Fahrlässige Tötung?: Nach Patienten-Suizid ist Klinikleiterin vor Gericht
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Fahrlässige Tötung?Nach Patienten-Suizid ist Klinikleiterin vor Gericht

Eine depressive Frau hat eine offene Klinik verlassen und Suizid begangen. Der Witwer hat die Leiterin der Anstalt wegen fahrlässiger Tötung angezeigt.

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20 minutes/tam
Der Witwer hat die Leiterin der Klinik angeklagt, weil er der Meinung ist, dass das Suizidrisiko seiner depressive Ehefrau falsch eingeschätzt wurde.

Der Witwer hat die Leiterin der Klinik angeklagt, weil er der Meinung ist, dass das Suizidrisiko seiner depressive Ehefrau falsch eingeschätzt wurde.

Keystone/Jean-Christophe Bott

Die Mutter eines Babys war wegen Depression in Behandlung. Als sie begann, sich Informationen über Suizid zu besorgen, suchte ihr besorgter Ehemann im Universitätsspital Lausanne Hilfe. Die Frau wurde anschliessend in die Psychiatrie in Prangins VD überwiesen.

Die Frau, die gegen ihren Willen eingeliefert worden war, hat die offene Klinik, die über keine spezifischen Sicherheitsvorkehrungen verfügt, selbstständig verlassen. «Als wir ihr Verschwinden bemerkt haben, sind wir sehr schnell aktiv geworden», sagte eine Krankenschwester, die vor dem Polizeigericht Nyon VD als Zeugin auftrat. In der Folge fand man den leblosen Körper der Frau auf einer Bahnanlage.

«Suizidrisiko sei unterschätzt worden»

Der Witwer zeigte daraufhin die Leiterin der Klinik wegen fahrlässiger Tötung an. Sie habe seine Ehefrau nicht ausreichend mit Medikamenten versorgt, weil sie das Suizidrisiko unterschätzt habe. Dem widersprach die Ärztin vor Gericht. Die Patientin habe Symptome einer schweren Depression gezeigt. «Sie hat uns aber gesagt, keine Suizidgedanken zu haben.»

Die Frage des Richters, ob man mehr hätte tun können, verneint der Psychiater, der von der Verteidigung engagiert worden war. Bei Suizid sei es nicht angezeigt, die Frau einzusperren. Das erhöhe den Stress. Das Urteil steht noch aus. (20 minutes/tam/sda)

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