von Banken und wohl auch durch den Verkauf von Tesla-Aktien.

Das Geld dafür hat der reichste Mensch der Welt von Banken und wohl auch durch den Verkauf von Tesla-Aktien.

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Der Tesla-Chef ist selbst einer der grössten Fans von Twitter.

Der Tesla-Chef ist selbst einer der grössten Fans von Twitter.

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Darum gehts

  • Elon Musk dürfte Twitter bekommen.

  • Die Aktionäre werden das Angebot kaum ausschlagen.

  • Damit hat Musk freie Hand, Twitter von der Börse zu nehmen und nach seinem Plan umzugestalten.

Twitter und Tesla-Chef Elon Musk haben sich nach einem Hickhack geeinigt. Der 50-Jährige darf die Social-Media-Plattform für 44 Milliarden Dollar kaufen. Jetzt müssen nur noch die Aktionäre dem Deal zustimmen.

Die Userinnen und User von Twitter sind über den Kauf alles andere als begeistert. Doch was plant Musk und werden die Aktionäre den Verkauf abnicken? 20 Minuten beantwortet die wichtigsten Fragen zum Mega-Deal.

  • Wie könnte es nach dem Kauf mit Twitter weitergehen?

Musk sagte, ihm gehe es um Redefreiheit auf der Plattform. Musk wolle einen Raum bieten, in dem man sich trotz Cancel Culture austauschen kann, so Digital-Experte Nappa. Dafür sollen Regeln gelockert werden. Dann müsse er aber Twitter von Bots und Trollen befreien. «Ich traue ihm zu, dass er das schafft, aber viele andere haben Bedenken. US-Präsident Biden befürchtet bereits, dass der von Twitter gesperrte Donald Trump wieder zurück darf», so Nappo. Twitter werde mit seinen knapp 400 Millionen Nutzern auf jeden Fall eine wichtige Plattform bleiben.

  • Kommt Ex-US-Präsident Trump zurück auf Twitter?

Das liess Musk offen. Trump selbst sagte hingegen, er wolle gar nicht zu Twitter zurück, sondern in den kommenden sieben Tagen seinem neuen Social-Media-Dienst Truth Social beitreten, wie er dem Nachrichtensender «Fox» sagte. Konservative US-Politiker wie der republikanische Abgeordnete Jim Jordan bejubelten aber bereits einen «grossen Tag für die Redefreiheit».

  • Hat Musk überhaupt 44 Milliarden Dollar für den Twitter-Kauf?

Elon Musk ist mit einem Vermögen von rund 282 Milliarden Dollar der reichste Mensch. Ein Grossteil sind aber Beteiligungen an Unternehmen wie Tesla. Derzeit soll er laut «Bloomberg» über etwa drei Milliarden Dollar in Bar oder andere liquide Mittel verfügen. Das Geld für den Kauf hat Musk aber wohl beisammen. «Elon Musk hat in den letzten Wochen rund 25 Milliarden Dollar Kredite von Banken organisiert, den Rest wird er wohl selbst aufbringen, ob mit einem Verkauf von Tesla-Aktien ist noch nicht klar», sagt Roberto Cominotto, Aktienanalyst bei Julius Bär, zu 20 Minuten.

  • Werden die Aktionäre zustimmen?

Davon ist Julius-Bär-Experte Cominotto überzeugt. «Die Geschäftsleitung hat nach anfänglicher Weigerung auf Druck der Aktionäre zugestimmt. Wenn das Management an Bord ist, geht die Übernahme in der Regel durch», so Cominotto. Die 44 Milliarden seien im Vergleich zum Gewinn und Umsatz der Firma hoch bewertet, für die Aktionäre sei es ein guter Deal. Laut UBS liegt Musks Angebot fast 40 Prozent über dem aktuellen Kurs.

  • Warum hat sich das Management zuerst gegen den Verkauf gewehrt?

Der Verwaltungsrat dachte wohl, dass es nicht im Interesse der Firma wäre, wenn sie nur noch einer Person gehört, sagt Manuel Nappo, Leiter des Instituts für Digital Business an der HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich, zu 20 Minuten. «Oder vielleicht wollten sie einfach nicht Musk», so Nappo. Musk polarisiere und es sei nicht klar, was er mit Twitter vorhat, wenn er es von der Börse nimmt. 

  • Kann Musk Twitter von der Börse nehmen?

Ja, dafür braucht er nicht mal alle Aktien, wie Julius-Bär-Analyst Cominotto sagt. Er ist aber überzeugt, dass Musk die deutliche Mehrheit der Twitter-Aktien kaufen will.

  • Ich habe Twitter-Aktien. Was passiert jetzt?

Jeder Aktionär von Twitter erhält ein Angebot, die Aktien für 54.20 Dollar anzudienen, sagt Julius-Bär-Experte Cominotto. Die Aktie zu behalten mache keinen Sinn, wenn Twitter nicht mehr an der Börse ist, da es keinen Kurs mehr dafür gebe. «Wenn man die Aktie verkaufen will, gibt es keinen Markt mehr», sagt der Experte.

  • Wer wird jetzt mit Twitter-Aktien reich?

Das kommt darauf an, wann man die Aktien gekauft hat. Vor 5 Jahren war der Kurs der Aktie noch bei 17 Dollar. Bis Anfang 2021 ging es dann stets bergauf. Dann folgte ein Einbruch, bei dem sich der Kurs mehr als halbierte, bis es zur Kauf-Ankündigung von Musk wieder herauf ging. Wer in den vergangenen Monaten bei Twitter einstieg, konnte also viel Geld verdienen. Ausser Elon Musk, der kürzlich schon fast 10 Prozent der Aktien kaufte, gab es laut Cominotto zuletzt aber keinen neuen Grossinvestor bei Twitter.

Musks kryptische Tweets

Musk zählt zu den aktivsten prominenten Twitter-Nutzern und hat rund 83 Millionen Follower. Dort sorgt er immer wieder für Gesprächsstoff. So fragte er seine Follower schon um Rat beim Twitter-Kauf oder sorgt für Verwirrung mit kryptischen Nachrichten. Mit Tweets zu seinen eigenen Firmen oder zu Kryptowährungen hat er schon mehrere Hypes ausgelöst und bekam dafür auch schon Millionenstrafen der US-Börsenaufsicht (SEC).

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