Aktualisiert 20.08.2013 18:41

Alpnach OWNach Zoff um Asylheim: Erste Bewohner sind da

Die ersten Bewohner sind heute Dienstag ins neue Asylzentrum in Alpnach OW eingezogen. Der erste Eindruck der Asylbewerber von ihrem Zuhause ist positiv – obwohl sie nicht bei allen willkommen sind.

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vro/lüs

Heute Dienstag, 11:30 Uhr, zogen in Alpnach OW plangemäss die ersten Asylsuchenden in die Truppenunterkunft Kleine Schliere ein. Insgesamt 22 Bewohner aus verschiedenen Herkunftsländern reisten direkt vom Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) in Chiasso an. Am Donnerstag sollen bereits weitere Asylbewerber folgen, wie ein Mitarbeiter des Bundesamts für Migration (BFM) erklärte. «Die Leute, die hierher kommen, sind mitten im Asylverfahren. In der Regel bringen wir in solchen temporären Unterkünften Personen unter, deren Entscheid absehbar ist», sagt BFM-Sprecherin Gaby Szöllösy.

In der oberirdischen Anlage sollen auch neu ankommende Migrantenfamilien mit Kindern untergebracht werden, die in der Schweiz einen Asylantrag gestellt haben und auf einen Entscheid warten. Gemäss einem Flyer der Gemeinde sollen sie durchschnittlich drei bis sechs Wochen in Alpnach bleiben. Am Dienstag sind neun Kinder und dreizehn Männer - davon zwei Familienväter - in die Anlage eingezogen, wie das BFM mitteilte.

Der erste Eindruck der neuen Bewohner von ihrem Zuhause ist positiv. Ein nigerianischer Asylbewerber sagte zu 20 Minuten: «Es gefällt uns sehr hier in Alpnach. Wir wollen Leute kennenlernen und keine Probleme haben.» Ein Afghane, der zuvor 16 Tage im Empfangszentrum Chiasso einquartiert war, sagt: «Ich mag die Umgebung hier. Auch die Schweizer sind sehr nett.» Der Mann hatte zuvor sechs Jahre in England gelebt und wurde danach ausgeschafft. Später ist er erneut aus Afghanistan geflüchtet und jetzt in der Schweiz gelandet.

Auch den Kindern gefällts offenbar: Kurz nach ihrer Ankunft in der Anlage spielten sie bereits gemeinsam Fussball auf dem Kiesplatz des Areals.

Die Unterkunft bietet Platz für 100 Personen. Spätestens am 18. Februar 2014 soll die Anlage wieder geschlossen werden, teilte das Bundesamt für Migration (BFM) am Dienstag mit. Die Anlage in Alpnach sei die elfte Unterkunft in der Schweiz.

«Sensible Zonen» sind unüblich

Am Wochenende hatten in der Gemeinde Schmierereien für Aufsehen gesorgt, die sich gegen die Unterbringung der Asylbewerber richteten. Zuvor hatten die Sperrzonen für die Asylbewerber für Aufregung gesorgt.

Für die Sicherheit im und um das Zentrum soll der private Sicherheitsdienst Securitas rund um die Uhr sorgen. Für die Bevölkerung wurde eine Telefon-Hotline eingerichtet, bei der sie Probleme melden kann.

Im Vorfeld hat das BFM zusammen mit der Gemeinde sensible Zonen definiert. «Dies ist nicht immer so. Wir haben elf Unterkünfte eröffnet, bei vier davon gibt es solche Zonen», erklärt Szöllösy. Zu diesen zählt in Alpnach unter anderem das Schul- und Sportgelände. Die Nutzung sei dort allerdings ohnehin eingeschränkt. Schüler und Sportler hätten an diesen Plätzen Vorrang. Trotzdem dürfen sie auch von den Bewohnern der Asylunterkunft genutzt werden - allerdings nur mit einem Einverständnis der Gemeinde.

Missmut über Vertragsänderung

Die Vereinbarung wurde rund eine Woche vor dem Betriebsstart des Asylzentrums auf Wunsch des Bundes geändert. Dies sorgte unter anderem bei Anwohnern der Asylanlage und der lokalen SVP für Unmut.

In einem früheren Entwurf der Vereinbarung hiess es, dass die Asylbewerber unter anderem das Wohnquartier Hostettli, Waldgebiete oberhalb der Brünigstrasse und das Areal des Alterszentrums nicht betreten dürften.

In der Diskussion um vermeintliche Sperrzonen für Asylbewerber in Bremgarten AG von Anfang August stellte Bundesrätin Simonetta Sommaruga klar, dass es keine solche generelle, präventive Betretungs-Verbote für Asylbewerber geben werde. Für solche Verbote gebe es keine gesetzliche Grundlage. (vro/lüs/sda)

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