25.09.2014 04:09

Kreisgericht St. Gallen

Nach Treppensturz - Mann verklagt Hotel

Ein Mann setzt sich in einem St. Galler Hotel auf die Brüstung eines Treppenhauses und stürzt. Nun stehen Eigentümer, Liegenschaftsverwalterin und Betriebsleiter vor Gericht.

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taw
Die Verhandlung findet am Donnerstag vor dem Kreisgericht St. Gallen statt. (Bild: dst)

Die Verhandlung findet am Donnerstag vor dem Kreisgericht St. Gallen statt. (Bild: dst)

Der Privatkläger und zwei weitere Männer reisten am 18. Januar 2012 zusammen für einen Geschäftstermin in die Schweiz. In einem Hotel im Herzen von St. Gallen übernachteten sie schliesslich. Als sie am frühen Morgen von einem Geschäftsessen zurückgekehrt sind, hätten sie sich laut Anklageschrift noch im Obergeschoss des Hotels unterhalten. Dabei setzte sich der Kläger mit einer Gesässhälfte auf die Mauerbrüstung des Treppenhauses. Ohne äussere Einwirkung verlor der Deutsche das Gleichgewicht und stürzte rückwärts kopfvoran dreieinhalb Meter in die Tiefe. Dort blieb er verletzt liegen und musste mit dem Krankenwagen ins Kantonsspital St. Gallen gebracht werden.

Vollständige Genesung unwahrscheinlich

Vom Sturz trug er schwere Verletzungen davon. Nach dem Spitalaufenthalt folgte eine rund einmonatige Rehabilitationsbehandlung in einer Klinik. Danach war der Kläger noch weitere zwei Monate zu 100 Prozent arbeitsunfähig. Seit Juni 2012 arbeitet er wieder Vollzeit. Die ursprüngliche Leistungsfähigkeit ist aber noch nicht wieder erreicht. Über dauerhafte bleibende körperliche oder seelische Schäden kann laut Anklageschrift derzeit keine Angaben gemacht werden. Eine vollständige Genesung sei aber wenig wahrscheinlich.

Geländer fehlte

Der verletzte Geschäftsmann hat Zivilklage eingereicht. Deshalb müssen sich am Donnerstag nun der Liegenschaftseigentümer, die Liegenschaftsverwalterin wie auch der Betriebsleiter des Hotels wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzung vor dem Kreisgericht St. Gallen verantworten.

Die Liegenschaft, in dem das Hotel ist, steht unter Bundesschutz. Unter Mitwirkung der Denkmalpflege wurde sie im Jahr 1983 innen wie aussen umfassend saniert. Das Treppenhaus wurde damals in den heutigen Zustand versetzt. Die Schweizer Norm SIA 358 (Geländer und Brüstungen) schreibt eine Absturzsicherung ab einem Meter Höhe vor. 1983 sah diese Regelung allerdings eine Ausnahme für Objekte vor, die dem Ortsbild- und Denkmalschutz unterstehen. Das war beim betreffendem Hotel der Fall. Erst Jahre später wurde die Ausnahmeregelung ausser Kraft gesetzt.

Bedingte Geldstrafen gefordert

Laut Anklageschrift hätten sowohl der Eigentümer wie die Liegenschaftsverwalterin und der Betriebsleiter das Hotel auf Sicherheitsmängel überprüfen und allfällige Mängel beseitigen müssen. Das haben sie jedoch unterlassen, denn ein Geländer bei der Treppe wurde nie angebracht. Dieses hätte aber den Sturz gemäss Anklageschrift verhindert.

Dem Eigentümer drohen nun eine bedingte Geldstrafe in der Höhe von 24 Tagessätzen zu je 230 Franken. Dies unter Ansetzung einer Probezeit von zwei Jahren. Weiter fordert die Staatsanwaltschaft eine Busse von 1380 Franken. Der Liegenschaftsverwalterin drohen eine bedingte Geldstrafe mit 24 Tagessätzen zu je 140 Franken und eine Busse von 840 Franken. Der Betriebsleiter soll laut Staatsanwaltschaft zu einer bedingten Geldstrafe mit 14 Tagessätzen zu je 90 Franken und einer Busse von 540 Franken verurteilt werden.

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