Nach nur anderthalb Jahren: CIA-Chef tritt zurück
Aktualisiert

Nach nur anderthalb Jahren: CIA-Chef tritt zurück

Seine Amtszeit im US-Geheimdienst sei die des Übergangs gewesen, kommentierte US-Präsident George W. Bush. Deshalb sei CIA-Chef Porter Goss zurückgetreten.

Goss hatte den Posten von George Tenet übernommen, der nach heftiger Kritik an den Fehlern und Versäumnissen im Zusammenhang mit den Anschlägen vom 11. September und im Vorfeld des Irak- Krieges aufgegeben hatte.

Über die Gründe für den Rücktritt von Goss wurde nichts bekannt. Allerdings war er in den Monaten seit seiner Amtsübernahme wegen seines persönlichen Führungsstils intern kritisiert worden. Ausserdem geriet der Geheimdienst wegen «undichter Stellen» in die Schlagzeilen. Die CIA war zuletzt durch die Affäre um geheime Gefangenentransportflüge in Europa erschüttert worden.

Angesichts stetig sinkender Umfragewerte und mit Blick auf die Kongresswahlen im November hatte Bush vor einiger Zeit mit einem Personalumbau begonnen. Einen Nachfolger für Goss nannte er am Freitag nicht.

Übergangen

Frühere hohe Geheimdienstbeamten äusserten unterdessen die Vermutung, Goss sei aus Enttäuschung darüber zurückgetreten, dass er bei der Neuordnung der Geheimdienste im April vergangenen Jahres von Bush nicht berücksichtigt worden war.

Bush hatte seinerzeit John Negroponte zum nationalen Geheimdienstdirektor und damit zum Chefkoordinator für alle 16 US- Geheimdienste gemacht, was die Position von Goss als CIA-Chef schwächte.

Lob von Bush

Bush würdigte am Freitag die Verdienste von Goss, der wichtige Reformen eingeleitet habe. Der Präsident wies insbesondere auf ein von Goss eingeleitetes Fünf-Jahre-Programm zur Aufstockung der Zahl von Agenten «vor Ort» und von Analytikern hervor.

Goss habe dazu beigetragen, das Land sicherer zu machen, erklärte der Präsident. Goss seinerseits sagte, der Zustand des Geheimdienstes habe sich «ausserordentlich verbessert».

Kein Nachfolger in Sicht

Bush muss nun nach einem geeigneten Nachfolger suchen - eine Aufgabe, die von Experten als sehr schwierig eingestuft wird. Die Umbesetzung an der CIA-Spitze ist der jüngste Wechsel in Bushs engem Mitarbeiterzirkel. So war kürzlich erst Andrew Card als Stabschef im Weissen Haus zurückgetreten und durch Joshua Bolten, den ehemaligen Budgetdirektor, ersetzt worden.

Auch der Sprecher des Weissen Hauses, Scott McClellan, gab sein Amt auf. Er hielt am Freitag seine letzte Pressekonferenz im Amt. Sein Nachfolger ist der ehemalige Kommentator des Senders Fox News, Tony Snow.

Bushs bisheriger engster Vertrauter, der stellvertretende Stabschef Karl Rove, verlor einen Teil seiner Aufgaben bei der politischen Strategie-Planung. Spekulationen über einen baldigen Rücktritt von Finanzminister John Snow halten an.

Goss war 16 Jahre lang republikanischer Kongressabgeordneter und fast acht Jahre lang Leiter des Geheimdienstausschusses des Repräsentantenhauses, bevor Bush ihn an die Spitze der CIA rief. Goss trat unter anderem als Ko-Autor eines Kongressberichtes zu den Anschlägen vom 11. September 2001 hervor, in welchem die CIA und Tenet scharf angegriffen wurden.

Schon kurz nach Berufung an die CIA-Spitze geriet Goss intern ins Kreuzfeuer der Kritik: Er brachte viele Mitarbeiter aus seinem früheren Kongressstab mit, und zahlreiche höhere CIA-Beamten fühlten sich von ihm übergangen oder auch schlecht behandelt. Mehre erfahrene langjährige CIA-Mitarbeiter warfen das Handtuch.

(dapd)

Deine Meinung