Bauernhof brannte nieder: Nach dem Tod seiner 50 Kälber – Peta erstattet Anzeige gegen Landwirt
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Bauernhof brannte niederNach dem Tod seiner 50 Kälber – Peta erstattet Anzeige gegen Landwirt

Die Tierschutzorganisation Peta erstattete eine Strafanzeige gegen den Landwirt, dessen Bauernhof vergangenen Freitag niederbrannte. Dies, weil 50 Kälber in den Flammen ihr Leben verloren. Die Gemeindebewohner hingegen zeigen sich solidarisch und sammeln Spenden für die betroffene Familie.

von
Lara Hofer

Eine Leserin filmte, wie das Feuer auf dem Bauernhof wütete.

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Darum gehts

  • «Unzureichende Brandschutzmassnahmen», wirft die Tierschutzorganisation Peta dem Landwirt vor, dessen 50 Kälber im Feuer verstorben sind.

  • Sie hat nun Anzeige erstattet und fordert verschärfte gesetzliche Regulierungen.

  • Ganz anders ist die Stimmung in Corébert BE.

  • Die Gemeinde sowie diverse Privatpersonen zeigen sich solidarisch und lancierten eine Spendenaktion.

In Rière le Moulin in Cortébert BE brannte in der Nacht auf Freitag ein Bauernhof lichterloh. Personen wurden dabei keine verletzt – doch 50 Kälber verloren durch den Brand ihr Leben. Anhand mehrerer Medienberichte wurde die Tierrechtsorganisation PETA auf den Tod der Kälber aufmerksam – und hat nun Anzeige gegen den Landwirt erstattet.

Denn: «Aufgrund mutmasslich unzureichender Brandschutzmassnahmen wurde möglicherweise in Kauf genommen, dass die Kälber qualvoll ersticken oder bei vollem Bewusstsein verbrennen», teilt die Tierrechtsorganisation mit. Dies sei in der Schweiz kein Einzelfall: «Jährlich sterben hunderte Tiere bei Stallbränden. Nach Auffassung von Peta wird jeder solcher Tode aufgrund von mangelnden Brandschutzvorgaben billigend in Kauf genommen.» Die Organisation fordert auch von der Politik zu handeln und gesetzliche Regelungen zu verschärfen. «Verbraucher können ebenfalls etwas gegen solch schreckliche Vorfälle tun: Würden alle Menschen vegan leben, wäre das nicht passiert», so Ilana Bollag im Namen von Peta Schweiz.

Dorfbewohner starten Spendenaktion

Es könnte kontroverser nicht sein: Während die Peta erzürnt Strafanzeige erstattete und dem Landwirt gravierendes Fehlverhalten vorwirft, zeigen sich die Bewohnerinnen und Bewohner von Cortébert bewegt vom Ereignis und solidarisch mit der Familie. Diverse Spendenaktionen sind derzeit im Gange, wobei Geld für die betroffene Familie gesammelt wird. Dorf-Kinder haben etwa Kekse gebacken und verkaufen diese – der Erlös geht an die Bauernfamilie.

Auch die Gemeinde steht hinter den Betroffenen: Sie startete einen Aufruf zur Solidarität. Zudem stellt sie ein Bankkonto zur Verfügung und ruft zu Spenden auf. «Da die Familie buchstäblich alles verloren hat, werden auch Sachspenden entgegen genommen», so die Gemeinde auf Facebook. Ein vorübergehender Schlafplatz konnte bereits sichergestellt werden. Die betroffene Familie bedankte sich via Facebook bei allen, die ihre Unterstützung zeigten.

Gegenüber 20 Minuten zeigt sich ein Nachbar sehr betroffen: «Es ist nicht der erste Schicksalsschlag, den die betroffenen Familie erleben muss. Besonders nach diesem Brand ist es normal, dass das ganze Dorf sie unterstützt», so der Nachbar. Er sei beeindruckt von den jungen Menschen: «Trotz Stress und Gefahr haben sie alles richtig gemacht. Sie waren sehr mutig wie auch sehr vorsichtig.» Dass sie es geschafft haben, sich selbst wie auch zwei Drittel ihres Viehbestandes zu retten, finde er beachtenswert. «Die betroffene Familie muss wissen, dass wir alle bei ihnen sind.»

Druck auf Politik erhöhen

Die Tierschutzorganisation Peta erstattet nicht zum ersten Mal eine solche Anzeige: Im März 2020 kamen in Sax SG rund 400 Schweine durch einen Stallbrand ums Leben. Noch bevor die Brandursache geklärt werden konnte, erstatten die Tierrechtsschützer eine Strafanzeige gegen den betroffenen Landwirt. Begründung: Aufgrund unzureichender Brandschutzmassnahmen sei in Kauf genommen worden, dass die Schweine ersticken oder bei vollem Bewusstsein verbrennen müssen. Peta versucht dadurch, den Druck auf die Politik zu erhöhen. Raphael Helfenstein von der Geschäftsstelle des Schweinezucht- und Schweineproduzentenverbandes kritisierte damals das Vorgehen von Peta: «Bevor der Organisation die Brandursache bekannt ist, wird schon Anzeige erstattet.» Für die Bauern sei es eine Katastrophe, wenn ein Stall abbrenne – seelisch und finanziell.

Deine Meinung

295 Kommentare
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Cubert

01.02.2021, 13:04

PETA tötet in den USA bis zu 90% aller Katzen und Hunde, die in deren Tierheimen abgegeben werden. Das sind ca. 17'000 Tiere pro Jahr. Es sind also keine Tierheime, sondern Abschlacht-Stationen. Peta fühlt sich als TierRECHT-Organisation ohne karitativen Hintergrund und nicht als Tierschützer. Ihr erklärtes Ziel ist die Abschaffung der Haltung von Tieren, auch von Nutztieren, durch den Menschen. Ich würde denen die Gemeinnützigkeit absprechen.

Richtige Solidarität

01.02.2021, 12:54

Aus Solidarität zu den Bauern und als Protest gegen Peta gibt es diese Woche täglich eine schöne Grillade. Bitte macht alle mit, die Bauern benötigen unsere Unterstützung.

AntonMeier

01.02.2021, 12:34

Ja genau, der Landwirt hat schon genug Schaden, da braucht es nicht noch so eine besserwisserische Organisation die auf den Landwirt einhaut.