Verletzt von Dach gerettet: Nach Todesfall bei Gasexplosion – erneuter Arbeitsunfall in Horw

Aktualisiert

Verletzt von Dach gerettetNach Todesfall bei Gasexplosion – erneuter Arbeitsunfall in Horw

Ein Arbeiter ist am Montag auf derselben Baustelle in Horw verunfallt, auf der am 20. Juli ein Arbeiter bei mehreren Gas-Explosionen auf dem Dach ums Leben kam.

von
Daniela Gigor

In Horw LU kam es am 20. Juli zu einem Brand auf einer Baustelle. In der Folge sind auch mehrere Gasflaschen explodiert und ein 59-jähriger Mann kam ums Leben. 

Video: 20Min/News-Scout

Darum gehts 

Der Unfall, von dem 20 Minuten Kenntnis hat, ist am Montag kurz vor acht Uhr auf der Baustelle auf der Allmendstrasse 1 in Horw passiert. In der Folge wurde ein Arbeiter auf der Baustelle geborgen und vom Rettungsdienst 144 mit Verletzungen in das Spital gebracht. «Wie es zum Unfall kam und wo er auf der Baustelle stattgefunden hat, wird abgeklärt», sagt Simon Kopp, Sprecher der Staatsanwaltschaft Luzern, auf Anfrage. Im Einsatz war auch die Feuerwehr Horw und die Suva wurde über den Unfall informiert. 

Für die Identifizierung des Toten reisten seine Angehörigen in die Schweiz 

In welcher Funktion und in welchem Bereich der Verunfallte auf der Baustelle tätig war, und wie schwer die Verletzungen sind, die er sich zugezogen hat, konnte am Montag noch nicht gesagt werden. 20 Minuten weiss, dass der Mann mit einem Kran vom Dach geborgen werden musste. Fakt ist auch, dass dies der zweite Arbeitsunfall ist, der sich in kurzer Zeit auf derselben Baustelle ereignete. Am 20. Juli verstarb ein Arbeiter, nachdem auf der Baustelle ein Brand ausgebrochen war und in der Folge mehrere Gasflaschen explodierten.  

Beim Verstorbenen handelte es sich um einen 59-jährigen Mann aus Deutschland. Für die Identifizierung des Toten waren seine Angehörigen in die Schweiz gereist. Laut gut informierten Quellen soll der Mann bereits seit mehreren Jahren für dieselbe Firma temporär tätig gewesen sein. Für seine Arbeitskollegen, die den Unfall miterlebt hatten, soll es keine Auszeit gegeben haben, denn sie hätten bereits am Tag nach dem Unfall auf anderen Baustellen ihre Arbeit wieder aufnehmen müssen. Auch eine psychische Betreuung sei nicht erfolgt.  

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Am Montagmorgen passierte auf derselben Baustelle wieder ein Arbeitsunfall. Ein Arbeiter musste vom Dach geborgen werden, bevor er mit dem Rettungsdienst ins Spital gebracht wurde. 

Am Montagmorgen passierte auf derselben Baustelle wieder ein Arbeitsunfall. Ein Arbeiter musste vom Dach geborgen werden, bevor er mit dem Rettungsdienst ins Spital gebracht wurde. 

20min/Vanessa Federli

Auf dieser Baustelle in Horw kam am 20. Juli ein Mann ums  Leben. Nachdem Bitumen in Brand geraten war, explodierten mehrere Gasflaschen.  


Auf dieser Baustelle in Horw kam am 20. Juli ein Mann ums  Leben. Nachdem Bitumen in Brand geraten war, explodierten mehrere Gasflaschen.  

20min/News-Scout

Die betroffene Firma mit Hauptsitz in Alpnach (OW) wollte weder telefonisch noch schriftlich auf diese Vorwürfe Stellung nehmen. Wie es zu diesem tödlichen Unfall kommen konnte, wird auch von der Suva untersucht. Denn passieren derart schwerwiegende Unfälle, wie in diesem Fall bei der Überbauung Moyo in Horw, wird der grösste Unfallversicherer der Schweiz jeweils zur Klärung einbezogen. «Zur Unfallabklärung in Horw dürfen wir aufgrund unserer gesetzlichen Schweigepflicht keine Angaben machen», schreibt Adrian Vonlanthen, Sprecher der Suva, auf Anfrage: «Unsere Aufgabe ist, aus dem Unfallgeschehen Erkenntnisse zu gewinnen, die wir in unsere Präventionsmassnahmen einfliessen lassen, um gemeinsam mit den Betrieben gleiche oder ähnliche Unfälle in Zukunft zu verhindern.» 

Investition in Prävention macht auch aus wirtschaftlicher Sicht Sinn 

Für die Sicherheit und Gesundheit der Angestellten während der Arbeitszeit sind grundsätzlich die Arbeitgeber verantwortlich. Die Suva ihrerseits kontrolliert, ob die Betriebe ihren Pflichten nachkommen. So führt die Suva pro Jahr rund 12’000 Baustellenkontrollen in der ganzen Schweiz durch. Bei diesen stehen die branchenspezifischen lebenswichtigen Regeln im Mittelpunkt und die Suva prüft die jeweiligen Gefährdungen. Vonlanthen: «Dabei stehen wir im engen Austausch mit den Betrieben und suchen bei Mängeln vor Ort gemeinsam nach Lösungen. Dazu gehört auch, dass wir nachfragen, wie die Instruktion der lebenswichtigen Regeln vom Betrieb organisiert ist, und befragen vor Ort Mitarbeitende, wie vertraut sie mit den lebenswichtigen Regeln ihrer Branche sind.»

Eine positive Entwicklung ist in der Baubranche zu beobachten, wenn man die Entwicklung der Unfallzahlen ansieht. «Das Risiko, auf der Baustelle zu verunfallen, ist in den letzten zehn Jahren um zwölf Prozent gesunken», so Vonlanthen weiter. Natürlich treffe es, wie auf jeden anderen Berufszweig auch, auf Baustellen zu, dass man die Arbeit möglichst effizient erledigen möchte. Vonlanthen: «Gleichzeitig kosten Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz Zeit und Geld. Wir sind aber überzeugt, dass sich dieser Aufwand lohnt, wenn man damit grosses Leid verhindern kann. Ausserdem entstehen für den Betrieb durch einen Unfall ebenfalls Kosten, womit der finanzielle Aufwand der Prävention auch aus wirtschaftlicher Sicht Sinn macht.» 

Hast du oder hat jemand, den du kennst, ein Trauma erlitten?

Hier findest du Hilfe:

Pro Mente Sana, Tel. 0848 800 858

Angehörige.ch, Beratung und Anlaufstellen

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

 

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