25’000 statt 9 Millionen Franken - Nach spektakulärem Steuerdeal räumt die Finanzdirektorin Fehler ein
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25’000 statt 9 Millionen FrankenNach spektakulärem Steuerdeal räumt die Finanzdirektorin Fehler ein

Ein Rentner bezahlte 8,7 Millionen Franken an Steuern nicht, obwohl er im Luxus lebte. Fast wäre er mit 25’000 Franken davongekommen. Die Behörden stellen sich nun der Kritik.

von
Lucas Orellano
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Obwohl er seinen Porsche Cayenne und andere Luxusgüter über seine Firma abrechnete, gelang es einem Unternehmer im Kanton Bern, die Steuerbehörden zu narren.

Obwohl er seinen Porsche Cayenne und andere Luxusgüter über seine Firma abrechnete, gelang es einem Unternehmer im Kanton Bern, die Steuerbehörden zu narren.

Pixabay
Er schuldete dem Kanton nach 17 Jahren 8,72 Millionen Franken.

Er schuldete dem Kanton nach 17 Jahren 8,72 Millionen Franken.

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Er konnte die Steuerverwaltung täuschen, indem er die Kosten für sein Luxusleben kaschierte.

Er konnte die Steuerverwaltung täuschen, indem er die Kosten für sein Luxusleben kaschierte.

Pixabay (Symbolbild)

Darum gehts

  • Ein Berner Unternehmer bezahlte während 17 Jahren fast neun Millionen Franken an Steuern nicht.

  • Nachdem bekannt wurde, dass er fast mit 25’000 Franken davongekommen wäre, nehmen die Behörden Stellung.

  • Es handle sich um einen Einzelfall, heisst es. Dennoch könnten bald Massnahmen ergriffen werden.

Es ist ein spektakulärer Fall, der nur dank eines Zufalls an die Öffentlichkeit kam. Ein Berner Unternehmer bezahlte zwischen 1994 und 2011 seine Steuern in der Höhe von fast neun Millionen Franken nicht. Betreibungen ignorierte er. Schliesslich brachte er es fertig, die Steuerbehörden zu einem Deal zu bewegen: Den Rückkauf der Verlustscheine zu einem Preis von 25’000 Franken. Das entspräche einem Steuerrabatt von 99,7 Prozent.

Seine Wohngemeinde legte ihr Veto ein, daraufhin klagte der mittlerweile Pensionierte vor dem Verwaltungsgericht auf Vertragsbruch. Im Zuge der Verhandlungen stellte sich heraus, dass der Unternehmer im Luxus gelebt hatte: Porsche Cayenne, Golfferien, Schmuck, elektronische Geräte und Bussen rechnete er über seine Firma ab. Dabei hatte er gegenüber den Behörden stets beteuert, er lebe nur von AHV und Ergänzungsleistungen.

Keine zusätzlichen Kontrollen

Nun nehmen die Behörden Stellung. Gegenüber dem «Bund» sagt Michael Aerbersold (SP), Finanzdirektor der Stadt Bern, es handle sich dabei um einen Einzelfall. Aber auch: «Der Steuerverwaltung ist ein Fehler unterlaufen.»

Regierungsrätin Beatrice Simon (Die Mitte), kantonale Finanzdirektorin: «Es wurde unterlassen, vor Vertragsabschluss die Gemeinde einzubeziehen.» Die Abläufe seien festgelegt, müssten in Zukunft aber «konsequent eingehalten werden». Derart hohe Beträge abzuschreiben sei «sicher die Ausnahme». Zusätzliche Kontrollen lehnt sie ab.

Auch wenn es ein Einzelfall sein soll: Es ist nicht klar, wie viel Geld dem Staat jährlich durch den Rückkauf von Verlustscheinen entgeht. Politisch könnte der Druck bald wachsen. SP-Grossrätin Andrea Zryd ärgert sich gegenüber dem «Bund» darüber, dass Steuerbetrug als Kavaliersdelikt gelte, bei Sozialhilfe jedoch strenge Kontrollen gemacht werden.

Und gemäss Daniel Bichsel (SVP), Präsident der Finanzkommission, soll das Thema Verlustscheine bei nächster Gelegenheit thematisiert werden. Fallen die Antworten der zuständigen Stellen nicht befriedigend aus, müsse man über Massnahmen diskutieren.

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