Aufschrei im Migrationsamt: Nach Porno-Vorwürfen muss der Chef antraben
Aktualisiert

Aufschrei im MigrationsamtNach Porno-Vorwürfen muss der Chef antraben

Schlamperei, Willkür und Pornografie sollen im Zürcher Migrationsamt zum Alltag gehören. Jetzt muss der Chef antanzen – und sich harten Fragen stellen.

von
meg

Regierungsrat Hans Hollenstein nimmt Stellung. (Video: Keystone)

Es sind harte Vorwürfe, mit denen das Migrationsamt des Kantons Zürich gestern konfrontiert wurde: Verbreitung von pornografischem Bildmaterial, willkürliche Behandlung von Dossiers und überlange Pausen. In die Kritik gelangten vor allem Teamchefs und Vorgesetzte und damit auch der Chef des Amtes, Adrian Baumann.

Regierungsrat Hans Hollenstein kündigte eine umgehende Untersuchung der Vorwürfe an, nachdem er gestern davon in Kenntnis gesetzt wurde. Rechtsanwalt Ueli Vogel-Etienne, der den Fall ins Rollen gebracht hatte, solle nun Fakten auf den Tisch legen, «damit ich dieser Sache nachgehen kann», sagte Hans Hollenstein heute am Rande einer Medienkonferenz (siehe Video). Er habe zudem Amtschef Adrian Baumann zu einem Gespräch geladen, um ihn über die massiven Vorwürfe zu befragen. «Man muss beide Seiten anhören», betonte Hollenstein. Der Sicherheitsdirektor stört sich zudem daran, dass die Mitarbeiter, die die Vorwürfe erheben, an einen Anwalt gelangten und nicht die Ombudsstelle informiert hätten.

Die gravierenden Vorwürfe haben Mitarbeiter aus dem Migrationsamt erhoben, Rechtsanwalt Vogel-Etienne hat sie in einem Brief direkt an Adrian Baumann geschickt. Baumann wird darin vorgeworfen, von den Missständen in seinem Amt zu wissen.

Hollenstein will sich am Freitag wieder an die Öffentlichkeit wenden und über das weitere Vorgehen informieren.

«Dieser Brief war eine grosse Überraschung für uns»

Jolanda van de Graaf, Sprecherin der Sicherheitsdirektion, über den Fall:

Gab es schon einmal ähnliche Vorwürfe?

2008 gab es einen parlamentarischen Vorstoss wegen Verzögerung bei der Bearbeitung von Migrationsfällen, dies nach einer Beanstandung beim Ombudsmann. Zudem befasste sich die GPK des Kantonsrates mit dem Migrationsamt. Der Brief des Anwalts enthält teils aber auch völlig neue Vorwürfe.

Wie sieht nun der Arbeitsalltag für die Mitarbeitenden aus?

Solche Vorwürfe sind unangenehm. Deshalb will ihnen auch unser Direktionsvorsteher rasch nachgehen. Gleichzeitig wird er auch dafür sorgen, dass die Mitarbeiter des Migrationsamtes ihrer Aufgabe weiterhin effizient nachgehen können.

Gab es Anzeichen für Missstände?

Das Schreiben des Anwalts war eine grosse Überraschung für die Sicherheitsdirektion.

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