15.07.2020 08:53

Unbedingte FreiheitsstrafeNach Schwindel mit «Emmentaler» muss Käser über 5 Jahre ins Gefängnis

Ein 52-jähriger Käser aus dem Linthgebiet wurde vom St. Galler Kantonsgericht zu einer unbedingten Haftstrafe verurteilt. Er hat «Emmentaler» verkauft, der gar keiner ist und weitere Betrügereien aufgebaut.

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mig
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Das Kreisgericht See-Gaster prach den Käser Mitte 2017 wegen Betrugs, Veruntreuung, ungetreuer Geschäftsbesorgung, Urkundenfälschung und Gläubigerschädigung schuldig. (Symbolbild)

Das Kreisgericht See-Gaster prach den Käser Mitte 2017 wegen Betrugs, Veruntreuung, ungetreuer Geschäftsbesorgung, Urkundenfälschung und Gläubigerschädigung schuldig. (Symbolbild)

Keystone
Der Mann soll unter anderem grosse Mengen von Käse unerlaubterweise als «Emmentaler» verkauft haben.

Der Mann soll unter anderem grosse Mengen von Käse unerlaubterweise als «Emmentaler» verkauft haben.

Keystone
Dadurch entgingen der Branchenorganisation Erträge.

Dadurch entgingen der Branchenorganisation Erträge.

Keystone. 

Darum gehts

  • Ein Käser wurde vom Kantonsgericht zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 63 Monaten verurteilt.
  • Das Kantonsgericht verschärfte das Urteil von der Vorinstanz.
  • Rechtskräftig ist das Urteil noch nicht.
  • Unter anderem soll der Käser «Emmentaler» verkauft haben, der gar keiner ist.
  • Er forderte vor dem Kantonsgericht einen Freispruch.
  • Der Käser ist der St. Galler Justiz kein Unbekannter. Er stand schon mehrfach vor Gericht.

Mit seinem noch nicht rechtskräftigen Entscheid hat das St. Galler Kantonsgericht das Urteil der Vorinstanz weitgehend bestätigt, gelangte aber zusätzlich zu weiteren Schuldsprüchen. Es verurteilte den 52-jährigen Käseproduzenten wegen gewerbsmässigen Betrugs, qualifizierter ungetreuer Geschäftsbesorgung, Veruntreuung und verschiedener weiterer Delikte zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 63 Monaten, was fünf Jahren und drei Monaten entspricht.

Der Mann sei unter anderem dafür verantwortlich, dass grosse Mengen von Käse falsch deklariert worden seien, um Beiträge an die Sortenorganisationen zu umgehen, heisst es in der am Dienstag veröffentlichten Kurzbegründung des Gerichts. Der Käser habe ausserdem «Verkäsungs- und Siloverzichtszulagen» treuwidrig nicht an die Milchproduzenten weitergeleitet. Er habe mit verschiedenen Transaktionen das von ihm geführte Unternehmen in Millionenhöhe geschädigt.

Freisprüche verlangt

In der Verhandlung vor dem Kantonsgericht warf die Staatsanwaltschaft dem Beschuldigten vor, mehrere tausend Tonnen Käse als «Emmentaler» verkauft zu haben, obwohl der Käse nicht nach dem Pflichtenheft der geschützten Ursprungsbezeichnung hergestellt worden sei. Weiter soll der Käser ein schwer durchschaubares Geflecht aus Darlehen, Schuldübernahmen, Pfandbriefen und Investitionen aufgebaut haben, von dem er persönlich finanziell profitierte.

Das Kreisgericht See-Gaster hatte ihn im Juli 2017 zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt. Im Oktober 2018 folgte eine unbedingte Geldstrafe. Der Anklage war das zu wenig: Vor dem Kantonsgericht verlangte die Staatsanwaltschaft eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren und fünf Monaten, dazu eine Geldstrafe von 130 Tagessätzen sowie eine Busse.

Der Käsermeister wollte hingegen einen Freispruch. Er argumentierte, er habe stets nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt. Allerdings sei er kein Buchhalter, sondern habe sich auf Helfer und Berater verlassen. Sein Verteidiger lieferte in seinen Ausführungen Erklärungen für all die Vorgänge, die die Anklage vorgebracht hatte. Diese seien in der Geschäftswelt normal, erklärte er.

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Käser wurde bereits verurteilt

Der 52-jährige Käser ist der St. Galler Justiz kein Unbekannter. 2016 wurde er vom Kantonsgericht wegen gewerbsmässigen Betrugs verurteilt. Er soll über 9000 Mastschweine illegal unter einem Qualitätslabel verkauft haben. Er focht das Urteil an, blitzte aber 2018 vor Bundesgericht ab.

Schon 2007 hatte der Mann vor Gericht gestanden. Auch damals wurde ihm als Käseproduzent Etikettenschwindel mit einem AOC-Gütesiegel vorgeworfen. Er wurde freigesprochen. Für Unmut sorgte damals, dass er vielen Landwirten Geld für Milchlieferungen schuldig blieb. Die Bauern mussten Millionen abschreiben.

(SDA)

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