Basel: Ein Taxifahrer wurde erstochen. Die Polizei hat vielleicht Daten.

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Tötungsdelikt in BaselNotfallknopf – hörte die Zentrale die Schreie des Taxifahrers?

Am Freitag wurde ein Taxifahrer in der Peter-Merian-Strasse erstochen und verstarb noch am Tatort. Der Täter ist seither flüchtig. Habe das Opfer einen Notfall-Knopf im Taxi betätigt, könnte das wichtige Hinweise zur Tat liefern, erklärt ein Experte aus der Taxibranche.

von
Vanessa Travasci
Steve Last
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Auch unter den Kollegen des Opfers ist die Betroffenheit gross.

Auch unter den Kollegen des Opfers ist die Betroffenheit gross.

20min/Gandalf Weidemann
Der Taxifahrer A.A.* (49) wurde am Freitagabend von einem Unbekannten erstochen. Die Trauer um den Familienvater ist bei Freunden und Bekannten gross.

Der Taxifahrer A.A.* (49) wurde am Freitagabend von einem Unbekannten erstochen. Die Trauer um den Familienvater ist bei Freunden und Bekannten gross.

20min/
Am Ort des Geschehens brachten Trauernde Blumen und Kerzen vorbei.

Am Ort des Geschehens brachten Trauernde Blumen und Kerzen vorbei.

20min/Gandalf Weidemann

Darum gehts

Der Basler Taxifahrer A.A.* (49) wurde am frühen Freitagabend nach einem Streit an der Peter-Merian-Strasse nahe dem Basler Bahnhof SBB erstochen. Die Betroffenheit über den Verlust des türkischen Familienvaters ist gross. Am Wochenende trauerte die kurdische Gemeinschaft in einem Schützenhaus in Münchenstein BL, wie Telebasel berichtete.

Nach ersten Erkenntnissen der Kriminalpolizei der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt verletzte ein Unbekannter den Mann mit einer Stichwaffe so schwer, dass dieser trotz Reanimation durch die Sanität noch vor Ort verstarb. Der Täter ist seither flüchtig. 

«Alle zwei Sekunden werden GPS-Daten überliefert»

Allenfalls gibt es eine Aufnahme der Geschehnisse vom Freitagabend. «Seit der neuen Taxiverordnung hat jeder Taxifahrer in seinem Auto einen Notfallknopf», sagt Lukas Bronner, Leiter Datenfunkzentrale, einer der beiden Basler Taxizentralen. Die Verordnung trat in Basel-Stadt 2017 in Kraft und verpflichtet Taxiunternehmen, die Bestelltaxis führen, ihre Fahrzeuge mit besagtem Knopf auszustatten. «Sobald der Knopf betätigt wird, wird ein Notruf zur Taxizentrale ausgelöst. Zeitgleich startet durch ein elektronisches Gerät im Fahrzeug eine Bild- und Tonübertragung», so Bronner. So sieht die Taxizentrale direkt, was im Taxi passiert, hat dessen Koordinaten und kann die Polizei alarmieren.  

«Auch werden die GPS-Daten im 2-Sekundentakt festgehalten. Man weiss genau, wann die Autos wo sind», sagt Bronner weiter. Es ist anzunehmen, dass es Aufzeichnungen seiner letzten Fahrt gibt, die der Staatsanwaltschaft in diesem Fall wohl bereits vorliegen. 

Ob A. vor seinem Tod den Notfallknopf betätigte, ist nicht bekannt. Ein News-Scout hörte den Taxifahrer, wie er nach der Polizei rief. 

«Bei unterdrückten Nummern fragen wir genauer nach»

Weiter sagt Bronner: «Die meisten Menschen, die ohne gute Absichten in ein Taxi steigen und über die Zentrale eine Fahrt bestellen, rufen unterdrückt an.» Beispielsweise wenn der Fahrgast nicht vorhabe zu bezahlen. «Bei unterdrückten Nummern fragen wir dann genauer nach Fahrdetails», so Bronner. Telefonnummern werden nicht gespeichert – das würde gegen das Datenschutzgesetz verstossen. 

Aus ermittlungstaktischen Gründen sowie wegen Vorgaben der Strafprozessordnung äussert sich die Staatsanwaltschaft nicht weiter zum laufenden Verfahren. «Die Sonderkommission, die die Kriminalpolizei der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt eingesetzt hat, arbeitet mit grossem Einsatz und hohem Engagement», sagt Martin Schütz, Sprecher der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt. Dabei gehe es darum, die tatverdächtige Person sowie den genauen Tathergang zu ermitteln. «Die Sonderkommission geht allen eingehenden Hinweisen selbstredend nach und ermittelt – wie immer – in alle Richtungen», so Schütz. 

Die Taxizentrale, bei der A.A.* angestellt war, war am Montag für eine Auskunft nicht erreichbar. 

*Name der Redaktion bekannt.

Verordnung zum Taxigesetz in Basel-Stadt

Taxiunternehmen sind per Verordnung dazu verpflichtet, alle Fahrten aufzuzeichnen und die Daten 60 Tage lang aufzubewahren. Zudem müssen alle Fahrzeuge mit einem Notrufsystem mit automatischer Koordinatenübermittlung ausgestattet sein. Die Verordnung lässt es offen, ob die Fahrten automatisch durch elektronische Systeme oder schriftlich in der Zentrale registriert werden. Wenn es sich beim Täter um einen Fahrgast handelte, könnte man so zumindest ermitteln, wo er eingestiegen ist. Dort könnten die Ermittelnden auf weitere Hinweise zur Identität des Täters stossen.

Trauerst du oder trauert jemand, den du kennst?

Hier findest du Hilfe:

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Seelsorge.net, Angebot der reformierten und katholischen Kirchen

Muslimische Seelsorge, Tel. 043 205 21 29

Jüdische Fürsorge, info@vsjf.ch

Lifewith.ch, für betroffene Geschwister

Verein Regenbogen Schweiz, Hilfe für trauernde Familien

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Pro Senectute, Beratung älterer Menschen in schwierigen Lebenssituationen

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