Basel: Nach tödlichem Velounfall hebt Stadt über 500 Parkplätze auf
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BaselNach tödlichem Velounfall hebt Stadt über 500 Parkplätze auf

Parkplätze machen Strassen mit Tramverkehr für Velofahrer in Basel zum gefährlichen Nadelöhr. Nachdem der bekannte Umweltaktivist Martin Vosseler in so einer Strasse tödlich verunglückte, werden die Engpässe nun entschärft.

von
Elodie Kolb
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Solche Unfälle sollen verhindert werden: Das Basler Baudepartement plant den Abbau von über 500 Parkplätzen in Strassen, wo diese zu engen Platzverhältnissen für den Veloverkehr führen. In einem Nadelöhr zwischen Tramgleisen und parkierten Autos verunfallte im Oktober 2019 der bekannte Umweltaktivist Martin Vosseler tödlich.

Solche Unfälle sollen verhindert werden: Das Basler Baudepartement plant den Abbau von über 500 Parkplätzen in Strassen, wo diese zu engen Platzverhältnissen für den Veloverkehr führen. In einem Nadelöhr zwischen Tramgleisen und parkierten Autos verunfallte im Oktober 2019 der bekannte Umweltaktivist Martin Vosseler tödlich.

20 Minuten
In der Folge wurde auch politisch die Forderung laut, Parkplätze dort zu streichen, wo wegen Tramgleisen der Platz für eine sichere Veloführung fehlt.

In der Folge wurde auch politisch die Forderung laut, Parkplätze dort zu streichen, wo wegen Tramgleisen der Platz für eine sichere Veloführung fehlt.

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Der Abbau von Parkplätzen ist an Stellen geplant, an welchen der Abstand zwischen Parkplätzen am Strassenrand und den Tramschienen sehr gering ist und zu einer erhöhten Unfallgefahr für Velofahrer führt.

Der Abbau von Parkplätzen ist an Stellen geplant, an welchen der Abstand zwischen Parkplätzen am Strassenrand und den Tramschienen sehr gering ist und zu einer erhöhten Unfallgefahr für Velofahrer führt.

KEYSTONE

Darum gehts

  • In Basel werden über 500 Parkplätze abgebaut, um die Sicherheit für den Veloverkehr zu erhöhen.
  • Konkret sollen Autos dort verschwinden, wo der Korridor zwischen Strassenrand und Tramgleisen gefährlich eng ist.
  • An just so einer Stelle ist im Oktober 2019 der bekannte Basler Umweltaktivist Martin Vosseler mit dem Velo tödlich verunglückt.

Die Forderung nach sicheren Strassen für Velofahrer wurde nach dem Unfalltod von Martin Vosseler im Oktober 2019 wieder lauter. Der Umweltaktivist stürzte in der Austrasse an einer engen Stelle zwischen parkierten Autos und Tramgleis mit dem Velo und wurde von einem vorbeifahrenden Lastwagen erfasst. Am Freitag kommunizierte das Bau- und Verkehrsdepartement Basel (BVD), dass solche gefährlichen Stellen, an denen es zwischen Parkplätzen am Strassenrand und den Tramschienen besonders wenig Platz hat, entschärft werden sollen. Insgesamt sollen dafür über 500 Parkplätze in Basel aufgelöst werden.

Es gebe in Basel eine Vielzahl Stellen, an welchen es zwischen parkierten Autos am Strassenrand und den Tramschienen nur wenig Platz habe und für Velofahrende damit eine Gefahr bestehe. Einerseits weil dadurch schnell Türöffnerunfälle geschähen, anderseits aber auch, weil Velofahrer teilweise sehr knapp von Personenwagen überholt würden, wodurch Velofahrer an die stehenden Autos gedrängt würden und diese streifen könnten, so das BVD.

Abbau beginnt noch dieses Jahr

An sieben Stellen in der Stadt sollen noch dieses Jahr die ersten 180 Parkplätze aufgehoben werden. Darunter an der Bruderholzstrasse, dem Totentanz und dem Leonhardsgraben. Auch an Vosselers Unfallstelle, der Austrasse, ist die Auflösung von Parkplätzen geplant. In diesem ersten Schritt sollen überall dort Parkplätze aufgehoben werden, wo der Abstand zwischen Tramschienen und den Parkplätzen nur einen Meter oder weniger beträgt.

In den Folgejahren sollen von den insgesamt 27’000 Strassenparkplätzen in Basel weitere 350 verschwinden. Dies an den Stellen, die zwischen den Parkplätzen und den Gleisen zwar einen Abstand von mehr als einem Meter aufweisen, aber dennoch nicht der Norm entsprechen. Das Streichen von Parkplätzen stelle eine kostengünstige und schnell realisierbare Massnahme zur Gewährleistung der Sicherheit von Velofahrenden dar. Zusätzlich zur Aufhebung von Parkplätzen soll in Strassen mit Tempo 50 ein Radstreifen markiert werden.

Die Auflösung der Parkplätze komme aber nicht nur den Velofahrer zugute, sondern auch Nutzer des ÖV würden davon profitieren. Denn durch die Massnahme könnten auch Trambehinderungen reduziert werden, da Trams zurzeit immer wieder durch einparkende Autos ausgebremst würden. An Stellen, wo der Abstand zwischen Tram und Parkplätzen weniger als einen Meter beträgt, könnten schlecht parkierte Autos Trams sogar komplett an der Weiterfahrt hindern und damit erhebliche Störungen im öffentlichen Verkehr verursachen, heisst es weiter in der Mitteilung.

SVP reagiert «empört»

In einer Medienmitteilung reagiert die SVP auf die Ankündigung des BVD. Sie sei «empört» über den Entscheid, 500 Parkplätze abzubauen. Die Partei spricht von «einem ausgesprochen fragwürdigen Weg» und verlangt dazu einen Parlamentsentscheid. Sie verweist ausserdem auf die Alternative der «Gummi-Schienen», welche den Strassenverkehr für Velofahrende mittels eines neuen Gleissystems sicherer gestalten solle.

Pro Velo und die SP hingegen zeigen sich in ihren Stellungnahmen erfreut, die Sozialdemokraten sprechen von «einer sinnvollen Massnahme, die das Velofahren sicherer und attraktiver macht». Auch die Interessengemeinschaft öffentlicher Verkehr der Nordwestschweiz betont, dass es sich dabei um ein altes Anliegen von ihr handle und sie die rasche Durchsetzung der Massnahmen begrüssen würde.

Deine Meinung

493 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen

Tedd

19.09.2020, 17:44

Das Grundübel sind die Trams, riesige Verkehrshindernisse und eine grosse Gefahr, die können nicht ausweichen und kaum bremsen, da im Vergleich zu Autos vieeeeeeel zu langer Bremsweg Konsequenterweise müsste die Höchstgeschwindigkeit der Trams auf die Hälfte der Autos beschränkt werden

Matt

19.09.2020, 14:53

Ich finde das Richtig! SVP hat zurecht keine Chance in Basel! Ich hoffe das ein Magnetschwebebahn kommt!

b.

19.09.2020, 14:48

Es gibt schon wenige Parkplätze in Basel, Parkplätze werden immer wie mehr entfernt da wird man grundsätzlich gezwungen aus der Stadt auszuziehen. Alle reden von der Umwelt und dann minimiert man immer wie mehr Parkplätze ? Ich persönlich fahre 30 - 45min rum bis ich einen Parkplatz finde bei mir in der gegend finde. Basel - Stadt ist für mich nur noch Abzockerei, weniger Parkplätze mehr Strafzetteln.