Iouri Podladtchikov: «Nach Olympia-Gold habe ich mich überschätzt»
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Iouri Podladtchikov«Nach Olympia-Gold habe ich mich überschätzt»

Der Halfipe-Olympiasieg machte Iouri Podladtchikov (27) zum grossen Star. Im Interview spricht er über Ruhm, Selfies und Ziele.

von
Marcel Allemann
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Fertig lustig: Für Iouri Podladtchikov ist der Snowboard-Winter vorzeitig vorbei.

Fertig lustig: Für Iouri Podladtchikov ist der Snowboard-Winter vorzeitig vorbei.

Keystone/Manuel Lopez
Iouri Podladtchikov kann sich eineinhalb Jahre nach seinem Olympiasieg wieder als normaler Mensch bewegen und wird nicht stetig von Autogramm- und Selfie-Jägern belagert.

Iouri Podladtchikov kann sich eineinhalb Jahre nach seinem Olympiasieg wieder als normaler Mensch bewegen und wird nicht stetig von Autogramm- und Selfie-Jägern belagert.

Cyril Müller
Im Februar 2014 gewinnt Podlatchikov in Sotschi die Goldmedaille in der Halfpipe. Der Hype hält ein Dreivierteljahr an.

Im Februar 2014 gewinnt Podlatchikov in Sotschi die Goldmedaille in der Halfpipe. Der Hype hält ein Dreivierteljahr an.

Keystone/Jean-christophe Bott

Iouri Podladtchikov, inzwischen ist es anderthalb Jahre her, seit Sie in Sotschi Olympiasieger geworden sind. Wie lange hat der Hype angedauert?

Interessant ist, dass man irgendwann wieder am Boden ankommt, egal, was man gewonnen hat. Ich würde sagen, der Hype hat so rund ein Dreivierteljahr angehalten. Ende 2014 zog ich mir dann eine Fussverletzung zu und in der Folge liess es nach, was ich jedoch keineswegs als schlecht empfand. Ich sage es mal so: Wir alle haben sehr gerne Aufmerksamkeit. Wenn man dann zu viel Aufmerksamkeit bekommt, ist das zwar immer noch schön, aber es ist schwierig, damit umzugehen.

Dann hat die Nachfrage nach Selfies und Autogrammen nachgelassen, wenn Sie sich beispielsweise in der Stadt Zürich bewegen?

Zu Beginn war diese schon hoch, wenn ich etwa beim Sternen-Grill am Bellevue anstand. Aber später konnte ich mir dann meine Wurst wieder relativ unbehelligt holen. In den letzten Wochen hat es zwar wieder ein wenig angezogen, seit ein Werbespot mit mir regelmässig im Fernsehen läuft. Ich denke, die heutige Welt mit den heutigen Medien ist extrem schnelllebig. Bist du mal zwei Wochen nicht präsent, dann musst du schon fünf bis zehn Selfies weniger machen.

Sie sind einer der weltbekanntesten Snowboarder, haben den Ruf einer wilden Person und leben in einem Zeitalter, wo Sie auch im Ausgang immer damit rechnen müssen, von Fremden unvorteilhaft gefilmt zu werden. Wie gehen Sie damit um?

Ich bin in einer Risikosportart und einer Extremsportart tätig. Mein Sport ist gefährlich und so lässt es sich auch herunterbrechen, wie ich mit den Medien und solchen Sachen umgehe. Es ist durchaus gefährlich und ich kann auf den Kopf fallen, doch das ist mein Job. Es ist auch ein Teil des Spiels. Dadurch, dass inzwischen überall Kameras sind, ist einfach alles noch ein wenig extremer geworden.

Sind Sie dadurch vorsichtiger geworden?

Man sieht es ja teilweise in meinen Fernsehinterviews, wo ich nur wirres Zeug quatsche, das niemand versteht. Ich versuche den Sport und alles darum herum so zu bewerkstelligen, wie ich das bewerkstelligen möchte. Das ist so ein Akt der Balance. Klar besteht das Risiko, dass ich gefilmt werde, wenn ich in den Ausgang gehe. Wenn ich rausgehe, dann komme ich den Leuten vermutlich als wilder Typ rüber, aber ich selbst empfinde es nicht so, auch wenn sich dies nun womöglich enttäuschend anhört. Ich gehe zwar extrem viel raus wenn ich in Zürich bin, den viele meiner Freunde arbeiten im Nachtleben. Aber ich bekomme genügend Adrenalin durch meinen Sport, deshalb bin ich in meinem privaten Leben eigentlich überhaupt nicht darauf aus.

Haben Sie sich durch diesen Olympiasieg verändert oder sind Sie noch der gleiche Iouri?

Ich denke schon, dass ich derselbe Iouri bin, obwohl der Olympiasieg jeden automatisch verändert. Anders ist das gar nicht möglich, wenn man von einem Tag auf den anderen vom Olympioniken zum Olympiasieger wird, denn das ist nun einmal ein sehr grosser Unterschied. Eine gewisse Zeit hatte ich sogar Probleme damit, eine Art Nostalgie-Problem. So nach dem Motto: Es wird nie mehr in meinem Leben so sein wie früher. Irgendwie ist es ja lustig: Man strebt das ganze Leben etwas an und wenn man es hat, dann würde man es gerne rückgängig machen. Es macht zwar überhaupt keinen Sinn, aber man will eben immer genau das, was man nicht hat oder nicht haben kann. Doch allmählich schwindet dieses Nostalgie-Gefühl bei mir, weil der Olympiasieg schon zu weit entfernt ist. Ich finde es zwar herzig, über meinen Olympiasieg von 2014 zu sprechen, aber ich bin schon viel fixierter auf die Olympischen Spiele von 2018.

Sie haben in Sotschi alle geschlagen ...

… und das war einfach nur geil.

Kann einem, wenn man am entscheidenden Tag alle geschlagen hat, nichts mehr nervös machen?

Das werde ich so richtig wohl erst 2018 an den Olympischen Spielen in Pyeongchang wissen. Aber vermutlich habe ich mich genau in diesem Glauben vor einem Jahr verletzt. Nach dem Olympiasieg fiel ich für eine gewisse Zeit nur noch auf die Fresse. Ich hatte mich damals extrem überschätzt. Es war eben schon ein spezielles Gefühl, wenn man aufs Brett steht und sagen kann, man ist der Olympiasieger. Da schwebt man für eine gewisse Zeit und bezahlt dann den Preis dafür.

Was sind Ihre Höhepunkte diese Saison?

Der Fokus liegt seit meinem Olympiasieg 2014 auf der Titelverteidigung 2018. Denn diesen Titel zu verteidigen, ist noch viel schwieriger, als ihn ein erstes Mal zu gewinnen. Ich habe viel mehr Respekt vor jenen Sportlern, die zwei Olympiamedaillen gewonnen haben als vor jenen, die eine besitzen. Ich kann inzwischen beurteilen, was eine solche Leistung bedeutet. Was beispielsweise Simon Ammann geschafft hat, dass dies überhaupt möglich war, fasziniert mich unglaublich. Deshalb ist das Hauptaugenmerk dieses Jahr auf das Training für die Titelverteidigung ausgerichtet. Daneben habe ich diese Saison auch noch einen Titel in Laax und einen an der WM der TTR-Tour in China zu verteidigen, was für mich zwei grosse Titel sind und auch für meine Olympia-Vorbereitung wichtig ist. Alles was im Hinblick auf Pyeongchang 2018 wichtig ist, stellt für mich einen Höhepunkt dar.

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