Ohio: Nach qualvoller Hinrichtung droht Klage
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OhioNach qualvoller Hinrichtung droht Klage

Eine nie angewandte Giftmischung liess einen verurteilten Mörder während der Hinrichtung fast 25 Minuten leiden. Nun droht eine Klage: Der Vorgang verstiess gegen die Grundrechte.

Nach der ungewöhnlich langen Hinrichtung eines verurteilten Mörders durch einen neuen Giftmix will dessen Familie nun den US-Staat Ohio verklagen. Die Angehörigen von Dennis McGuire seien über den Verlauf der Exekution tief bestürzt und gingen von einer Verletzung seiner Grundrechte aus, sagte deren Anwalt John Paul Rion am Donnerstag. Alle Bürger hätten das Recht darauf, nicht auf grausame und unübliche Weise bestraft zu werden.

Kurz davor war McGuire wegen der Vergewaltigung und dem Messermord an einer jungen Schwangeren im Jahr 1989 mit einer in den USA noch nie angewendeten Giftmischung hingerichtet worden. Es dauerte fast 25 Minuten, bis die Kombination des Beruhigungsmittels Midazolam mit dem Schmerzmittel Hydromorphon zum Tod des 53-Jährigen führte. Mehrmals schien er im Todeskampf nach Luft zu schnappen und machte laute, schnaubende Geräusche. Es war eine der längsten Hinrichtungen, seit der US-Staat die Todesstrafe 1999 wieder einführte.

«Kein Recht auf schmerzfreie Exekution»

Seine Verteidiger hatten die Hinrichtung mit dem Argument zu stoppen versucht, dass das Medikament sogenannten Lufthunger herbeiführen könne, ein stark erschwertes Atmen, das zu Panik führen kann. Doch der stellvertretende Generalstaatsanwalt Thomas Madden lehnte dies mit dem Hinweis ab, dass der 8. Zusatz zur US-Verfassung zwar grausame und unübliche Strafen verbiete, jedoch «kein Recht auf eine schmerzfreie Exekution» bestehe.

Besonders ungewöhnlich an der jüngsten Hinrichtung war der Umstand, dass McGuire nach Verabreichung der Giftspritze zunächst fünf Minuten regungslos auf der Trage lag, dann jedoch plötzlich schnaubte und mehr als zehn Minuten unregelmässig japste und keuchte. In der Regel treten ruckartige Bewegungen am Anfang der Exekution auf.

Gegen 10.33 Uhr habe McGuire begonnen, laut zu röcheln, berichtete die Lokalzeitung «Columbus Dispatch». Mindestens zehn Minuten lang habe er Würgegeräusche von sich gegeben und die Hände zu Fäusten geballt. Erst in den letzten Momenten vor der amtlichen Todeserklärung habe er stillgelegen.

Auch die bei der Hinrichtung anwesende Fernsehjournalistin Sheila Gray berichtete später, McGuire habe vor seinem Tod etwa zehn Minuten lang verzweifelt um Luft gerungen.

Kinder schauten zu

«Oh Gott», sagte McGuires Tochter Amber, als sie ihrem Vater beim Sterben zusah. Seine restlichen erwachsenen Kinder sassen im Zeugenraum und schluchzten.

Der Einsatz der neuen Giftmischung wurde nötig, weil der bisherige Medikamentenhersteller sich weigerte, sein Produkt weiter für Exekutionen zur Verfügung zu stellen.

McGuires Anwalt, Allen Bohnert, kritisierte den Tod seines Mandanten als «ein gescheitertes, qualvolles Experiment. Die Bürger von Ohio sollten entsetzt sein über das, was heute in ihrem Namen geschehen» sei, fügte er hinzu. Bohnert rief Gouverneur John Kasich zu einem Hinrichtungsmoratorium auf.

Kritik von Fachleuten

Rechtsexpertin Deborah Denno von der Fordham University of Law kritisierte die verantwortlichen Behörden scharf: «Angesichts der Länge und der verstörenden Beschreibungen von Dennis McGuires Hinrichtung erscheint die Exekution durch Giftspritzen in diesem Land ungeheuerlicher und problematischer denn je», erklärte sie.

Maya Foa von der für Häftlingsrechte eintretenden Organisation Reprieve warf die Frage auf, «wie viele pfuscherhafte Hinrichtungen wir noch brauchen, bevor die Henker damit aufhören, Menschen als Versuchskaninchen zu missbrauchen».

Die Sprecherin der Haftanstalt in Ohio gab keinen Kommentar über den Ablauf der Hinrichtung ab, kündigte aber eine Untersuchung an. In dem US-Staat stehen in diesem Jahr noch fünf weitere Exekutionen an, die nächste ist für den 19. Februar geplant.

Die Sprecherin der Haftanstalt in Ohio gab keinen Kommentar über den Ablauf der Hinrichtung ab, kündigte aber eine Untersuchung an. In dem US-Staat stehen in diesem Jahr noch fünf weitere Exekutionen an, die nächste ist für den 19. Februar geplant.

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