Hitzewelle: Nach Rekordtemperaturen im Juni – so überhitzt sind unsere Gewässer
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HitzewelleNach Rekordtemperaturen im Juni – so überhitzt sind unsere Gewässer

Der Juni präsentiert sich überdurchschnittlich heiss und trocken. Die Fliessgewässer bieten keine wirkliche Abkühlung, wie Daten des Bundesamts für Umwelt zeigen.

von
Jonas Bucher
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Die Hitzewelle hat Auswirkungen auf die Gewässertemperaturen.

Die Hitzewelle hat Auswirkungen auf die Gewässertemperaturen.

20min/Matthias Spicher
Die Schweizer Flüsse boten im Juni bisher kaum Abkühlung.

Die Schweizer Flüsse boten im Juni bisher kaum Abkühlung.

20min/Taddeo Cerletti
Die Messstationen zeigen, dass die Gewässer im Durschnitt deutlich zu warm sind.

Die Messstationen zeigen, dass die Gewässer im Durschnitt deutlich zu warm sind.

20min/Anna Bila

Darum gehts

Die Hitzewelle und die lange Trockenperiode haben Auswirkungen auf die Schweizer Fliessgewässer. Die Flüsse haben sich so sehr aufgeheizt, dass sie teils notabgefischt werden müssen. Ein Blick auf die Statistik des Bundesamts für Umwelt (Bafu) zeigt, dass die Juni-Wassertemperaturen teils deutlich höher als im Hitzesommer 2018 sind. 

An der Messstation Aare-Bern, Schönau betrug 2018 die maximale Juni-Temperatur 20,3 Grad. Am 19. Juni diesen Jahres wurde diese Zahl mit 22,1 Grad deutlich überschritten. Ein ähnliches Bild zeigt sich an der Messstation Rhein-Neuhausen im Kanton Schaffhausen. Dort betrug die Wassertemperatur auf dem bisherigen Höhepunkt am 23. Juni 24,2 Grad (2018: 22,6 Grad).

Die Reuss in Luzern heizte sich am 22. Juni ebenfalls auf 24 Grad auf (Maximaltemperatur 2018: 21,3 Grad). Auch keine wirkliche Abkühlung gab es in der Limmat in Baden AG. Dort wurden am Freitag gar 24,8 Grad gemessen (Maximaltemperatur 2018: 22,9 Grad). Übertroffen wird dieser Wert von der Thur an der Messstation Andelfingen im Zürcher Weinland. Am 20. Juni wurden dort schon beinahe tropische 25,6 Grad gemessen (2018: 25,1 Grad). 

Notabfischungen im Rheintal

Das hat auch Auswirkungen auf die Fauna. Da die Flüsse wenig Wasser führen und deutlich zu warm sind, müssen sie stellenweise abgefischt werden. Im St. Galler Rheintal habe sich ein Flüsschen auf 29,2 Grad aufgeheizt, sagt Fischereiaufseher Marcel Zottele gegenüber dem «Tagblatt» (Bezahlartikel). Ab 25 Grad Wassertemperatur werde es für Fische gefährlich. Betroffen seien vor allem Forellen, so Zottele. Diese hielten zwar auch Temperaturen von 26 Grad aus, dies aber «nur kurzfristig». Hätte er nicht abgefischt, wären diese Fische «mittlerweile ziemlich sicher verreckt». 

Am 19. Juni wurde der bisherige Juni-Rekord aus 1947 mit 36,9 Grad egalisiert.

20min

Schneeschmelze ist beinahe abgeschlossen

Dass sich die Gewässer kurzfristig abkühlen, scheint eher unwahrscheinlich. Die Schneeschmelze sei vielerorts bereits bis in die obersten Höhenlagen weit fortgeschritten oder abgeschlossen, heisst es im Hydrologischen Bulletin des Bundesamts für Umwelt. Der Zufluss an kaltem Schmelzwasser aus den Bergen sei somit sehr gering. Aufgrund der Trockenheit seien die Wasserstände der Flüsse tief. «Folglich erwärmen sich die Flüsse schneller. Zudem ist früh im Jahr eine Hitzewelle aufgetreten und die Lufttemperaturen sind weiterhin stark überdurchschnittlich.» 

Heftige Gewitter könnten am Donnerstag und Freitag kleinere und mittelgrosse Flüsse kurzzeitig stark ansteigen lassen, heisst es beim Bafu weiter. «Entladen sich Gewitterzellen über Einzugsgebieten mit intensiver Gletscherschmelze, können sehr hohe Abflüsse auftreten. Am Wochenende sinken die Abflüsse oder sie sind konstant.»

Klimawandel als einer der Faktoren

Bei der langfristigen Entwicklung der Wassertemperaturen in Schweizer Gewässern ist ein deutlicher Trend zu erhöhten Temperaturen sichtbar. Im Rhein bei Basel sei laut Bafu die Temperatur seit den 1960er-Jahren um mehr als zwei Grad angestiegen. Ähnliche Temperaturerhöhungen könnten auch in anderen Gewässern im Mittelland festgestellt werden. «Zu dieser Entwicklung tragen der Klimawandel und die Einleitung von erwärmtem Wasser, beispielsweise aus Kühlanlagen (zum Beispiel von Kernkraftwerken oder der Industrie) oder Abwassereinigungsanlagen, bei.» 

Aufgrund der Klimaveränderung sei in den kommenden Jahrzehnten mit einer weiteren Zunahme der Wassertemperatur in den Oberflächengewässern zu rechnen. Für empfindliche Wasserorganismen werde deshalb in bestimmten Gewässerabschnitten der Stress grösser und die Überlebensbedingungen zunehmend schlechter. Durch diese Entwicklung bestehe zudem bei den Wasserlebewesen ein erhöhtes Risiko für Krankheiten.

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